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Laptops und neue Lernmethoden - Was die Digitalisierung den Schülern bringt

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500 Euro pro Schüler - so viel steckt rechnerisch im Digitalpakt. Reicht das? Wo Chancen und Risiken der Digitalisierung liegen und was es neben dem Geld noch braucht.

Archiv: Drei Kinder schauen auf ein Tablet am 16.06.2017
Tablets gehören zum Alltag vieler Kinder - aber nicht an den Schulen.
Quelle: picture alliance/Geisler-Fotopress

Was bringt der Digitalpakt den Schulen?

Der Bund steckt fünf Milliarden Euro in die digitale Infrastruktur - verteilt auf fünf Jahre. Pro Jahr kann also eine Milliarde Euro für Laptops, Whiteboards und WLAN ausgegeben werden. Die Länder müssen einen Eigenanteil leisten. Laut Bundesbildungsministerium kommen so über den ganzen Zeitraum rein rechnerisch im Durchschnitt 137.000 Euro für jede der rund 40.000 Schulen in Deutschland zusammen. Oder 500 Euro pro Schüler. Auf die Bundesländer wird das Geld nach dem Königsteiner Schlüssel verteilt, der sich an Steueraufkommen und Einwohnerzahl orientiert:

Infografik: Digitalpakt - Wie viel Geld erhält welches Bundesland?
Die Digitalpakt-Milliarden werden nach dem Königsteiner Schlüssel verteilt.
Quelle: ZDF

Reicht das?

Wohl kaum. Axel Plünnecke vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat für den Bildungsmonitor 2018 der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft die Digitalisierung der deutschen Schulen untersucht und sagt: "Die fünf Milliarden Euro des Bundes reichen nicht, die Länder müssen sich auch an der Finanzierung beteiligen. Wie viel Geld genau nötig wäre, ist schwer zu sagen, weil wenig über die Computer-Infrastruktur der Schulen und ihren Zustand bekannt ist." Die Bertelsmann-Stiftung hat sich 2017 mit der Frage beschäftigt und kam auf 2,8 Milliarden Euro pro Jahr.

Dennoch bewertet Plünnecke die Einigung auf den Digitalpakt positiv. Er sei "ein wichtiger Startpunkt, damit jetzt mit neue Unterrichtskonzepte entwickelt und Lehrer fortgebildet werden können".

Wie steht Deutschland im internationalen Vergleich da?

"Im Mittelfeld", sagt Plünnecke. Nach der jüngsten internationalen Vergleichsstudie (die allerdings 2013 durchgeführt wurde), teilten sich im Durchschnitt 11,5 deutsche Achtklässler einen Computer. Damit lag Deutschland im EU-Schnitt. In Norwegen gab es zeitgleich einen Computer für 2,4 Schüler. Bei den Tablets lag Deutschland deutlich unter dem EU-Schnitt.

"Wir haben heute Technologien und Schüler aus dem 21. Jahrhundert, Unterrichtskonzepte aus dem 20. Jahrhundert, und eine Lern- und Arbeitsumgebung für Schulen aus dem 19. Jahrhundert", beklagte der Bildungsforscher Andreas Schleicher anlässlich der Konferenz Bildung Digitalisierung im November 2018 auf dem "Deutschen Schulportal".

Was ist neben der technischen Ausstattung nötig?

Viele Lehrer müssen fit für die Digitalisierung gemacht werden. Gewerkschaften und Lehrerverbände fordern eine Fortbildungsoffensive. In einer "neuen Pädagogik" sieht Schleicher die "größte Herausforderung". "Anders als die Hardware kann man innovative Unterrichtskonzepte und moderne Lernumgebungen nicht einfach an Schulen verkaufen, sie müssen von den Lehrkräften selber entwickelt werden, dafür brauchen Lehrkräfte mehr Zeit für Arbeit außerhalb des Unterrichts und gute Unterstützung."

Und eine gute Vernetzung. "Man könnte eine Schulcloud nach dem Wikipedia-Prinzip aufbauen, in der ein Lehrer zum Beispiel sein didaktisches Material zum Dreisatz teilt", schlägt Plünnecke vor. "Das könnten dann andere Lehrer bewerten und nutzen."

Mathe, Englisch und Bio am Computer lernen ist das eine - Unterricht über Digitales das andere. "Informatik ist kein festes Schulfach und es gibt viel zu wenige Informatiklehrer", sagt Plünnecke. "Seiteneinsteiger für das Fach zu gewinnen ist auch schwierig, weil Fachkräftemangel herrscht und Informatiker von der freien Wirtschaft umworben werden."

Außerdem muss jemand die Geräte auf Stand halten. Jedes größere Unternehmen hat eine IT-Abteilung - Schulen nicht. "Wir brauchen IT-Administratoren für die Schulen, die sich um Hard- und Software kümmern, das können nicht einzelne Lehrer nebenbei machen", sagt Plünnecke.

Ist der digitale Kraftakt an Schulen überhaupt nötig?

Ja, meinen viele Experten. Laut dem Bildungsmonitor 2018 halten 87 Prozent der Schulen ihre Digitalisierung für (eher) wichtig. "In Deutschland erzielen Schüler, die viel mit Computern lernen, noch keine besseren Ergebnisse als Kinder, an deren Schulen es kaum Computer gibt. In anderen Ländern ist das anders", sagt Plünnecke. Und Schleicher geht sogar davon aus, dass die Digitalisierung das Lernen demokratisiert: "In Ländern wie Japan lässt sich schon zeigen, dass sich die Digitalisierung mäßigend auf die soziale Selektion auswirkt." Während bisher Nachhilfe meist etwas für Kinder aus wohlhabenden Familien ist, helfen Lern-Apps allen Schülern.

Und vielleicht sogar besser als ein Lehrer. "Die Digitalisierung bietet neue Möglichkeiten, Lernschwächen früh zu erkennen. Und da muss man sagen: Künstliche Intelligenz ist dabei oft besser als menschliche Fähigkeiten", sagte Schleicher. "Mit digitalen Tests und der Analyse von Abweichungen lässt sich schon sehr viel früher sehen, wenn irgendwo Förderbedarf besteht." Der Lehrer sei künftig weniger mit Wissensvermittlung beschäftigt und könne sich besser um einzelne Schüler kümmern.

Perspektivisch sieht Plünnecke noch weitere Chancen: "Big Data könnte in Zukunft wichtige Erkenntnisse liefern, mit welcher Lehrmethode Schüler die besten Fortschritte erzielen."

Wo liegen die Risiken?

Die Digitalisierung könnte die Kluft zwischen Schülern verschiedener Herkunft auch weiter verschärfen. "Je sozial schwächer ein Gebiet, desto mehr Geld muss die Schule vom Staat bekommen", fordert Plünnecke. "Das gilt für die Integration, aber auch für die technische Ausstattung."

Der Umgang mit digitalen Medien werde für den Berufseinstieg immer wichtiger. "Es darf keine neue Schere entstehen zwischen Jugendlichen, die die neue Technik vor allem zum Spielen verwenden, und solchen, die kompetenzorientiert damit umgehen, beispielweise bei der Recherche."

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