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Aktivistinnen in Iran - Frauenprotest gegen Kopftuchzwang

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Immer mehr Frauen in Iran protestieren gegen den Kopftuchzwang. Die Aktivistin Shaparak Sharjarizadeh ist erneut in Haft in den Hungerstreik getreten.

Es ist nur ein kleines Stück Stoff, aber im Iran kann es ein Leben verändern. Shaparak Sharjarizadeh aus Teheran, gelernte Programmiererin, wollte kein Kopftuch mehr tragen, hat es auf der Straße abgelegt.

Sie wurde festgenommen und fand sich im Gefängnis wieder. "Ich sagte zu den Beamten, dass ich ohne einen Anwalt nicht in meine Zelle zurückgehen würde", erzählt sie. "Daraufhin haben sie mich zusammengeschlagen." Die Schwellungen in ihrem Gesicht hätten den Richter überhaupt nicht interessiert, für das abgenommene Kopftuch aber bekam sie Einzelhaft.

Haftbesuch vom Vater

Sie ging in den Hungerstreik, was zumindest ihre Eltern auf ihre Seite brachte, die ihre Aktion zuvor verurteilt hatten. Ihr Vater besuchte sie im Gefängnis. "Mein Vater weinte und küsste die dreckige Glasscheibe, die zwischen uns war. Er sagte mir, wie stolz er auf mich sei." Später wurde sie auf Kaution freigelassen - ihr Prozess steht noch aus.

Shaparak Sharjarizadeh ist eine der Initiatorinnen der Proteste
Shaparak Sharjarizadeh ist eine der Initiatorinnen der Proteste
Quelle: Facebook / My stealthy Freedom

Das Kopftuch, ein Symbol der Mullahs und der Islamischen Republik. Oder auch ihrer Gegner.  Denn Reza Schah Pahlawi ließ 1937 verbieten, den Tschador zu tragen und setzte dies mit polizeilichen Zwangsmaßnahmen durch. Nach der Islamischen Revolution von 1979 wiederum ist es für Frauen verboten, sich in der Öffentlichkeit ohne Kopfbedeckung zu zeigen.

Besteigt man in Teheran ein Flugzeug einer westlichen Airline, dann erscheint es eindeutig: Auch fast alle iranische Frauen nehmen sofort das Kopftuch ab. Dies bestätigen neueste Umfragen: 75 Prozent der Frauen im Iran lehnen die Kopftuchpflicht ab.

Organisierter Frauen-Protest

Kein Wunder, dass gerade die Jugend gegen den Zwang aufbegehrt. Protestgruppen von Frauen, wie die "Mädchen der Straße der Revolution" veröffentlichen Bilder von sich ohne Kopftuch. 

Narges Hosseini ist eine von ihnen. Das Bild von ihr, wie sie auf einem Stromkasten in Teheran stehend ein weißes Kopftuch schwenkt, ging um die Welt: "Ich stand da oben. Und ich dachte, dass ich nach fünf Minuten abgeführt werde. Ich war so aufgeregt. Ich habe nur gezittert und darauf gewartet, eine Stimme zu hören, die sagt: Kommen Sie da runter! Und irgendwann ist das auch passiert."

Kopftuchprotest in Iran
Protest gegen das "Symbol der Unterdrückung"
Quelle: twitter.com/Tavaana

Die Strafe: Bis zu zwei Jahre Gefängnis, manchmal auch Geldstrafen oder Peitschenhiebe. Im ersten Vierteljahr 2018 sind etwa 35 Frauen im Iran festgenommen worden.

Shaparak Sharjarizadeh ist gestern wieder verhaftet worden, als sie mit ihrem Sohn und einer Freundin einen Ausflug in die Wüstenstadt Kashan unternommen hat. Ihr Haar sei nicht ausreichend bedeckt gewesen, so der Vorwurf. Jetzt beginnt sie wieder einen Hungerstreik: "Ich bin keine Kriminelle und gehöre nicht ins Gefängnis."

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