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Freibäder öffnen - Die Lücke am Beckenrand: Bademeister fehlen

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Abkühlung im Freibad, wenn der Sommer die 30-Grad-Marke knackt? Schon schön - klappt aber nur, wenn es einen Bademeister gibt. Und die sind Mangelware am Beckenrand.

Bademeister in Freibad
Freibad ist nicht "Baywatch" - der Job als Bademeister aber dennoch spannend. Trotzdem gibt's auch hier einen Mangel an Fachkräften.
Quelle: imago

Mitch Buchannon (alias David Hasselhoff) hatte es gut: Von 1989 bis 2001 durften er und sein Team in "Baywatch" zeigen, was sie als Rettungsschwimmer alles draufhaben. Mehr als eine Milliarde Menschen sahen sich das zu Spitzenzeiten der Serie Woche für Woche an. Respekt, Ihr Rettungsschwimmer! Aber auch wenn die Sonne noch so knallt: Deutschland ist nicht Kalifornien – und ein Freibad in Mecklenburg-Vorpommern oder in Baden-Württemberg nicht der Strand von Malibu. Kurzum: Der Beruf des Bademeisters scheint längst nicht so attraktiv zu sein wie der Traum, als Strandschönheit das Leben von Badenden zu schützen.

In der Freibadsaison wird der Mangel besonders sichtbar

Bis zu 2.500 Mitarbeiter fehlten im vergangenen Sommer in Deutschlands Schwimmbädern – vor allem in Freibädern. Ein Saisongeschäft eben, das in den heißesten Wochen des Jahres (wenn es denn ein heißer Sommer wird) händeringend nach Arbeitskräften sucht. Und oft in der Kürze der Zeit nicht bekommt. Konsequenz: "Im schlimmsten Fall kann ein Freibad dann eben nicht öffnen, wenn Personal fehlt", sagt Peter Harzheim, Präsident des Bundesverbands Deutscher Schwimmmeister.

An heißen Sommertagen haben die Bademeister viel zu tun
Hier gilt es, die Übersicht zu behalten: Im Sommer eine echte Herausforderung.
Quelle: ZDF

Aber auch außerhalb solcher Saison-Spitzen spürt die Branche einen deutlichen Fachkräftemangel. Ähnlich wie bei so vielen Handwerksberufen ist der Bademeister einer von denen, die einen immer komplexeren Arbeitsalltag haben – gleichzeitig aber kaum jemanden zu Begeisterungsstürmen bewegen: "Oh, Sie sind Bademeister? Wahnsinn, ein Traumberuf!" In Kombination mit bestenfalls moderaten Verdienstaussichten eben keine gute Mischung, um Nachwuchs in entsprechender Zahl zu begeistern.

Mehr als nur am Beckenrand stehen

Genau genommen heißt der Bademeister eigentlich ganz anders. "Der Fachangestellte für Bäderbetriebe hat eine Ausbildungszeit von drei Jahren. Nach zwei Jahren im Beruf kann er sich – ähnlich wie im Handwerk – zum Meister für Bäderbetriebe fortbilden", sagt Peter Harzheim. Das hört sich nach mehr an, als nur am Beckenrand zu stehen. Ist es auch. "Das Personal ist neben der Aufsicht des Schwimmbetriebs und Schwimmunterricht für die Sicherheit in der gesamten Anlage verantwortlich, überprüft und reguliert die Wasserqualität und bedient und wartet die ganze Technik drumherum. Plus mittlerweile eine Menge Psychologie und Streitschlichtung", so Harzheim.

Mit knapp über 2.000 Euro starten Berufsanfänger in der Regel, der Meister kann auch schon an der 3.000er Marke kratzen. Im öffentlichen Dienst wohl bemerkt. "In der Privatwirtschaft liegen die Gehälter oft deutlich darunter. Da geht es um Gewinne, und darunter kann die Qualität einer Einrichtung natürlich leiden", sagt der Präsident. Leiden könne aber ebenso die Motivation, als junger Mensch einen Beruf zu wählen, der Schichtdienste und häufige Einsätze am Wochenende mit sich bringt – und neben mangelnder Familienkompatibilität dann mit Bruttogehältern unter 2.000 Euro (in der Privatwirtschaft) auch kaum Perspektiven für eine Familiengründung habe.

In der Theorie reichen auch Rettungsschwimmer

Streng genommen braucht es weder einen Fachangestellten für Bäderbetriebe oder einen entsprechenden Meister, um ein Schwimmbad zu betreiben. "Der Gesetzgeber gibt vor, dass der Betreiber im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht dafür Sorge zu tragen hat, dass den Badegästen kein Schaden widerfährt", erklärt Peter Harzheim. Was eben die Möglichkeit eröffnet, ein Bad ausschließlich mit Rettungskräften zu betreiben. "Wenn jedoch etwas geschieht, dann hat sich auch derjenige zu verantworten, der für den Personaleinsatz verantwortlich ist." Und das muss nicht einmal ein Badeunfall sein. Denn bekanntermaßen wird in Schwimmbädern auch mit Chlor hantiert. "Wer das in seiner Ausbildung gelernt hat, macht damit auch keinen Unfug", erklärt Harzheim.

Rund 6.000 Schwimmbäder in allen möglichen Größen gibt es in Deutschland. Peter Harzheim arbeitet in einer kleineren Einrichtung im Sauerland – "und das auch nach mehr als 40 Jahren im Beruf immer noch mit großer Freude". Aber nicht mehr lange: In einigen Monaten ist Schluss. Rente. "Mit mir geht in den kommenden Jahren eine ganze Generation Bademeister in den Ruhestand. Natürlich gibt es Nachwuchs, aber es sind definitiv zu wenige um die Lücken zu füllen." Auf rund 26.000 bis 30.000 schätzt der Bundesverband die Gesamtzahl an Bademeistern (Fachangestellte und Meister) in Deutschland. Ohne entsprechende Auszubildende könnte es bald in Deutschlands Bädern eng werden – mit den Öffnungszeiten. Und das nicht nur in der Freibadsaison.

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