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Demokratinnen bei Kongressrede - Frauen in Weiß umzingeln Trump

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Während seiner Rede sah sich Trump Dutzenden weißgekleideten Politikerinnen gegenüber. Der Parlamentssaal wurde auch ihre Bühne: Sie zeigten Gegenwehr - und feierten sich selbst.

Nancy Pelosi, Vorsitzende des Abgeordnetenhauses
Die Frontfrau der Demokraten: Nancy Pelosi reagierte mit deutlicher Körpersprache auf Trumps Rede.
Quelle: dpa

Dutzende Frauen in Weiß sitzen Donald Trump im Halbrund des Parlamentssaals gegenüber. Es sind überwiegend Frauen der Opposition, die während seiner Rede ein optisches Signal für die Frauenrechte aussenden: Mit ihrer Garderobe erinnern sie an die weißgekleideten Aktivistinnen, die vor 100 Jahren in den USA das volle Wahlrecht für Frauen erkämpften. Für die Politikerinnen ist ihr Weiß an diesem Dienstagabend im Kongress aber auch ein Signal gegen den US-Präsidenten, der in ihren Kreisen als Frauenverächter gilt.

Demokratische Politikerinnen tragen weiße Kleidung bei Trumps Rede zur Lage der Nation
Viele demokratische Abgeordnete haben sich zur Rede von US-Präsident Trump weiß gekleidet. Das gilt als Symbol, das an die Suffragetten-Bewegung Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA erinnert. Damals protestierten Frauen in weißer Kleidung für ein flächendeckendes Frauenwahlrecht.
Quelle: dpa

Die Oppositionsfrauen in Weiß - viele von ihnen neu im Kongress - verfolgen Trumps Rede zur Lage der Nation über weite Strecken mit versteinerten Gesichtern. Seine flammenden Aufrufe zu Kompromissen im erbitterten Streit um den Staatshaushalt und die Einwanderungspolitik perlen an ihnen ab. Es wird deutlich, dass sie dem Präsidenten das Versöhnungspathos nicht abkaufen.

Kurzer parteiübergreifender Jubel

Nur an einer Stelle seiner rund 80-minütigen Rede schafft es Trump, die Frauen in Weiß in Begeisterung zu versetzen: Als er die Rekordzahl von Frauen im neugewählten Kongress würdigt, springen sie auf, klatschen sich gegenseitig ab und jubeln. Der Präsident ist amüsiert. "Das hättet Ihr nicht tun sollen", witzelt er. Der Jubel der Frauen geht derweil in "USA! USA!"-Rufe über, die sowohl von Demokraten als auch Republikanern kommen.

Politikerinnen der Demokraten reagieren bei Trumps Rede
Seltener Kongressmoment: Demokratinnen jubeln Trump zu.
Quelle: reuters

Es ist ein kurzer Moment parteiübergreifender Euphorie - der aber nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass Trump mit seiner Rede nichts dazu beiträgt, die extreme politische Polarisierung in Washington zu überwinden. Denn nicht nur, dass seine Aufrufe, jahrzehntelange "Spaltungen zu überbrücken" und "neue Koalitionen zu bauen", von vornherein der Glaubwürdigkeit entbehren. Sie passen zu wenig mit seinem üblichen Haudrauf-Modus zusammen. Zudem führt Trump seine Versöhnungsbotschaft in anderen Redepassagen ad absurdum, in denen er auf seinen festgefahrenen Positionen beharrt.

Mit Mauerprojekt eingemauert

So hält der Präsident an seinem von der Opposition vehement abgelehnten Projekt einer Mauer an der Grenze zu Mexiko fest: "Ich bekomme sie gebaut", ruft er trotzig aus. Der Mauer-Streit hatte die Haushaltssperre ausgelöst, die fünf Wochen lang die Bundesbehörden großteils lahmlegte - und Trumps Popularitätswerte absacken ließ. Und ein weiterer "Shutdown" droht, sollten Trump und der seit Jahresanfang teilweise von den Demokraten beherrschte Kongress nicht rasch einen Kompromiss finden - nur bis 15. Februar läuft ein Übergangsetat.

Doch Trump hat sich mit seinem Mauer-Projekt selbst eingemauert: Er steht mit dem Vorhaben bei seiner Kernwählerschaft im Wort. Und deshalb zieht er auch in dieser Rede polemisch gegen die illegale Zuwanderung vom Leder, indem er etwa die Trecks zentralamerikanischer Migranten als "gewaltigen Angriff" auf das Land anprangert. Nicht nur damit provoziert Trump die Opposition.

Er wütet auch gegen die Ausschussuntersuchungen zu den Russland-Kontakten seines Wahlkampfteams und anderen dubiosen Vorgängen rund um seine Person und Präsidentschaft. "Lächerlich" und "parteiisch" nennt er diese Nachforschungen, mit dem ihm die Demokraten kraft ihrer bei den November-Wahlen errungenen Mehrheit im Repräsentantenhaus zu Leibe rücken wollen.

Pelosi kommentiert Rede - mit regungsloser Ablehnung

Die massive Gegenwehr aus dem Parlament, mit der sich Trump neuerdings konfrontiert sieht, illustriert nicht nur der weiße Frauenblock in seinem Angesicht - sondern auch eine weitere weißgekleidete Parlamentarierin, die während der Rede in seinem Rücken sitzt. Oppositionschefin Nancy Pelosi, die seit Januar dem Repräsentantenhaus vorsteht, hatte wegen der Etatsperre Trumps Rede verschoben - und ihm damit ihre neue Macht vorgeführt.

US-Präsident Donald Trump spricht im US-Kongress bei der State of the Union
Oppositionschefin Nancy Pelosi wirkt bei der Ansprache Trumps gelegentlich wie versteinert.
Quelle: reuters

Während seiner Ansprache kommt Pelosis Körpersprache einem durchlaufenden Kommentar gleich. Auch sie zollt stehenden Applaus, als Trump die Rekordzahl von Frauen im Kongress erwähnt. Und auch sie verharrt in regungsloser Ablehnung, als er für seine Mauer wirbt. Die Frauen in Weiß - so sieht es zumindest an diesem Abend aus - haben Trump umzingelt.

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