Sie sind hier:

Angeklagter freigesprochen - Würth-Entführung: "Zweifel an der Täterschaft"

Datum:

Die Ermittler haben im aufsehenerregenden Entführungsfall Würth viele Indizien gesammelt. Doch dem Landgericht Gießen reichen diese nicht für eine Verurteilung des Angeklagten.

Im Prozess um die Entführung von Markus Würth hat das Landgericht Gießen den Angeklagten freigesprochen. Der Sohn des Milliardärs Reinhold Würth war 2015 entführt worden.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Im Prozess um die Entführung des Milliardärssohns Markus Würth hat das Landgericht Gießen den 48 Jahre alten Angeklagten freigesprochen. Nach Würdigung aller Indizien blieben "Zweifel an der Täterschaft", sagte der Vorsitzende Richter am Dienstag. Es gebe sogar "schwache" Hinweise, die in die entgegengesetzte Richtung wiesen.

Die Verteidigung zeigte sich erleichtert: "Wir haben an die Unschuld unseres Mandanten geglaubt." Der Anklagevertreter kündigte an, das Urteil prüfen und Revision einlegen zu wollen.

Erpresser forderte drei Millionen Euro Lösegeld

Der Würth-Sohn war vom Hofgut Sassen entführt worden. Archivbild
Der Würth-Sohn war vom Hofgut Sassen entführt worden. Archivbild
Quelle: Arne Dedert/dpa

Der Entführte ist der Sohn eines baden-württembergischen Unternehmers, des "Schraubenkönigs" Reinhold Würth. Das damals 50 Jahre alte Opfer wurde im Juni 2015 aus einer Wohngemeinschaft für behinderte und nicht-behinderte Menschen im osthessischen Schlitz entführt. Ein Erpresser forderte am Telefon drei Millionen Euro Lösegeld.

Die Übergabe scheiterte jedoch. Nach etwa 20 Stunden war die Entführung vorbei: Der Erpresser verriet das Versteck von Markus Würth, der nahezu unversehrt an einen Baum gekettet bei Würzburg gefunden wurde.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Täter Komplizen hatte. Das Vorgehen sei auch deshalb besonders verwerflich, weil das Opfer wegen seiner Behinderung "stark intellektuell eingeschränkt" sei, befand die Staatsanwaltschaft. Sie hatte dreieinhalb Jahre Haft für den Angeklagten wegen erpresserischen Menschenraubs gefordert. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert.

Stimmgutachten nicht eindeutig genug

Zu den wichtigsten Beweismitteln in dem Indizienprozess gehörte ein Stimmgutachten. Dafür hatten Experten der Uni Marburg die aufgezeichnete Stimme des Lösegelderpressers untersucht. Die Analyse lieferte unter anderem Erkenntnisse zur Region, aus der der Anrufer vermutlich stammt und wo er Deutsch gelernt haben könnte. Denn der Mann sprach mit einem deutlichen Akzent. Das erstellte Profil passte aus Sicht der Anklage zu dem 48-jährigen Serben.

Die Gutachter kamen zudem nach einem Vergleich der Stimme des Angeklagten mit der Erpresserstimme zu dem Ergebnis, dass die Sprecher "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" identisch seien. Eine Zeugin hatte die Ermittler schließlich auf die Spur des 48-Jährigen gebracht. Er wurde im März in Offenbach festgenommen.

Das Gericht würdigte zwar die Analyse der Gutachter, die sogar "Forschungsarbeit" geleistet hätten. Doch letztlich habe nur festgestellt werden können, dass die Stimme des Angeklagten und des Erpressers gleich klingen - was auch auf andere Personen zutreffen könne. Der "Gleichklang der Stimmen" reiche nicht für eine Verurteilung. Zudem habe die wichtige Zeugin und Hinweisgeberin vor Gericht ungenaue oder auch falsche Angaben gemacht.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.