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300-jähriges Jubiläum - Freimaurer wollen sich mehr öffnen

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Friedrich der Große, Wolfgang Amadeus Mozart und Winston Churchill haben eins gemeinsam: Sie alle waren Teil der Freimaurer-Bewegung. Um die geheimen Männerbünde ranken sich viele Mythen. Zum 300. Geburtstag wollen sich die Logen mehr öffnen, gleichzeitig aber ihr Geheimnis weiter hüten. Ein Spagat.

Die Freimaurerei hat auf dem Gebiet der ehemaligen DDR eine lange Tradition. Ab dem 18. Jahrhundert wurden in Mitteldeutschland zahlreiche Logen gegründet. Wie ging es 1945 weiter?

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Als sich Mitglieder von vier lokalen Logen am 24. Juni 1717 in der Taverne "Goose and Gridiron" in London trafen, war ihnen vermutlich nicht bewusst, dass dies der Gründungstag der modernen Freimaurerei werden sollte. Die Bewegung ist weltumspannend und hat Menschen wie Wolfgang Amadeus Mozart, Friedrich den Großen und Theodor Roosevelt gleichermaßen fasziniert und bewegt. "To make a good man better" - ist ein zentraler Kern des Freimaurerei, die heute in Deutschland etwa 15.000 Mitglieder in knapp 500 Logen zählt.

Glaube an ein übergeordnetes Wesen

Der 24. Juni ist aber nicht nur wegen des legendären Treffens im "Goose and Gridiron" der Jubiläumstag. Der 24. Juni ist Johannistag und Geburtstag des Heiligen Johannes dem Täufer, der seit Urzeiten Schutzpatron der Steinmetzgilden ist, aus denen die Logen hervorgingen. Vieles bei den Freimaurern erinnert an religiöse Begriffe und Riten. Das Versammlungshaus heißt Tempel, die Brüder sind zur Tempelarbeit angehalten. Es gibt Rituale, den "Allmächtigen Baumeister aller Welten" und den Glauben an ein übergeordnetes Wesen.

"Bei einem freimaurerischen Ritual muss immer ein Heiliges Buch aufgeschlagen sein. Ob das die Bibel, die Tora oder der Koran ist, das ist zweitrangig. Es gibt Logen, da sind alle drei aufgeschlagen", erläutert Christoph Bosbach. Seit über einem Vierteljahrhundert ist er Freimaurer und seit November 2015 Großmeister der Vereinigten Großlogen von Deutschland (VGLvD). Es gibt fünf Großlogen, unter denen sich die einzelnen Logen einreihen, und Hannover gilt als eine Hochburg. Dort feiern die zwölf örtlichen Logen am Samstag in einem Festakt das Jubiläum. Die zentrale VGLvD-Feier ist am 1. September auch in Hannover.

Freimaurer haben ein Nachwuchsproblem

In den Ritualen in den Tempeln entstehen Dialoge zwischen dem Meister vom Stuhl und anderen Freimaurern. Es geht um philosophische und ethische Themen. "Eine Art schauspielerische Darstellung dessen, was wir als freimaurerische Lehre, als Königliche Kunst betrachten", so Bosbach. Erörtert werden die Bedeutung der jahrhundertealten wiederkehrenden Symbole aus der Maurerei wie Winkel, Zirkel, Lot oder Wasserwaage. Die Dialogsituation inspirierte schon Mozart bei der "Zauberflöte", die seit jeher als die "Freimaurer-Oper" gilt.

So wichtig den Freimaurern Verschwiegenheit und Geheimhaltung sind, sie müssen und wollen sich mit Bedacht öffnen, denn auch ihnen bereitet der Nachwuchs Kopfzerbrechen. Zum Ende der Weimarer Republik zählten die Logen etwa 82.000 Mitglieder in Deutschland, wie Matthias Pöhlmann sagt, der Weltanschauungsbeauftragter der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern ist und sich auch als Buchautor mit den Freimaurern befasste. 1935 kam das Verbot durch die Nazis. Auch in der DDR galt ein Verbot. "Die Geschichte der Freimaurer in Deutschland ist sehr ambivalent", so Pöhlmann.

Geheime Rituale sollen Interesse wecken

Ein Blick weiter zurück in die Historie zeigt, dass die Freimaurer eine wichtige gesellschaftspolitische Rolle spielten. Im 18. Jahrhundert waren die Klüfte zwischen den einzelnen Ständen und Konfessionen groß. "Man konnte im 18. Jahrhundert kaum Katholiken und Protestanten gesellschaftlich zusammenbringen. Es gab immer noch extrem hohe Konfessionsschranken", so Barbara Stollberg-Rilinger, Historikerin und Professorin für Geschichte der Frühen Neuzeit an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

"Die Freimauer waren in dieser Zeit ein ganz wichtiges Medium, um in einer freieren Geselligkeitsform solche und andere Schranken zu überwinden. Das Ziel war für die Zeit typisch: die Vervollkommnung des Menschengeschlechts."

Als abgeschirmte und verschwiegene Gemeinschaft waren und sind die Logen immer auch geheimnisumwittert. Ritualtexte, Kennwörter oder Erkennungsgriffe sollen nicht bekannt und Brüder dürfen nicht "geoutet" werden. "Die Rituale sind auch ein Mittel, um das alles spannend und attraktiv zu machen", erläutert Stollberg-Rilinger. Das deckt sich mit den Ansicht von Großmeister Bosbach. Auch er weiß, dass die Rituale interessant sein müssen, damit potenzielle Mitglieder bereit sind, sich damit zu beschäftigen. Ein "elegantes Spiel" nennt Weltanschauungsexperte Pöhlmann die Ritualwelt der Freimaurer.

Rom: Freimaurer sind Sünder

Ob Schauspiel, Attraktion oder elegantes Spiel - für die Katholische Kirche ist die Freimaurerei unvereinbar mit ihrer Glaubenslehre. Ein zu undifferenziertes Gottesbild, sakramentsähnliche Handlungen und einige Rituale, die wie eine Persiflage auf die Heilige Messe wirken könnten - all das spricht aus Sicht Roms gegen die Freimaurerei. Deswegen machte die Glaubenskongregation 1983 nochmals unmissverständlich klar: "Die Gläubigen, die freimaurerischen Vereinigungen angehören, befinden sich also im Stand schwerer Sünde und können nicht die Heilige Kommunion empfangen." Das gilt bis heute.

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