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Frankreich und die neue GroKo - "Macron kann aufatmen"

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Frankreich hat lange auf eine neue deutsche Regierung warten müssen. Präsident Macron braucht Deutschland dringend für EU-Reformen, sagt Experte Sebastien Maillard.

Nach der Regierungsbildung hofft Präsident Macron darauf, mit dem Nachbarn Reformen für die EU umsetzen zu können. "Macron kann aufatmen", sagt Sebastien Maillard vom Institut Jacques Delors.

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Sebastien Maillard ist Direktor des Institut Jacques Delors, einem europäischen Think Tank, der 1996 vom langjährigen Präsidenten der Europäischen Kommission, Jacques Delors, gegründet wurde. Zuvor war Maillard als Journalist tätig und berichtete intensiv über die Präsidentschaftskampagne von Emmanuel Macron. Im heute.de-Interview spricht er über das Aufatmen in Paris über die Bildung einer neuen deutschen Regierung.

heute.de: Was bedeutet die neue Bundes-Regierung in Deutschland für Emmanuel Macrons Reformagenda?

Sebastien Maillard: Er kann aufatmen. Sechs Monate nach der Bundestagswahl - und nachdem Macron an der Sorbonne-Universität seine Reformvorschläge für die EU vorgestellt hat - gibt es endlich eine Regierung in Deutschland. Und das Ergebnis ist besser als anfangs gedacht - auch wenn es sehr viel länger gedauert hat. Frankreich ist erleichtert, dass es wieder eine Große Koalition gibt. Die Zusammenarbeit kennen wir schon. Wir finden diese Koalition besser als die ursprünglich versuchte Jamaika-Koalition - da wäre  die FDP für Frankreich ein schwieriger Partner gewesen.

heute.de: Wie geht es jetzt mit Macrons Eurozonen-Reform weiter? 

Sebastien Maillard, Direktor des Institut Jacques Delors
Sebastien Maillard, Direktor des Institut Jacques Delors Quelle: ZDF

Maillard: Das Projekt dauert viel länger als gedacht. Als Macron vor sechs Monaten seine Sorbonne-Rede hielt, war noch genug Zeit. Aber inzwischen ist es zu spät, um die Reformen der Eurozone auf dem EU-Gipfel am 22. März zu diskutieren. Vielleicht können wir im Juni darüber reden.

Seit Macron seine Reformvorschläge gemacht hat, hat er noch keine Mitstreiter gefunden. Die einzige Regierung, auf die er jetzt hoffen kann, ist die deutsche. Macron tut sich schwer, in Italien und Spanien Partner zu finden, erst recht in Polen und Ungarn - und von Großbritannien ganz zu schweigen. Frankreich und Deutschland sind sich als Partner verpflichtet.

heute.de: Wo sind sich bei der Eurozonen-Reform Deutschland und Frankreich noch uneinig?

Maillard: Die größte Differenz  besteht beim gemeinsamen Budget der Eurozone. Frankreich will damit ein Instrument schaffen, das stabilisiert. Falls die Wirtschaft eines Landes in Schwierigkeiten gerät, könnte die EU gut darauf reagieren. Macrons Plan soll kein großes Transferbudget sein oder die Schulden der Vergangenheit begleichen. Aber da gibt es Befürchtungen auf der anderen Rheinseite, dass mit deutschem Geld die Schulden der anderen beglichen werden sollen.

heute.de: Wie wird die Bundeskanzlerin derzeit in Frankreich wahrgenommen?

Maillard: Sie wird als geschwächte Kanzlerin wahrgenommen. Ihre Fähigkeit, Kompromisse auszuhandeln, ist heute offenbar nicht mehr so groß wie früher. Ihre Wiederwahl war kein Triumph. Ist diese Amtszeit vielleicht eine zu viel? Diese Frage stellen sich die Franzosen. Wird sie ihr Amt bis zum Ende der Legislaturperiode ausüben? Auch das fragen wir uns – und vielleicht auch die Deutschen. Sie ist nicht mehr die unangefochtene Anführerin Europas. Wenn man - wie der ehemalige US-Außenminister  Henry  Kissinger - fragt, welche Telefonnummer Europa hat, dann stand das Telefon lange in Berlin. Heute steht es eher in Paris. 

Das Interview führte Theo Koll.

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