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Erziehung - Handyverbot an französischen Schulen

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Seit dem 3. September sind Handys an allen französischen Kindergärten und Schulen vom Gesetz verboten - theoretisch. In der Praxis sieht es etwas anders aus.

Ein Schüler mit einem Handy in der Hand. Symbolbild
Ein Schüler mit einem Handy in der Hand. Symbolbild
Quelle: Sven Hoppe/dpa

Die sogenannte "rentrée", der Schulbeginn Anfang September nach zwei Monaten Sommerferien, ist in Frankreich ein entscheidender Moment des Jahres, der auch immer viele Neuigkeiten mit sich bringt. Da war dieses Jahr keine Ausnahme. Ein Wahlversprechen von Präsident Emmanuel Macron ist umgesetzt worden: das Handyverbot an Schulen.

Erst am 3. August, also einen Monat vor Schulanfang, haben die Abgeordneten der Nationalversammlung das Gesetz endgültig verabschiedet. Lange Debatten sind geführt worden. Nicht nur die Teenager, auch viele Eltern und Lehrer waren gegen eine gesetzliche Reglung. In der Praxis hat jede Schule aber noch relativ viel Freiraum.

Handy aus für 10 Millionen Kinder

Schon 2010 war der private Gebrauch von Mobiltelefonen im Unterricht vom Erziehungsministerium verboten worden. Für Erziehungsminister Jean-Michel Blanquer war ein Gesetz trotzdem eine Notwendigkeit um der Schule des 21. Jahrhunderts gerecht zu werden. "So können sich junge Menschen wieder besser konzentrieren, sie spielen wieder auf dem Schulhof, anstatt Videos zu gucken", sagt er mit Überzeugung.

Das Gesetz gilt seit dem 3. September für ca. 10 Millionen Kinder von 3 bis 15 Jahren an allen Kindergärten, Grundschulen und Collèges, die weiterführenden Schulen bis zur 9. Klasse. Sie dürfen das Handy noch dabei haben, es soll aber theoretisch ausgeschaltet im Schulranzen sein.

Lehrer dürfen Handys konfiszieren

Das Gesetz gibt dem Erziehungspersonal die Möglichkeit die Apparate zu konfiszieren, falls die Kinder die Schulregeln missachten sollten. Die konkrete Anwendung ist allerdings noch in der Anlaufphase. Und der Text ist je nach Schule und Bedarf ziemlich frei interpretierbar.

Im Collège Elsa Triolet, im Département Seine-et-Marne, bei Paris, erlaubt die Hausregel weiterhin die Nutzung der Mobiltelefone im Pausenhof. "Mit den Handys ist es auf in den Pausen ruhiger und wir vermerken weniger Verstöße gegen die Regeln, weniger Gewalt", rechtfertigte sich Schulleiterin Laetitia Perozoni beim Sender France 2.

Verstößt sie damit gegen das Gesetz? Nein. Das Nutzungsverbot der elektronischen Geräte gilt in den Schulen, bei Ausflügen oder in Sporthallen "außer dort wo die Hausregel die Nutzung ausdrücklich erlaubt". Und das liegt im Ermessen der Schulleitung.

Lehrer sind keine Polizisten

"Die Lehrer können ja nicht in Polizisten verwandelt werden um Handys zu konfiszieren, wenn sie eh schon nicht genug Zeit haben um den Lehrstoff zu bewältigen", sagte Claire Krepper von der Lehrergewerkschaft SE-Unsa der Zeitung "Le Monde".

Wie viele andere Erzieher plädierte sie eher für eine "vernünftige und intelligente" Nutzung von Mobiltelefonen und anderen elektronischen Geräten, die das Gesetz auch verbietet. Für viele Lehrer geht es eher darum den Kindern zu zeigen, wie man die Apparate auch zum Lernen oder Arbeiten einsetzen kann.

"Im Berufsleben werden sie es brauchen. Es geht also auch darum, ihnen zu lehren wie man damit umgeht, zu entscheiden was wichtig und unwichtig ist, was lese ich jetzt, was lese ich später. Und wenn sie es übertreiben, werden sie ans Gesetz erinnert", befindet Bénédicte Pugin, die am Collège Olympe de Gouges im Elsass Mathematik unterrichtet.

Viele Schulen können striktes Verbot nicht umsetzen

"Das größte Problem ist die Nutzung der sozialen Netzwerke auf den Handys der jungen Leute", sagt auch Christophe Thomassin, Schulleiter im Département Charentes. Und das Gesetz beinhalte zwar "Einschränkungen und Strafen", es fehle aber der erzieherische Aspekt über die korrekte Nutzung der Smartphones, kritisiert er.

Wie viele Schulen ein striktes Verbot der elektronischen Geräte durchsetzen werden ist noch unklar. Denn das Einsammeln der Geräte jeden Morgen und die Wiederherausgabe abends ist für viele ein echtes Problem. "Und was ist, wenn ein Apparat kaputt geht, verloren geht oder geklaut wird, wer haftet dann", fragte schon bei der Debatte um das Gesetz die Elternvereinigung FCPE.

Viele Eltern gegen Handyverbot

Viele Eltern waren überraschenderweise als erste gegen ein komplettes Handyverbot an den Schulen. Denn wenn 86 Prozent der 12 bis 17-jährigen ein eigenes Handy besitzen, ist das vor allem auf Initiative besorgter Eltern, die wissen wollen wo ihr Teenager abbleibt.

Die sind Eltern und Lehrern wie oft einen Sprung voraus. "Wenn meine Schule das Handy ganz verbietet, dann lege ich mir eben ein falsches zu, das ich morgens abgebe", sagte die 14-jährige Angela dem ZDF. "Und das richtige verstecke ich im Schulranzen"...

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