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Fridays for Future - Die wichtigsten Antworten zur Klima-Demo

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Weltweiter Protest: Für heute sind in 149 Ländern Kundgebungen unter dem Banner von Fridays for Future geplant. Allein in Deutschland werden Hunderttausende Teilnehmer erwartet.

Fridays for Future Demonstration. Archivbild
Fridays for Future Demonstration. Archivbild
Quelle: Patrick Seeger/dpa

Was sind die Fridays for Future?

Was im August 2018 als lokaler Protest der Schülerin Greta Thunberg gegen die schwedische Klimapolitik begann, ist zu einer globalen Protestbewegung geworden. Es sind nicht mehr nur Schüler und Jugendliche, die auf die Straße gehen – auch Gewerkschaften, etablierte Umweltorganisationen und andere linke Bewegungen haben für heute zu Protesten aufgerufen.

Der Soziologe Dieter Rucht vom Berliner Institut für Protest- und Bewegungsforschung beschreibt Fridays for Future (FFF) als "Graswurzelbewegung ohne formelle Hierarchien", die im Kern aus autonom handelnden örtlichen Gruppen bestehe. Die Koordination der einzelnen Gruppen laufe meist über die Kommunikationsplattform Whatsapp. Bei den FFF-Demonstrationen vor der Europawahl demonstrierten am 24. Mai 2019 1,8 Millionen Menschen weltweit.

Was fordert die Bewegung?

Die Kernforderung der deutschen FFF-Bewegung ist die Reduzierung klimaschädlicher Treibhausgase auf Null bis spätestens 2035. Der aktuelle Plan der Bundesregierung sieht das Jahr 2050 vor. Der Kohleausstieg soll bis 2030 vollzogen sein, fordern die Aktivisten. Darüber hinaus kritisieren sie konkrete Industriezweige wie die Automobilbranche. Einerseits fordern sie individuelle Bürger dazu auf, ihr Konsumverhalten anzupassen, die Industrie müsse aber gleichermaßen aktiv werden.

Warum finden die Proteste jetzt statt?

Der Weltklimagipfel der Vereinten Nationen startet am 23. September. Rund 60 Regierungschefs werden in New York erwartet, damit sie ihre nationalen Pläne für Umwelt- und Naturschutz vorstellen. Klimademonstranten weltweit haben es zum Ziel, dass der Weltklimagipfel nächste Woche handfeste Ergebnisse bringt. Von Bundeskanzlerin Angela Merkel erwartet die Staatengemeinschaft Führungsstärke. Sie soll am Montag international vorstellen, was das Klimakabinett heute im Laufe des Tages verkündet. Oder – und das ist für die deutsche Position im weltweiten Kampf gegen den Klimawandel die schlechteste Option: anderen Staaten, allen voran dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron, das Rampenlicht überlassen.

Nach dem heißen Endlos-Sommer 2018 sind viele in Sorge: Ist der Klimawandel noch aufzuhalten? Welchen Beitrag muss jetzt die Politik leisten, und was kann jeder Einzelne tun, um das Klima zu schützen?

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Sind die Fridays for Future nur in Deutschland so groß?

"Der deutsche Zweig der Protestbewegung ist in absoluten Zahlen wohl am mobilisierungsstärksten", so Forscher Dieter Rucht. Im Ländervergleich besäßen die Protestierenden in Deutschland ein durchschnittliches und "eher unauffälliges Profil" mit Blick auf Herkunft, Bildungsniveau, Geschlecht oder Alter der Teilnehmer.

"FFF ist es gelungen, das Thema Klimaschutz in einer Weise zu kommunizieren, dass aus einem globalen und allgemeinen Menschheitsproblem ein dringendes, unmittelbar lokales Engagement erforderndes Problem geworden ist", beschreibt Sebastian Haunss, Soziologe an der Universität Bremen. Den etablierten Umweltorganisationen sei das zuvor nicht gelungen.

"Neben Greta Thunberg spielen mit Anuna De Wever in Belgien und Luisa Neubauer in Deutschland Einzelpersonen als Gesichter nationaler FFF-Gruppierungen eine wichtige Rolle. In anderen Ländern fehlen derart exponierte Personen", erläutert Soziologe Rucht.

Welche Aktionen planen Umweltschützer weltweit?

In den USA plant ein Netzwerk von Angestellten großer Technologiekonzerne Arbeitsniederlegungen, um auf die Umweltverantwortung ihrer Arbeitgeber hinzuweisen. Verhindert wurde der Versuch mehrerer Aktivisten der britischen Gruppen "Extinction Rebellion" und "Heathrow Pause", den Betrieb am Flughafen London Heathrow mit Flugdrohnen zu stören. 19 Personen wurden bislang wegen mutmaßlicher Beteiligung an dieser Aktion verhaftet. In Zürich hatten Extinction-Rebellion-Mitglieder vergangenen Dienstag den Fluss Limmat kurzzeitig grün gefärbt.

Der Berliner Ableger der Gruppe hat für Freitag bereits angekündigt, zentrale Verkehrsknotenpunkte in der Hauptstadt blockieren zu wollen. Bisherige FFF-Massendemonstrationen waren jedoch friedlich, daher ist auch heute nicht mit Ausschreitungen zu rechnen. Einen vollständigen Überblick zu den in Deutschland geplanten Aktionen liefert eine Übersichtskarte der Bewegung.

Dürfen Arbeitnehmer einfach so mitdemonstrieren?

"Arbeitnehmer haben in Deutschland ein vom Grundgesetz garantiertes Streikrecht. Dieses betrifft allerdings nur Forderungen gegen den Arbeitgeber. Politische Streiks sind grundsätzlich verboten", erklärt ZDF-Rechtsexperte Felix W. Zimmermann. "Politische Streiks sind solche, in denen sich Arbeitnehmer für andere Themen als die Verbesserung der eigenen Arbeitsbedingungen einsetzen wollen, also etwa ein Klimastreik. Da müssen die Arbeitnehmer in ihrer Freizeit demonstrieren."

Zwar hat etwa Verdi-Gewerkschaftschef Frank Bsirske am Montag Arbeitnehmer dazu aufgerufen, sich sofern möglich an den Protesten zu beteiligen – zu einem echten Klimastreik darf die Gewerkschaft aber nicht aufrufen. Ähnlich halten es auch viele andere Arbeitgeber mit eingeschränktem Streikrecht, wie etwa die evangelischen und katholischen Kirchen. Etwa durch Überstundenausgleich wolle man Angestellten ermöglichen, in ihrer Freizeit mit demonstrieren zu gehen, erklärte die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

"maybrit illner“ mit dem Thema "Der Regenwald brennt – zerstört unser Konsum den Planeten?" am Donnerstag, den 29. August 2019, um 22:15 Uhr im ZDF.

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Wie wird es weitergehen mit Fridays for Future?

Die Fridays for Future sind in mehrerlei Hinsicht prägend für junge Aktivisten. Viele seien das erste Mal bei einer Demonstration. "Ein Teil der jungen Generation wird durch FFF in einer Weise politisiert, die über Fragen des Umwelt- und Klimaschutzes hinausgeht", sagt der Soziologe Rucht. Wenn die Hoffnung auf schnellen Erfolg enttäuscht werde, bestehe die Gefahr, dass sich ein Teil der Jugendlichen ins Private zurückziehe.

"Bisher orientierte sich die Wahl der Protestformen am Ziel möglichst großer Inklusivität, auch protestunerfahrenen Menschen soll die Teilnahme ermöglicht werden", so der Soziologe Sebastian Haunss. Er hat jedoch auch beobachtet, dass FFF die Bandbreite ihrer Aktionen erweitert: "Ob und in welchem Umfang unter dem Label FFF auch zu Aktionen zivilen Ungehorsams aufgerufen werden soll, wird gerade unter den Aktivisten diskutiert."

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