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Initiative "Maria 2.0" - Katholische Frauen im Kirchenstreik

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Sie begehren auf gegen die Männerdominanz in der katholischen Kirche und prangern die Missbrauchsskandale an: Die Frauen-Initiative "Maria 2.0" ruft zum Streik auf.

Die katholische Frauenbewegung "Maria 2.0" aus Münster hat einen einwöchigen Streik begonnen. Die Beteiligten protestieren unter anderem gegen die Machtstrukturen in der Kirche.

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Es hat ganz klein angefangen: Fünf Frauen der Heilig-Kreuz-Gemeinde in Münster finden sich nicht damit ab, dass Ämter in der katholischen Kirche nur Männern vorbehalten sind. Inzwischen hat sich daraus eine bundesweite Protestwelle entwickelt. An diesem Samstag startet die Bewegung einen einwöchigen bundesweiten Kirchenstreik. Sie betreten in dieser Zeit keine Kirchen, üben ihre ehrenamtlichen Ämter nicht aus und feiern Gottesdienste ohne Priester bewusst im Freien. Das Motto der Aktion: "Maria 2.0".

Die Aktionswoche findet an zahlreichen anderen Orten Nachahmerinnen. Eine genaue Zahl gibt es nicht, nach Angaben der Aktivistinnen nehmen an der "Graswurzelaktion" schätzungsweise mehrere hundert Initiativen teil. "Wir wissen nicht, ob es bundesweit 100 oder 1.000 Frauengruppen sind, die sich angeschlossen haben. Aber wir haben Rückmeldungen aus den Bistümern in Hamburg, Berlin, Rottenburg und auch aus Wien in Österreich", sagte Mit-Initiatorinnen Andrea Voß-Frick vor dem Streik. In Münster soll es am Sonntag zudem eine zentrale Mahnwache geben zu Themen wie Missbrauch, Zölibat, Frauenweihe und Sexualmoral.

Frauen der Kirchengemeinde St. Maria Magdalena Sonsbeck. Archiv
Gegen die männerdominierte Machtstruktur in der katholischen Kirche: Frauen im Kirchenstreik
Quelle: Armin Fischer/dpa

Gegen die Männerdominanz

Die gläubigen Frauen - sie sind vielfach ehrenamtlich tätig - protestieren gegen Machtstrukturen in der Kirche und die von ihnen kritisierte Vertuschung von sexuellem Missbrauch durch Amtsträger. Ihr Hauptanliegen ist aber, dass sich die Struktur in der Kirche ändert: In einer Online-Petition an Papst Franziskus fordern die Teilnehmerinnen Zugang zu allen Ämtern und die Aufhebung der Pflicht zur Ehelosigkeit für katholische Priester, dem Zölibat. "Frauenlob wird gerne von Kirchenmännern gesungen, die aber allein bestimmen, wo Frauen ihre Talente in der Kirche einbringen dürfen", heißt es darin: "In ihrer Mitte dulden sie nur eine Frau: Maria. Auf ihrem Sockel. Da steht sie. Und darf nur schweigen." Stattdessen solle Maria - stellvertretend für alle Frauen - in die Mitte gerückt werden: "als Schwester, die in die gleiche Richtung schaut wie wir".

"Extremer Glaubwürdigkeitsverlust"

Der Katholische Deutsche Frauenbund begrüßt die Initiative der Aktivistinnen: "Sie unterstreichen damit ihr Engagement für eine geschwisterliche Kirche, in der Frauen und Männer, Priester und Laien, gleichberechtigt sind", erklärte Verbandspräsidentin Maria Flachsbarth. Wer ihrem Verband aber unterstelle, den sexuellen Missbrauch durch Priester zu nutzen, um das Frauenpriestertum durchzusetzen, habe "leider nicht verstanden, worum es geht: um die tiefe Krise der katholischen Kirche, um den extremen Glaubwürdigkeitsverlust, hervorgerufen von Priestern, die Täter und Vertuscher von sexualisierter Gewalt und Machtmissbrauch sind, und um die mangelnde Wertschätzung und Diskriminierung von Frauen in der Kirche".

Auch der zweite große katholische Frauenverband, die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands, bezeichnete den Kirchenstreik als wichtiges Signal und appellierte an die Deutsche Bischofskonferenz, das nicht länger zu ignorieren.

"Die alten weißen Männer in Rom"

Es gibt aber auch Widerspruch: Konservative Kritiker betonen, dass die Forderung von "Maria 2.0" dem Schreiben "Ordinatio sacerdotalis" von Papst Johannes Paul II. widerspreche. Dort sei endgültig festgelegt, dass die Kirche keine Vollmacht habe, Frauen zu Priestern zu weihen. Das Forum Deutscher Katholiken rief dazu auf, den Katholischen Deutschen Frauenbund zu verlassen und eine "eine neue glaubenstreue Organisation" zu gründen.

Die Reaktion des Frauenverbandes ließ nicht lange auf sich warten: Eine grundlegende Reform der Kirche inklusive einer Neubewertung der Rolle der Frau hielten auch viele Bischöfe für notwendig. Es wäre schön, "wenn die alten weißen Männer in Rom sich nicht immer nur Gedanken um ihre Kirche machen müssten", heißt es auf der Facebook-Seite von "Maria 2.0". Dann bekämen sie "vielleicht das Herz frei für die Sorge um den Glauben und dass er gelebt und geliebt wird".

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