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ZDF-Sommerinterview - Steinmeier verlangt Respekt von Zuwanderern

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Bundespräsident Steinmeier fordert von den in Deutschland lebenden Zuwanderern, sich an die Regeln des Landes zu halten: "Respektiert unsere Tradition", sagt er im ZDF-Sommerinterview - und warnt zugleich davor, dass Integration Jahrzehnte dauern könnte.

Frank-Walter Steinmeier kritisiert den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan scharf. Und er nennt Integration eine "Riesenaufgabe". Sehen Sie hier das ZDF-Sommerinterview mit dem Bundespräsidenten.

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19 min
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Es sind klare Worte, die Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an die in Deutschland lebenden Zuwanderer richtet. Neben dem Respekt vor heimischen Traditionen fordert er von ihnen auch, Deutsch zu lernen und sich zu integrieren: "Heimat ist da, wo ich verstehe und verstanden werde. Das Verstehen setzt auch Spracherwerb voraus", so Steinmeier. Dabei biete Deutschland natürlich Hilfe an, formuliere aber auch eine Erwartung: "Respektiert unsere Tradition und respektiert vor allen Dingen die Regeln, die in diesem Lande gelten."

Steinmeier nennt die Integration von Flüchtlingen in die Gesellschaft eine "Riesenaufgabe, die uns möglicherweise Jahrzehnte beanspruchen wird". Ob das Thema Flüchtlinge im Wahlkampf eine Rolle spiele, könne er nicht beurteilen. "Ich glaube, es hängt auch ein bisschen an der Entwicklung der Flüchtlingszahlen in den nächsten Wochen, über die Sommermonate hinweg." Er könne allerdings sagen, dass das Thema Flüchtlinge bei den Menschen sehr wohl ein Thema sei. Zum Beispiel bei denen, die immer noch voller Engagement und Hilfsbereitschaft seien und mit Enttäuschung sähen, dass sich andere abwenden.

Steinmeier warnt vor Zuspitzung der Flüchtlingsfrage im Wahlkampf

Indirekt warnt Steinmeier vor einer Zuspitzung des Themas im Wahlkampf. Sein Amtsvorgänger, Joachim Gauck, habe etwa gefordert, dass es über die Flüchtlingspolitik ein Gespräch in der Gesellschaft gebe, "dass wir nicht eine Polarisierung um die Frage der Flüchtlinge erleben." Er selber habe darüber viel mit Joachim Gauck gesprochen. Und bei einem Besuch in Stuttgart habe er Lehrer erlebt, die Flüchtlinge aus Afghanistan, Nordafrika oder Syrien auf eine Berufsausbildung vorbereiten. "Es geht in vielen Fällen. Es klappt nicht in allen Fällen. Auch das ist die ganze Wahrheit."

In dem Interview, das das ZDF um 19:10 Uhr ausstrahlt, hatte Steinmeier auch ungewohnt scharf den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan kritisiert. Dieser versuche, Reste von Kritik und Opposition mundtot zu machen. Steinmeier stellte sich auch hinter die schärfere Gangart der deutschen Außenpolitik gegenüber Ankara. Als weitere Länder, in denen es im Moment autoritäre Strukturen gebe, nannte Steinmeier auch Ungarn und Polen. Auf die Frage, ob er die USA noch für einen verlässlichen Partner halte, sagte er: "Wir haben jedenfalls keinen Anlass, uns in irgendeiner Form moralisch zu erheben."

"Irritiert" über das deutsch-amerikanische Verhältnis

Steinmeier gab allerdings zu, dass ihn im transatlantischen Verhältnis durchaus einiges irritiere. "Das stärkste ist vielleicht, dass wir in der Geschichte der deutsch-amerikanischen Beziehungen noch nie so viel Ungewissheit hatten, wie zum gegenwärtigen Zeitpunkt." Amerika bestehe aber nicht nur aus der gegenwärtigen Politik oder Administration. "Nicht ganz Amerika hat die Bedeutung der transatlantischen Beziehungen vergessen und deshalb setze ich darauf, dass es auch innerhalb der amerikanischen Politik noch Korrekturen dessen gibt, was wir im Augenblick sehen."

Viel Außenpolitik im ersten ZDF-Sommerinterview des neuen Bundespräsidenten - so viel, dass die Frage nach seinem Amtsverständnis naheliegt. Ob er schon angekommen sei in Schloss Bellevue? Oder doch noch dem Auswärtigen Amt hinterher trauere? Das würden ganz viele fragen, sagt Steinmeier. "Aber ich denke, ich bin angekommen, auch wenn die Umstellung etwas größer war, als ich vielleicht selbst, mit Respekt vor dem Amt, erwartet habe." Alten Aufgaben würde er aber nicht nachtrauern. "Es ist im Gegenteil so, ich freue mich über die neuen Möglichkeiten, die dieses Amt mit sich bringt. Und das ist schön so."

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