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Wo Fachkräfte fehlen - und woher sie kommen sollen

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Spitzentreffen im Kanzleramt - Wo Fachkräfte fehlen - und woher sie kommen sollen

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Warum will die Bundesregierung Fachkräfte aus Nicht-EU-Ländern holen? Was ist mit deutschen Arbeitslosen? Die wichtigsten Antworten zum Gipfel im Kanzleramt.

Am 1. März 2020 tritt das Gesetz zur Fachkräfte-Einwanderung in Kraft, das qualifizierten Arbeitnehmern aus Nicht-EU-Staaten den Weg nach Deutschland ebnen soll. Was das konkret heißt, darüber wird heute bei einem Spitzentreffen im Kanzleramt beraten.

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Was ist das Problem?

Deutsche Unternehmen sehen im Fachkräftemangel das größte Geschäftsrisiko. In einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, gaben dies 56 Prozent der Firmen an.

Im eigenen Land und in der EU finden sie nicht genug Mitarbeiter. Deshalb will die Bundesregierung nun qualifizierten Arbeitnehmern aus Nicht-EU-Staaten deutlich leichter und schneller den Weg nach Deutschland ebnen. Dazu tritt Anfang März das Fachkräfteeinwanderungsgesetz in Kraft. Intern geht man in der Bundesregierung davon aus, dass in den kommenden Jahren Zehntausende Fachkräfte aus Nicht-EU-Staaten gebraucht werden.

In welchen Branchen fehlen Fachkräfte?

Die größten Engpässe bestehen laut Fachkräftestrategie derzeit bei Berufen aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik - daneben sind der Bau, der Hotel- und Gaststättenbereich sowie Gesundheitsberufe betroffen. Konkret gehe es etwa um Elektrotechniker, Metallbauer, Mechatroniker, Köche, Alten- und Krankenpfleger, Informatiker sowie Softwareentwickler. Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz beschränkt die Zuwanderung allerdings nicht auf Engpassberufe.

Könnten nicht die Millionen deutschen Arbeitslosen die Lücke schließen?

Nein. Die meisten der bei der Arbeitsagentur gemeldeten Stellen richteten sich an Menschen mit Berufsschulabschluss, berechnete Anfang 2019 das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Doch kommt jeder zweite der rund 2,2 Millionen Arbeitslosen nur für Jobs in Frage, für die keine abgeschlossene Berufsausbildung verlangt wird. Zwar können Menschen qualifiziert werden - etwa vom Altenpflegehelfer, wo es keine Engpässe gibt, zum Engpass-Beruf des Altenpflegers. Die Weiterbildung ist auch eine der drei Säulen der Fachkräftestrategie der Bundesregierung - neben der Anwerbung von Fachkräften aus EU- und Nicht-EU-Staaten.

Die Qualifizierung erfordert aus Sicht des IW aber ein hohes Maß an Engagement und Willen von Arbeitssuchenden und Unternehmen. Zudem müssten Arbeitslose auch gewillt sein, in eine Region zu ziehen, in der es einen Mangel an Fachkräften gibt.

Wie attraktiv ist Deutschland für Fachkräfte aus dem Ausland?

Dieser Frage sind die Bertelsmann-Stiftung und die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in einer gemeinsamen Untersuchung nachgegangen - mit Blick auf zuwanderungswillige Akademiker. Dabei landet die Bundesrepublik unter den mehr als 30 OECD-Industrieländern nur auf Rang zwölf. Das größte Defizit liege in den eher schlechten beruflichen Chancen hierzulande - besonders, wenn die Zugewanderten einen akademischen Abschluss aus Nicht-EU-Ländern mitbringen. Die ausländischen Akademiker arbeiten zudem oft nicht in Jobs, die ihrem Qualifikationsniveau entsprechen. Das sei auch negativ für die Volkswirtschaft und halte andere gut ausgebildete Menschen davon ab, nach Deutschland zu kommen, betonte die Bertelsmann-Stiftung.

Bei Zuwanderern, die ein Unternehmen gründen wollen, landet Deutschland dagegen auf einem guten sechsten Platz in dem Ranking. Schaut man auf die - um Steuern und Preisniveau bereinigten - Löhne, sei Deutschland mit Rang 25 aber wiederum wenig attraktiv. Hier finden Sie alle Ergebnisse.

Wo sollen die Fachkräfte angeworben werden?

Zunächst unter anderem in Brasilien, Indien, Vietnam und Mexiko. Entscheidend ist, dass Länder Interesse an einer Zusammenarbeit mit Deutschland haben - also überhaupt zulassen, dass Fachkräfte angeworben werden sollen.

"Das Anwerben von Arbeitskräften aus Drittstaaten ist harte Arbeit", sagte Daniel Terzenbach, Mitglied im Vorstand der Bundesagentur für Arbeit. Es gehe um die Anerkennung der Berufsausbildung und Behördengänge. Keinesfalls sollen die Menschen im Ausland oder in Deutschland an die falschen Leute geraten und abgezockt werden.

Womit wirbt Deutschland?

"Make it in Germany" - mit diesem Slogan wirbt Deutschland um ausländische Fachkräfte. Auf einem Internetportal gibt es eine Jobbörse und Infos zu Sprachkursen. Es wird auf die gute Qualität von Bildungs- und Gesundheitssystem verwiesen, auf die politische Stabilität - und auf im internationalen Vergleich kurze Arbeitszeiten mit vielen Urlaubs- und Feiertagen.

Wie läuft die Fachkräfte-Werbung bisher?

Die Arbeitsagentur sucht seit Jahren mit Partnern gezielt nach Arbeitskräften im Ausland für den deutschen Markt - etwa auf den Philippinen, in Tunesien oder auch in Bosnien-Herzegowina. Nach Angaben der Bundesagentur kamen im vergangenen Jahr 60.000 Menschen aus Nicht-EU-Ländern aus beruflichen Gründen nach Deutschland.

Mit der sogenannten Konzentrierten Aktion Pflege will Deutschland dem Pflegekräftemangel entgegenwirken.

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Für Nicht-Akademiker blieb die Tür aber meist zu - obwohl allein in der Pflege in Deutschland derzeit 40.000 Kräfte fehlen. Akademiker haben es leichter: Die EU bietet über die sogenannte Blue Card schon seit 2012 ausländischen Hochschulabsolventen ein dauerhaftes Arbeits- und Bleiberecht an. Sie brauchen einen Abschluss. Zusätzlich müssen sie ein Einkommen von mindestens 53.000 Euro nachweisen.

Woran hakt es sonst noch?

Auch die begehrteste Fachkraft braucht ein Visum. Die deutschen Auslandsvertretungen, die die Dokumente ausstellen, erweisen sich aber bisher als Flaschenhals auf dem Weg nach Deutschland. Angesichts der stark gestiegenen Nachfrage habe man an betroffenen Standorten bereits aufgestockt, heißt es aus dem Auswärtigen Amt. Für das kommende Jahr sind 109 zusätzliche Stellen vorgesehen. Außerdem sollen Visaverfahren digitalisiert werden. Eine eigene Behörde mit mindestens 200 Mitarbeitern, das Bundesamt für Auswärtige Angelegenheiten, soll sich von Anfang 2021 an unter anderem um die Visabearbeitung kümmern.

Wie läuft die Integration?

Bei den Gastarbeitern der 1950er und 1960er Jahre wurde kaum an Integration gedacht - diesen Fehler will die Bundesregierung jetzt vermeiden. Künftige Zuwanderer sollen schon in ihrer Heimat Deutsch lernen. "Integration ist leichter, wenn die Betroffenen schon Deutsch sprechen, bevor sie kommen", sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU).

Altmaier im Interview mit dem ZDF-Morgenmagazin.

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"Was dem türkischen Bergmann der ersten Gastarbeitergeneration gefehlt hat, muss die philippinische Pflegerin von heute bekommen", sagte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz.

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