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Kampf für Gleichberechtigung - Frauen in der Schweiz streiken

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Sie verdienen weniger, sind schlechter abgesichert als Männer: Mit einem Streik machen Frauen in der Schweiz ihrem Ärger Luft.

Zehntausende sind in der Schweiz auf die Straße gegangen, um für die Gleichberechtigung der Frauen zu demonstrieren.

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Mit einem landesweiten Frauenstreik haben Zehntausende Schweizerinnen am Freitag gegen Diskriminierung in Wirtschaft und Gesellschaft demonstriert. Sie forderten vor allem gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit. Gewerkschafterinnen, Unternehmerinnen und Politikerinnen hatten unter dem Motto "Lohn. Zeit. Respekt" in vielen Orten zu Märschen und Kundgebungen aufgerufen. Neben den Gewerkschaften unterstützten vor allem linke Parteien wie die Sozialdemokraten den "Kampftag" der Frauen.

Auf dem Berner Bundesplatz verschafften sich 10.000 Frauen mit Pfannendeckeln, Hörnern, Trillerpfeifen und Rasseln Gehör. Gegen Mittag legten Demonstrantinnen den Verkehr rund um den Züricher Hauptbahnhof zwischenzeitlich lahm. In Luzern kam es zu einem Sitzstreik.Wie das Schweizer Fernsehen berichtete, hatten bereits in der Nacht Frauen mit Pfannenkonzerten und Autocorsos den Streiktag eingeläutet.

Bis zu einem Fünftel weniger Lohn

Um 11 Uhr legten viele Frauen kurzzeitig die Arbeit nieder, auch die Sitzung des Nationalrats wurde unterbrochen. Die Gewerkschaft hatte zudem dazu aufgerufen, um 15.24 Uhr in den Feierabend zu gehen - nach ihrer Rechnung arbeiten die Frauen in der Schweiz ab dann, ohne dafür bezahlt zu werden. Den Gewerkschaften zufolge verdienen sie immer noch deutlich weniger als Männer, je nach Erhebungsmethode bis zu 19 Prozent. Im Rentenalter hätten Frauen durchschnittlich knapp 40 Prozent weniger zur Verfügung.

Die Gewerkschaften forderten in einem Manifest neben Lohngleichheit auch eine Anerkennung und gerechte Verteilung von Haus- und Pflegearbeit. Eine weitere Forderung war eine generelle Verringerung der Arbeitszeit, damit bezahlte und unbezahlte Arbeit besser verteilt werden kann. "Betreuungsaufgaben und Erwerbsarbeit unter einen Hut zu bringen, ist in der Schweiz fast nur mit einem Teilzeitpensum möglich", betonten die Gewerkschaften. Zudem müsse ein besserer Schutz von Frauen vor Gewalt und sexueller Belästigung gewährleistet werden. Übergriffe würden noch immer viel zu oft als "Kavaliersdelikt" angesehen und nicht ernst genommen. "Auch in der Schweiz dauern Sexismus, Ungleichheit und Gewalt gegenüber Frauen an", heißt es in dem Manifest.

"Statt frei will man heute Opfer sein"

Die Gleichberechtigung steht seit dem 14. Juni 1981 in der Schweizer Verfassung. Da es bei der Umsetzung haperte, wurde 1991 ein erster Frauenstreik organisiert. Damals gingen nach Angaben des Sozialarchivs Hunderttausende Frauen auf die Straßen. Seither gab es gemäß den Organisatorinnen des Streiks 2019 «einige konkrete Resultate» wie das Gleichstellungsgesetz, den Mutterschaftsurlaub, Erziehungsgutschriften in der Rentenversicherung, die Fristenlösung beim Schwangerschaftsabbruch und Maßnahmen gegen häusliche Gewalt.

Vor dem Aktionstag in diesem Jahr gab es in der Schweiz wochenlange Diskussionen über die Situation der Frau. Unternehmerinnen hatten sich beschwert, dass die Gewerkschaften den Tag für sich in Anspruch nehmen wollten. Die konservative Wochenzeitung "Weltwoche" argumentierte, Frauen gehe es bestens, schließlich brauchten sie nicht zum Militär. Eine Journalistin schrieb dort: "Statt frei will man heute Opfer sein." Die Verbraucherzeitschrift "Beobachter" kam demonstrativ einmal als "Beobachterin" heraus.

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