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Beginn wochenlanger Streiks - Frankreich droht "großes Durcheinander"

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In Frankreich beginnt nach Ostern eine wochenlange Streikwelle. Das trifft vor allem Bahnreisende. Die weltberühmten TGVs stehen großteils still - auch in Deutschland.

TGV steht im Stuttgarter Bahnhof
Ein TGV an einem deutschen Bahnhof - in den kommenden Wochen ein eher seltener Anblick. Quelle: dapd

Für den französischen Präsidenten Emmanuel Macron könnte es das härteste innenpolitische Armdrücken seit seinem Amtsantritt werden. Mit einer Streikwelle wollen Eisenbahner-Gewerkschaften die Reformpläne der Regierung für das staatliche Bahnunternehmen SNCF aus dem Gleis werfen. Der Auftakt an diesem Dienstag dürfte den Zugverkehr des Landes in weiten Teilen lahmlegen: Nur zwölf Prozent der geplanten TGV-Hochgeschwindigkeitszüge fahren, die Lage im Regionalverkehr wird nur wenig besser sein.

Bahnpendlern könnten damit nervenaufreibende Wochen bevorstehen, denn die Eisenbahner wollen immer im Wechsel zwei Tage streiken und drei Tage arbeiten. Und das über Monate - 36 Streiktage bis Ende Juni, so die Drohung. Medien sprechen schon vom "großen Durcheinander". Die Gewerkschaften sind entschlossen, einen langen Atem zu beweisen, um die Regierung in die Knie zu zwingen.

Öffentliche Meinung gespalten

Denn Macron will das staatliche Bahnunternehmen SNCF umbauen: Der vorteilhafte Eisenbahner-Status soll für Neueinstellungen abgeschafft werden, ein rotes Tuch für die Gewerkschaften. Die Rechtsform der hochverschuldeten SNCF soll sich ändern, eine Privatisierung ist aber nicht geplant. Das Unternehmen soll seine Kosten senken, um sich dem Wettbewerb stellen zu können, wenn der Bahnverkehr in Frankreich wie auf EU-Ebene vereinbart für Konkurrenz geöffnet wird. Einen Zug fahren zu lassen sei in Frankreich 30 Prozent teurer als in anderen europäischen Ländern, so Premierminister Édouard Philippe. Kritiker fürchten, darunter werde die Qualität leiden.

Für den sozialliberalen Staatschef Macron und die Mitte-Regierung geht es noch um mehr: Der Konflikt hat Symbolcharakter. Wenn sie einknicken, würde dies ihre Position für weitere Reformpläne deutlich schwächen. Viele denken an 1995, als Vorhaben des damaligen Premiers Alain Juppé nach heftigen Streiks zurückgenommen wurden.

Die öffentliche Meinung ist bislang gespalten: Laut einer Umfrage des Instituts Ifop für die Zeitung "Le Journal du Dimanche" halten 46 Prozent den Streik für gerechtfertigt. Zugleich wünschen 51 Prozent der Befragten, dass die Regierung die Reform durchzieht. Die große Frage ist, wie die Franzosen reagieren, wenn über Wochen immer wieder die Züge stillstehen. Die Regierung hat den Ton bereits verschärft und prangert eine "Blockadehaltung" an, obwohl Gespräche über die Reform noch gar nicht abgeschlossen seien. Die große Gewerkschaft CGT kritisiert wiederum eine "ideologische" Reform.

Zugausfälle in Frankfurt und Stuttgart

Betroffen sind auch die TGV-Verbindungen nach Deutschland, etwa zwischen Paris und Frankfurt oder Stuttgart. Hier dürften an diesem Dienstag zwei Drittel der Züge ausfallen. Bei den Thalys-Zügen, die unter anderem zwischen Paris und Nordrhein-Westfalen unterwegs sind, gibt es dagegen nur geringe Einschränkungen.

Parallel wird am Dienstag auch in anderen Branchen in Frankreich gestreikt. Bei der Fluggesellschaft Air France kämpfen Gewerkschaften für höhere Gehälter, dort dürfte beim vierten Streiktag seit Ende Februar ein Viertel der Flüge ausfallen. Auch Mitarbeiter der Müllabfuhr sind aufgerufen, die Arbeit niederzulegen - hier fordern Gewerkschafter bessere Arbeitsbedingungen. Parallel zu den Eisenbahnern will der Gewerkschaftsbund CGT in den kommenden Wochen auch im Energiesektor mit Streiks und Protestaktionen Druck machen für "das Ende der Liberalisierung des Strom- und Gasmarkts". Es könnte ein heißer Frühling werden in Frankreich.

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