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Buchhandel - Gegen das Vergessen: Friedenspreis für die Assmanns

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Aleida und Jan Assmann haben den Friedenspreis des Buchhandels erhalten. Das Ehepaar habe ein Werk geschaffen, das große Bedeutung für ein friedliches Zusammenleben habe, hieß es.

Der 68. Friedenspreis des deutschen Buchhandels wurde an die Wissenschaftler Aleida und Jan Assmann verliehen. Das Ehepaar widmete sich Forschungen zur Erinnerungskultur.

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Das Ehepaar Assmann ist seit Jahrzehnten miteinander verheiratet - und auch eine Arbeitsgemeinschaft. "Es gibt unendlich viel zu entdecken, wenn ein Ägyptologe und eine Literaturwissenschaftlerin ins Gespräch kommen", sagt der 80-jährige Jan Assmann. Er und seine Frau Aleida (71) haben sich mit der Erforschung der Erinnerungskultur über Deutschland hinaus einen Namen gemacht. Da haben die alten Ägypter mit ihrem Totenkult wertvolle Hinweise geliefert. Die Hochkultur am Nil schuf einst monumentale Denkmäler gegen das Vergessenwerden. Die beiden Gelehrten, die heute in Berlin leben, gehören international zu den bekanntesten deutschen Geisteswissenschaftlern.

Erinnerungskultur als Antwort auf den Holocaust

Am Sonntag haben sie zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse den renommierten Friedenspreis des Deutschen Buchhandels entgegengenommen. Damit werden seit 1950 Schriftsteller, Philosophen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland geehrt.

Das Paar hat nach Ansicht des Stiftungsrats ein zweistimmiges Werk geschaffen, "das für die zeitgenössischen Debatten und im Besonderen für ein friedliches Zusammenleben auf der Welt von großer Bedeutung ist". Aleida Assmanns Arbeiten zum kulturellen Gedächtnis ist es mitzuverdanken, dass Deutschland heute eine Erinnerungskultur hat, die weltweit als beispielhaft gilt. Dies versteht die Literaturwissenschaftlerin auch als Antwort auf den Holocaust. Nach dem "Historikerstreit" von 1986, bei dem es um die Frage der Einzigartigkeit des Genozids an den Juden ging, hat sich das Ehepaar maßgeblich für den Bau des Holocaust-Mahnmals in Berlin eingesetzt.

Plädoyer für neuen Gesellschaftsvertrag mit Migranten

Angesichts der Flüchtlingsdebatte plädiert Aleida Assmann in ihrem jüngsten Buch "Menschenrechte und Menschenpflichten" (2017) für einen neuen Gesellschaftsvertrag. Darin müssten die Menschenrechte, Werte wie Empathie und Solidarität sowie ein Kanon von Regeln für ein faires und respektvolles Zusammenleben von Einheimischen und Zugewanderten maßgeblich sein.

Jan Assmann hat mit seinen religionswissenschaftlichen Arbeiten und Büchern und seinen Thesen zum Monotheismus für Furore gesorgt. Dessen Anfänge sieht er im Auszug der Israeliten unter Moses aus Ägypten. Damit sei in der Religion die Unterscheidung von "wahr" und "falsch" in die Welt gekommen - mit fatalen Folgen vor allem später im Christentum und im Islam.

Der Friedenspreis des deutschen Buchhandels geht 2018 an die Kulturwissenschaftler Aleida und Jan Assmann. Wir sprechen mit ihnen auf der Buchmesse.

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Anders als bei den Ägyptern wurde im messianisch-heilsgeschichtlichen Glauben an den einen strengen Gott in dessen Namen gemordet. Mit der Problematisierung des Zusammenhangs von (monotheistischer) Religion und Gewalt hat Assmann eine heftige Debatte in der Wissenschaft losgetreten. Assmann hat dabei deutlich gemacht, dass er den Monotheismus nicht verdamme, sondern sich gegen religiös-dogmatischen Fundamentalismus wende.

Zweites ausgezeichnetes Ehepaar

Mit dem Ehepaar Assmann, das fünf Kinder hat, wird zum zweiten Mal seit 1950 ein Ehepaar mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Wohl selten ist bei Wissenschaftlern die Arbeit so eng miteinander verwoben wie bei den Assmanns. Dabei melden sie sich immer wieder zu den Themen der Erinnerungskultur zu Wort, die sie durch den Rechtspopulismus bedroht sehen.

Bei der Erinnerung an die deutsche Vergangenheit darf es nach Meinung der Wissenschaftler auch für künftige Generationen keinen Schlussstrich geben. Jeder könne über die Geschichte seiner Familie auch heute noch etwa mit Hilfe von Briefen persönlich recherchieren, sagt dazu Aleida Assmann.

Gerd Scobel spricht mit Aleida und Jan Assmann über ihre Bücher "Formen des Vergessens" und "Achsenzeit".

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In Sachen Erinnerungskultur nehmen die Assmanns die Deutschen auch bei einem anderen umstrittenen Thema - der Einwanderung - in die Pflicht. Sie setzen sich für ein Migrationsmuseum ein. "Deutschland muss sich als Einwanderungsland neu erfinden", verlangt die 71-jährige Aleida Assmann.

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