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Russland nimmt Journalisten fest - Nach Golunows Freilassung: Realität schlägt zurück

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Die Freude in Russland über die Freilassung des Investigativ-Journalisten Golunow währte nur kurz. Über 200 Demonstranten wurden heute festgenommen - darunter viele Journalisten.

Das Innenministerium berichtet, dass in Moskau mehr als 200 Menschen – darunter auch Oppositionsführer Nawalny - bei einer nicht genehmigten Demonstration festgenommen wurden.

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Es ist kein guter Tag für die Presse- und Meinungsfreiheit in Russland. Bei einer Demonstration im Stadtzentrum von Moskau wurden laut Polizeiangaben mindestens 200 Menschen festgenommen - darunter mehrere Journalisten, zum Beispiel ein Kollege des Moskauer Büros vom "Spiegel" und ein Kameramann des Schweizer Fernsehens. Auch Russlands führender Oppositioneller Alexej Nawalny wurde festgenommen - wieder einmal.

Golunows Freilassung als Hoffnungsschimmer

Eine festgenommene Frau schat am 12.06.2019 aus einem Polizeibus in Moskau
Eine festgenommene Frau in einem Polizeibus in Moskau
Quelle: reuters

Gestern noch waren die Hoffnungen groß, dass Russlands Machthaber sich vom Druck der Straße beeindrucken lassen könnten. Dass sie erkennen und anerkennen würden, dass die Bevölkerung bereit ist, sich gemeinsam zu wehren, gegen Willkür bei Polizei und Justiz.

Denn am späten Nachmittag wurde überraschend der Investigativ-Journalist Iwan Golunow freigelassen. Die Vorwürfe, wegen derer er am Donnerstag festgenommen worden war, wurden fallen gelassen. Es gebe nicht genügend Hinweise, dass Golunow mit Drogen gehandelt habe, musste der russische Innenminister eingestehen.

Beispiellose Welle der Solidarität

Dem voraus gegangen war eine beispiellose Welle der Solidarität: Mahnwachen für den verhafteten Journalisten vor dem Innenministerium am Wochenende; drei große Tageszeitungen, die am Montag mit dem Titel "Ich bin, Wir sind Iwan Golunow" titelten, und innerhalb weniger Stunden ausverkauft waren.

Wirklich überraschende Ausmaße erreichte die Unterstützung, als selbst Moderatoren des kremltreuen Staatsfernsehens Zweifel an dem Vorgehen im Fall Golunow äußerten.

Zeitungen in Russland
"Ich bin, Wir sind Iwan Golunow": Drei große russische Tageszeitungen solidarisierten sich mit dem Journalisten.
Quelle: reuters

Festnahmen zeigen die Realität

Der für heute geplante Solidaritätsmarsch wurde nach Golunows Freilassung gestern Abend umgewidmet: allen Opfern von polizeilicher Gewalt und Willkür. Die vielen Festnahmen zeigen, wie hart die Behörden gegen diejenigen vorgehen, die Kritik äußern. Und manchmal auch gegen die, die darüber berichten wollen.

Dass die Solidarität so vieler Russen ein Grund für die schnelle Freilassung Golunows sein könnte, war ein Hoffnungsschimmer. Dass noch lange nicht alles gut ist, ist die Realität.

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