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Fünf Jahre Papst Franziskus - Der gebremste Reformer

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Vor fünf Jahren hat Papst Franziskus sein Amt angetreten - seitdem will er die katholische Kirche reformieren. Doch der Apparat will dem Papst nicht immer folgen.

Er will die katholische Kirche reformieren. Nicht mehr Dogmen und Regeln stehen im Mittelpunkt, sondern der Mensch in seiner konkreten Situation. Dafür gibt es jedoch Kritik aus den eigenen Reihen.

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Die Wahl von Franziskus hat im März 2013 eine große Welle der Begeisterung ausgelöst. Schon mit den ersten Amtshandlungen machte der neue Papst damals deutlich, dass er vieles anders machen und einen neuen Kurs einschlagen möchte. Die Menschen verbanden damit die Hoffnung, dass er längst notwendige Reformen in der katholischen Kirche anpacken wird.

"Die Sphinx mit einer Zahnbürste putzen"

Fünf Jahre später ist Ernüchterung eingetreten. Die Reformen kommen nicht so schnell voran, wie sich das viele wünschen. Franziskus selbst musste lernen, dass Veränderungen in der katholischen Kirche viel Zeit brauchen und eine Weltkirche nicht so einfach zu führen ist wie ein Erzbistum in Argentinien. "In Rom Reformen durchzuführen, heißt gleichsam die Sphinx von Ägypten mit einer Zahnbürste zu putzen", zitierte Franziskus bei der Weihnachtsansprache an die Römische Kurie im vergangenen Dezember einen belgischen Erzbischof aus dem 19. Jahrhundert. Im Jahr davor hatte er in der Rede vor Weihnachten an seine Kurienchefs über den Widerstand gesprochen, den es gegen die Veränderungen gebe und der bisweilen böswillig sei.

Das zeigt sich wohl am deutlichsten bei den Reformen in der römischen Zentrale selbst. Außer ein paar Fusionen verschiedener Vatikanbehörden ist in den fünf Jahren nicht viel passiert. Im Bereich der Finanzen scheint die Säuberungsaktion der über Jahrzehnte in Skandale verstrickten Vatikanbank weitestgehend gelungen. Doch in den übrigen Vatikanbehörden kommt Franziskus‘ Transparenzoffensive in Bezug auf die Finanzen nur mühsam voran. Und auch bei der stärkeren Koordination und Kooperation innerhalb des Vatikans, die die Kardinäle nach den Skandalen im letzten Pontifikat vom neuen Papst gefordert hatten, ist nicht viel zu sehen.

"Wir erwarten keinen Wundermann. Der Papst ersetzt nicht Jesus Christus. Er ist ein Mensch, der auf ihn hinweisen soll", sagt Reinhard Kardinal Marx zum fünfjährigen Jubiläum von Papst Franziskus.

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Franziskus weitet den Blick

Anders sieht das bei den inhaltlichen Reformen aus. Hier kann man nach fünf Jahren trotz der Widerstände durchaus Fortschritte feststellen. Franziskus will eine Kirche, die an der Seite der Menschen steht, die nicht ausgrenzt, sondern integriert. Hier gibt es erste konkrete Schritte. So erlaubte er nach einem über zwei Jahre dauernden Beratungsprozess, dass wiederverheiratete Geschiedene die Kommunion empfangen dürfen.

Als drei deutsche Bischöfe, darunter der am Sonntag verstorbene Mainzer Kardinal Karl Lehmann, Anfang der 1990er einen solchen Vorstoß wagten, wurden sie vom damaligen Präfekten der vatikanischen Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger, rüde zurückgepfiffen. Dass die deutschen Bischöfe vor wenigen Wochen in einer Handreichung erlaubten, dass in konfessionsverschiedenen Ehen von Katholiken und Protestanten künftig in Einzelfällen auch der evangelische Partner die Kommunion empfangen kann, wäre in früheren Pontifikaten undenkbar gewesen.

Benedikt und Franziskus - ein Vergleich

Dabei rüttelt Franziskus nicht grundsätzlich an traditionellen katholischen Positionen. Aber er weitet den Blick und führt sie konsequent fort. Er sieht sich dabei theologisch auf einem sauberen Weg, in dem er dieses "Weiter-Denken" im Sinne eines tieferen Eindringens in die Wahrheit des christlichen Glaubens interpretiert.

Unter Franziskus wurde die Kirche politischer

Das zeigt sich in verschiedenen Feldern. Franziskus macht beim Lebensschutz von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod keine Abstriche; aber für ihn ist Lebensschutz mehr. Er versteht darunter, eine "Kultur des Lebens" zu fördern. Dazu gehören dann auch die kirchlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, aber auch die Situation von Flüchtlingen, die Debatte um die Todesstrafe und der Umgang mit Menschen mit Behinderung oder den Alten in einer Gesellschaft. Unter Franziskus geht es in der katholischen Kirche weniger um Sexualmoral und mehr um Fragen von Gerechtigkeit und Frieden. Damit wurde die Kirche unter ihm politischer. Dazu gehört einerseits seine scharfe Kapitalismuskritik, andererseits das stärkere Engagement des Vatikans in der Mediation politischer Konflikte.

Franziskus ist überzeugt, dass die katholische Kirche nur zukunftsfähig ist, wenn sie stärker die konkrete Situation vor Ort in den Blick nimmt. Das bedeutet eine stärkere Dezentralisierung. Denn es kann aus seiner Sicht nicht in allen Fragen einheitliche, von Rom aus vorgegebene Lösungen von Feuerland bis Hamburg und von Santiago de Chile bis Dhaka geben. Dieser stärkere innerkirchliche Pluralismus macht allerdings vielen Angst, vor allem denjenigen, die sich die katholische Kirche als einheitlichen monolithischen Block wünschen. Doch mit dem ersten Papst aus Lateinamerika wird die katholische Kirche von einer europazentrierten Kirche zu einer Weltkirche.

Neuausrichtung sorgt für Kritik

Der Papst legt ein Augenmerk "auf die Ränder" und diese wiederum werden selbstbewusster. Die Kirchen in Afrika, Asien und Lateinamerika werden erwachsen und fordern ihren Tribut. Das bringt viel Unruhe in die katholische Kirche. Ein solcher Transformationsprozess braucht Zeit und bringt viele Widerstände mit sich. Nach fünf Jahren ist daher längst noch nicht ausgemacht, dass Franziskus mit seiner Neuausrichtung der katholischen Kirche Erfolg haben wird. Er selbst gibt allerdings trotz des Gegenwinds nicht auf, weil er überzeugt ist, dass nur eine Kirche an der Seite der Menschen eine Zukunft im 21. Jahrhundert hat.

Das Vermächtnis der Päpste

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