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"Fridays for Future" - "Werde ihn nicht fesseln und mitschleppen"

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Joseph geht jeden Monat für das Klima auf die Straße. Sein Zwillingsbruder Antoni bleibt während der Demos in der Schule. Im Interview erklären die 13-Jährigen ihre Entscheidungen.

Schüler streiken in Mainz fürs Klima
Während sein Zwillingsbruder in der Schule ist, demonstriert Joseph (6. v. r.) mit anderen Mainzer Schülern für das Klima.
Quelle: dpa

heute.de: Joseph, warum gehst du zu den "Fridays for Future"-Demos?

Joseph: Weil die Politiker ansonsten nicht bemerken, dass es nicht in Ordnung ist, dass sie überhaupt nicht mehr auf die Umwelt achten. Wenn man Schulen digitalisiert, aber die Umwelt hinten dran lässt, bringt das am Ende auch nichts.

heute.de: Und warum gehst du nicht mit, Antoni?

Antoni: Bei mir ist in der Schule gerade einfach viel los und das wäre mir dann zu viel. Außerdem will ich nicht, dass auf meinem Zeugnis dann etwas Schlechtes vermerkt ist. Ich finde es auch nicht gut, dass man extra schwänzen muss, um von den Politikern beachtet zu werden.

heute.de: Also würden die Demos eurer Meinung nach nicht so viel bringen, wenn sie zum Beispiel samstags wären?

Joseph: Nein. Die Erwachsenen streiken ja auch nicht am Samstag, wenn sie eine Gehaltserhöhung wollen. Das bringt ja nichts.

Antoni: Ich glaube auch, dass es nicht viel bringen würde. Auch, wenn ich samstags eher mitgehen würde. Das Thema ist mir ja nicht egal. Mir ist einfach nur die Schule zu wichtig.

heute.de: Was hat dich dazu bewogen, bei den Demos mitzugehen, Joseph? War dir das Thema "Klima" schon immer wichtig?

Joseph: Mir war das Thema generell schon wichtig. Ich habe nur bis zum Anfang der Demos hier in Mainz gedacht, dass da alles halbwegs in Ordnung sei. Die erste Demo lief dann an unserer Schule vorbei. Danach haben meine Freunde und ich uns informiert und gemerkt, dass vieles eben nicht in Ordnung ist.

heute.de: Sind deine Freunde und Klassenkameraden auch bei den Demos dabei?

Joseph: Ja, bei der letzten Demo waren wir ungefähr zehn Leute. Unsere Klassenlehrerin unterstützt uns dabei auch. Sie lässt uns zum Beispiel am Montag danach immer erzählen, wie es auf der Demo war und ob es irgendwelche Besonderheiten gab.

heute.de: Wie ist das in deiner Klasse, Antoni?

Antoni: Bei der letzten Demo sind ziemlich viele aus meiner Klasse mitgegangen. Das hieß dann aber auch, dass der Unterricht ziemlich vernachlässigt wurde.

heute.de: Wie ist es denn in der Schule, während die Mitschüler auf der Demo sind?

Antoni: Ich glaube, unser Lehrer findet es gut, dass sie sich da beteiligen. Aber was den Unterricht angeht, geht es nicht so richtig voran, weil einfach nicht so viele da sind.

heute.de: Das heißt, wenn alle da wären, würde der Unterricht anders verlaufen?

Antoni: Ich denke schon. In Biologie zum Beispiel haben wir relativ wenig aufgeschrieben und nur einen "Spaß-Versuch" gemacht. Ich glaube nicht, dass wir das gemacht hätten, wären die anderen nicht weg gewesen.

heute.de: Spielt das Thema "Klima" denn auch innerhalb der Schule eine Rolle?

Joseph: Auf jeden Fall. Unsere Schülervertretung achtet jetzt auch darauf, dass die Schüler, die nicht auf die Demos gehen können, weil sie sich das wegen ihrer Noten nicht leisten können, trotzdem etwas für das Klima machen können.

Antoni: Unsere Schule macht jetzt am 1. April etwas für das Klima. Ich weiß noch nicht genau, was sie vorhaben, aber das wird in der Mittagspause sein, damit alle mitmachen können. Da werde ich auch auf jeden Fall hingehen.

heute.de: Was sagen eure Eltern denn dazu? Gerade bei dir Joseph, dass du die Schule für die Demos schwänzt?

Joseph: Ich denke, dass sie uns da schon unterstützen. Bei der ersten Demo habe ich gefragt, ob ich mitgehen darf. Sie haben mir gesagt, die Konsequenzen mit den unentschuldigten Fehlstunden muss ich dann tragen und haben mir die Entscheidung überlassen. Die Demos hier in Mainz sind ja auch nur einmal im Monat, also ist das in Ordnung. Meistens gehe ich auch nach der Demo wieder zurück in die Schule, weil ich dann noch Orchesterprobe habe. Es geht mir ja nicht darum, dass ich früher frei habe.

heute.de: Und was sagst du dazu, dass dein Bruder nicht mitgeht?

Joseph: Ich versuche immer noch, ihn zu überreden. Aber es ist seine Entscheidung. Wenn er nicht gehen möchte, geht er eben nicht. Ich werde ihn nicht fesseln und mitschleppen.

heute.de: Was erhoffst du dir von den Demos?

Joseph: Dass die Schüler gehört werden und die Politiker etwas ändern. Und auch, dass bei den nächsten Wahlen, die, die das unterstützen, gewählt werden, damit sie auch etwas ändern können.

heute.de: Antoni, glaubst du, dass die Demonstrationen etwas bringen können?

Antoni: Ich denke schon, weil sie ja auch sehr häufig in den Nachrichten ausgestrahlt werden. Außerdem ist es ja eigentlich so, dass die Politiker auch nicht wieder gewählt werden, wenn sie sich nicht darum kümmern. Das würde dann auch ihnen selbst schaden. Deshalb glaube ich schon, dass sie das beachten. Ob es dann später umgesetzt wird, hoffe ich, glaube ich auch, aber ich weiß eben nicht, wann.

Das Interview führte Laura Oehl.

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