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Tag der Freundschaft - Nie waren Freunde so wertvoll wie heute

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Wie sozial macht Social Media? Freundschaftsforscher Wolfgang Krüger sagt, dass echte Freundschaft nur durch reale Begegnung entstehen kann. Soziale Medien können sogar schaden.

Freundschaft
Gerade in Zeiten von Facebook & Co. sind echte Herzensfreundschaften besonders wichtig. Quelle: photocase

heute.de: Sie sprechen von einer "Blütezeit der Freundschaft". Meinen Sie damit etwa die vielen Follower bei Facebook, Twitter und Instagram?

Wolfgang Krüger: Nein! Eine Herzensfreundschaft besteht darin, dass man sich wirklich kennt und sich vertraut. Dazu muss man sich auch gelegentlich sehen. Facebook und Twitter sind gleichsam 'Brieffreundschaften', bei denen eine umfängliche Begegnung nicht besteht.

heute.de: Aber was verstehen Sie dann unter der sogenannten "Blütezeit der Freundschaft"?

Krüger: Noch nie in der Menschheit spielten Freundschaften eine so große Rolle. Die Bindung an die Herkunftsfamilie geht zurück und auch in einer Liebesbeziehung pflegen wir eigene Freundschaften. Dabei hat sich in den letzten Jahren vor allem eine sehr konkrete Freundschaftskunst entwickelt: Wir lernen, wie man Konflikte klärt, wie man eine Beziehung lebendig hält und wie man auch größere Freundschaftsgruppen pflegt.

heute.de: Über die Frage, ob digitale Medien Freundschaften fördern oder eher zerstören, ist ein ideologischer Streit entbrannt. Was meinen Sie?

Krüger: Wenn wir heute telefonieren können, uns Whatsapp Nachrichten schicken und über das Internet Freunde finden und ihnen Emails senden - ist dies eine Bereicherung. Wenn wir uns allerdings täglich mehr als eine Stunde aktiv in sozialen Netzwerken aufhalten, geht dies auf Kosten der realen Freundschaften.

heute.de: Was macht denn für Sie wahre Freundschaft aus? Gibt es dafür allgemeinverbindliche Merkmale?

Krüger: Freundschaften sind emotional intensive Beziehungen zu einem Menschen, dem ich auch intime Dinge erzählen kann, der mich versteht und der auch in Krisenzeiten absolut zuverlässig ist. Das gilt aber nur für die Herzensfreundschaften.

Daneben gibt es aber auch sogenannte Freizeitfreundschaften, das können beispielsweise Kollegen sein, mit denen wir in der Freizeit gemeinsam Sport machen. Und dann gibt noch die sogenannten Vitamin-B-Beziehungen, die wir pflegen, um daraus Nutzen zu ziehen. Letztere sind aber keine wahren Freundschaften.

heute.de: Ein Viertel der Deutschen soll Probleme damit haben, Freunde zu finden, wie sich aus einer Umfrage ergibt. War das schon immer so schwierig?

Krüger: Ja, die meisten Freundschaften haben wir in der Schule und Ausbildungszeit. Dann verlieren wir durchschnittlich alle zehn Jahre eine Freundschaft. Dies trifft vor allem für jene 50 Prozent der Menschen zu, die in der Lebensmitte resignieren. Sie sind überzeugt, dass sie viel in Freundschaften investieren, dann aber zu wenig bekommen und enttäuscht werden. Vor allem bei ihnen gehen dann die Freundschaften zurück. Ansonsten ist es ganz einfach, Freunde zu finden. Man braucht dazu nur Neugierde und etwas Selbstbewusstsein.

heute.de: Spätestens, seitdem wir Harry und Sally kennen, stellen wir uns die Frage: Gibt es echte Freundschaft zwischen Mann und Frau?

Krüger: Die Hälfte aller Deutschen glaubt zumindest, dass es klappen kann. Dazu muss aber aus meiner Sicht mindestens eine von drei Voraussetzungen erfüllt sein: Entweder sie ist nicht sein Typ. Vor allem kameradschaftliche Frauen sind vor den männlichen Jägern sicher. Oder er ist in einer festen Beziehung und erotisch abgesättigt. Oder aber der Mann ist in der Lage, durch intensive Gespräche eine solche prickelnde Beziehung herzustellen, dass er nicht mit einer Frau schlafen muss, um eine Nähe mit ihr zu empfinden. Das eigentliche Problem aber sind nicht die Freundschaften zwischen Männern und Frauen, sondern die Tatsache, dass nur ein Drittel aller Männer eine wirkliche Freundschaft pflegt.

Das Interview führte Eva Schmidt.

 

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