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Zu gut für die Tonne: Reste-Tüte per App

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Lebensmittelverschwendung - Zu gut für die Tonne: Reste-Tüte per App

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Frankreich hat vor drei Jahren großen Supermärkten das Wegwerfen von Lebensmitteln verboten. Eine App hilft beim Kampf gegen die Verschwendung.

Archiv: Lebensmittel liegen am 13.03.2012 in einer Mülltonne
Lebensmittel in einer Mülltonne (Symbolbild)
Quelle: dpa

Camille hat Feierabend und Appetit auf ein Croissant. Sie holt ihr Telefon raus, tippt auf ein grünes Logo und lächelt. "Da vorne um die Ecke kann ich gleich eine Tüte mit Backwaren abholen", erklärt sie. Sie tippt mit dem Zeigefinger auf "Kaufen" und macht sich auf den Weg.

"Too good to go"

An der Kasse zeigt sie nur kurz ihr Telefon mit der elektronischen Quittung vor und bekommt eine Papiertüte voller Leckereien in die Hand. Kaum hat sie den Laden verlassen, holt sie ihr Croissant aus der Tüte und beißt zufrieden hinein. "Und da ist auch noch genug für später drin", sagt Camille zufrieden.

Die junge Pariserin nutzt die App "Too good to go", etwa: zu gut für die Tonne, um kurz vor Ladenschluss unverkaufte Waren zum Schnäppchenpreis einzukaufen. Das kann ein Sushi-Menü aus einem Restaurant sein, unverkauftes Obst und Gemüse aus dem Supermarkt oder auch eine Überraschungstüte vom Bäcker. In Deutschland lässt sich die App mittlerweile auch in zahlreichen Städten nutzen.

"Drei Millionen Mahlzeiten gerettet"

Zehn Millionen Tonnen Lebensmittel werden weltweit jedes Jahr weggeworfen. Das ist ein dringendes Problem, und jeder kann etwas dagegen tun.
Lucie Basch, Mitentwicklerin der App

"Wir haben vergangenes Jahr drei Millionen Mahlzeiten gerettet", sagt Lucie Basch stolz, die die App mit entwickelt hat und seit knapp drei Jahren in Frankreich ausbaut. "Zehn Millionen Tonnen Lebensmittel werden weltweit jedes Jahr weggeworfen. Das ist ein dringendes Problem, und jeder kann etwas dagegen tun", sagt die 27-Jährige, die einen Posten bei Nestlé aufgegeben hat, um sich dem Anti-Verschwendungs-Kampf zu widmen.

Frankreich ist weltweit ein Vorreiter in diesem Kampf: Vor drei Jahren verabschiedete das Parlament ein wegweisendes Gesetz. Größere Supermärkte sind seitdem verpflichtet, unverkaufte Waren an Hilfsorganisationen zu spenden. Die Hilfsorganisation Banques Alimentaires, vergleichbar mit den deutschen Tafeln, erhält seitdem etwa 20 Prozent mehr Spenden als zuvor.

Auge auf Vernichtung von Lebensmitteln in Frankreich

Es ist doch verrückt, noch essbare Lebensmittel mutwillig zu vernichten. Das zeigt, wie krank das System ist.
Lucie Basch, Mitentwicklerin der App

Früher ließen französische Supermärkte übrig gebliebene Lebensmittel häufig mit giftigen Reinigungsmitteln übergießen. Auf diese Weise wollten sie verhindern, dass Bedürftige in den Mülltonnen stöbern. "Es ist doch verrückt, noch essbare Lebensmittel mutwillig zu vernichten", meint Lucie Basch. "Das zeigt, wie krank das System ist."

Der Pariser Anwalt Arash Derambarsh, der das Gesetz mit auf den Weg gebracht hatte, sammelt derzeit Hinweise auf Supermärkte, die immer noch Lebensmittel vernichten. Er will demnächst eine Klage einreichen, im Fall einer Verurteilung droht eine Strafe in Höhe von 3.750 Euro. Zudem hat er eine Online-Petition gestartet, um das französische Gesetz auch auf europäischer Ebene durchzusetzen.

Nächste Etappe: Mindesthaltbarkeitsdatum

Lucie Basch, die Mitgründerin der App, hat schon die nächste Etappe vor Augen, um die Verschwendung von Lebensmitteln zu verhindern, nämlich das Mindesthaltbarkeitsdatum. In Frankreich sind viele Produkte mit dem Hinweis versehen "zu verzehren vor dem ...". Das verleitet viele Verbraucher dazu, "abgelaufene" Lebensmittel ohne weitere Prüfung wegzuwerfen.

Wenn ein Joghurt nicht mehr essbar ist, dann weiß man das sofort, wenn man ihn öffnet. Wir sollten unserer Nase mehr vertrauen.
Lucie Basch, Mitentwicklerin der App

"In vielen Fällen sind die Waren noch lange über das Datum hinaus genießbar", sagt Lucie Basch. "Wenn ein Joghurt nicht mehr essbar ist, dann weiß man das sofort, wenn man ihn öffnet. Wir sollten unserer Nase mehr vertrauen." Sie setzt sich für eine deutliche Formulierung auf der Verpackung ein, etwa: "am besten zu verzehren bis ... – aber auch danach noch essbar".

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