Sie sind hier:

Streik auch an Weihnachten - Macron appelliert - umsonst

Datum:

Keine Streiks, wenigstens an Weihnachten: Das forderte Frankreichs Präsident Macron. Doch sein Appell verhallt ungehört. Die Gewerkschaften streiken weiter - auch an den Festtagen.

Das Verkehrschaos in Frankreich geht auch an Weihnachten weiter. Die Gewerkschaften denken gar nicht daran, eine Pause einzulegen - wie von Präsident Emmanuel Macron gefordert. Der Bahnverkehr und der Pariser Nahverkehr würden auch an Heiligabend "stark eingeschränkt" bleiben, teilten die Gesellschaften SNCF und RATP mit.

Am Dienstag sollen den Angaben zufolge nur zwei von fünf TGV-Schnellzügen sowie zwei von fünf Pariser Vorortzügen fahren. Letztere stellen laut SNCF auf mehreren Linien ihren Betrieb "gegen Ende des Tages" ein und nehmen ihn erst am Mittwochnachmittag wieder auf.

Von den 16 Pariser Metro-Linien fahren nach Angaben der RATP an Heiligabend erneut nur die zwei vollautomatisch betriebenen regulär. Sechs bleiben vollständig geschlossen, bei den restlichen werden Einschränkungen erwartet. Am Mittwoch bleiben den Angaben zufolge bis auf die automatisch betriebenen alle Pariser Metro-Linien geschlossen.

Auch Verbindungen mit Deutschland betroffen

Am Montag, dem 19. Protesttag gegen die Rentenreform, fielen nach Angaben der SNCF 60 Prozent der TGV-Schnellzüge und der Regionalzüge sowie 75 Prozent der Intercity-Züge aus. Auch Verbindungen nach Deutschland waren erneut betroffen.

Besonders schwierig war die Lage wieder im Pariser Umland, wo viele Menschen mangels Vorortzügen auf das eigene Auto oder Taxis ausweichen mussten. In der Hauptstadt gingen viele Einwohner und Touristen zu Fuß oder bewegten sich mit Leihrädern oder E-Scootern fort, da die meisten Metros und Busse nicht fuhren.

Archiv: Menschenmassen am Bahnsteig "Gare de l'est" in Paris.
Menschenmassen am Pariser Ostbahnhof "Gare de l'Est".
Quelle: Reuters

Demonstranten gegen die Rentenreform legten am Montag vorübergehend die Pariser Metro 1 lahm - eine der beiden vollautomatischen Linien. Durch die Blockadeaktion am Bahnhof Gare de Lyon östlich des Zentrums sei die Linie rund 20 Minuten unterbrochen gewesen, teilte ein RATP-Sprecher mit.

Beteiligung an den Streiks rückläufig

Verkehrsministerin Elisabeth Borne kritisierte die Aktion scharf. Das Streikrecht dürfe nicht dazu missbraucht werden, "Reisende zu behindern und einzuschüchtern", sagte sie.

Trotz eines Appells von Präsident Macron wollen die meisten Gewerkschaften die Streikaktionen im Schienenverkehr vorerst bis Ende Dezember fortsetzen. Die Beteiligung ist allerdings rückläufig: Am Montag legte weniger als die Hälfte der Lokführer die Arbeit nieder und knapp jeder dritte Schaffner. Insgesamt streikten gut neun Prozent der Bahnmitarbeiter, zu Beginn der Streikwelle waren es noch fast 56 gewesen.

Auch die Zustimmung zu den Protesten sinkt: Nach einer aktuellen Umfrage unterstützen rund 51 Prozent der Franzosen die Streiks, wie eine Befragung des Instituts Ifop ergab. Das waren drei Prozentpunkte weniger als bei einer Umfrage desselben Instituts eine Woche zuvor. Mehr als zwei Drittel der Franzosen - 69 Prozent - glauben demnach, dass die Regierung die Rentenreform in jedem Fall durchzieht.

Franzosen streiken gegen Rentenreform

In mehreren Landesteilen Frankreichs wurden auch erneut Raffinerien bestreikt. Ein Werk des Ölkonzerns Total bei Marseille liegt seit Beginn der Protestwelle am 5. Dezember still.

Betroffen von den Streiks ist auch die Pariser Oper, deren Mitarbeiter damit gegen die Abschaffung ihrer Sonderrente protestieren. Durch ausgefallene Vorstellungen seien den beiden Opernhäusern bereits rund acht Millionen Euro an Einnahmen entgangen, erklärte die Institution.

Die Rentenreform ist das zentrale Reformversprechen Macrons. Er will das komplizierte System mit 42 verschiedenen Regelungen in Frankreich vereinheitlichen und das Milliarden-Defizit der Rentenkassen abbauen. Besonders umstritten ist die faktische Anhebung des Eintrittsalters von derzeit 62 auf künftig 64 Jahre.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.