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Kampf gegen Pekings Smog - Frieren für den blauen Himmel

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Blauer Himmel über Peking - und das im Winter. Ein ungewöhnliches Bild in der sonst unter einer Dunstglocke liegenden Stadt. Doch der Preis für die klare Luft ist hoch.

China versucht seit Jahren, den Smog in den Städten zu reduzieren. Ohne allzu großen Erfolg, denn das Land ist abhängig von Kohle. Mit Hilfe einer Initiative des Umweltministeriums sollen nun Millionen Haushalte auf Gas umsteigen.

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Ein bisschen frische Luft, wie herrlich. Unter blauem Himmel, noch besser. Und das mitten in Peking. Um diese Jahreszeit definitiv ein ungewöhnliches Bild. Die chinesische Regierung hat frische Luft verordnet. Das heißt sie hat das Heizen mit Kohle verboten, vor allem in und rund um Peking. Das Ergebnis ist ein blauer Himmel, wie es ihn selten gab und vor allem überdurchschnittlich gute Luftwerte - im Verhältnis. Und somit ging die Initiative der chinesischen Regierung fast auf. Fast, denn mit dem blauen Himmel lässt sich kein Zimmer heizen. Viele Menschen rund um Peking müssen frieren, damit der Smog wegbleibt.

Luft-Index: Ab 300 ist es gesundheitsgefährdend

Denn wer an Peking im Winter denkt, vor allem im Dezember, der denkt sicherlich nicht an einen blauen Himmel, sondern an Smog und schlechte Luftqualitätswerte. Dieses Jahr lagen die schlechtesten bisher "nur" an zwei Tagen bei 300. Das geht für die Wintermonate, sagen die Menschen, die hier leben und fügen hinzu, dass sie auch oft 500 oder sogar 800 erlebt haben.

Das ist dann der Moment, wo die Menschen in Peking ihr Gegenüber vor lauter Smog nicht mehr erkennen können. Schaut man auf den Air Quality Index, steht da, dass bei Smogwerten ab 300 mit Gesundheitsschäden gerechnet werden muss.

Privathaushalten die Kohle verboten

Damit sollte nun also Schluss sein. Schließlich will China seiner Bevölkerung und auch der Welt zeigen, dass Umweltschutz Chefsache ist. Also wurde den privaten Haushalten die Kohle verboten. Denn 50 Prozent des Smogs in Peking kommen aus den Heizöfen der privaten Haushalte.

Kohle ist extrem billig in China und Gas war bis vor ein paar Monaten nicht nutzbar, weil es gar keine Leitungen gab. Das ist jetzt anders. Mit dem Kohleverbot kamen die Gasleitungen. Viele Orte sind jetzt von diesen dünnen gelben Rohren durchzogen. Wir haben in einem dieser Orte gedreht. Die Leute, die wir treffen sind zurückhaltend, wollen nicht offen reden. So wie eine Frau, die uns sagt, dass der Himmel früher eigentlich jeden Tag voller Smog war, jetzt sei er aber hell. Die Luft sei besser geworden.

Gas ist knapp und zu teuer

Trotzdem findet sie das mit dem Gas nicht gut. Es sei viel zu teuer. Früher hätten sie umgerechnet 200 Euro im Winter zum Heizen ausgegeben. Dieses Jahr wird es vermutlich dreimal so teuer werden. Also traut sie sich nicht alle Räume im Haus zu heizen. Abgesehen davon gäbe es eh nicht genug Gas. Nachts wird es hier auch mal sehr kalt – bis 20 Grad unter null. Da reicht das Gas nur für einen Raum. Und wer eine Gasleitung hat, darf keine Kohle mehr benutzen. Die Frau schimpft, zeigt auf ihre Enkeltochter und sagt, wenn Kinder da sind ist es nicht gut zu frieren. Und wir frieren.

Dabei geht es eigentlich um eine gute Sache, den Kampf gegen die Luftverschmutzung. In einer Hauruckaktion wurden ganze Dörfer mit den Gasleitungen gegen den Smog versorgt. Aber das Gas reicht bei weitem nicht für alle. So wie bei einer anderen Frau aus dem Dorf, Frau Chu. Auch in ihrem Haus ist nur ein Raum richtig geheizt. Den Kohleofen mussten sie gegen den Gasboiler eintauschen und sie mussten ihn erstmal selbst bezahlen. Sie erzählt uns, dass die da oben gesagt hätten sie bekämen Geld zurück. "Bisher haben wir noch nichts gekriegt. Dabei hat der Boiler mehr als 640 Euro gekostet. 190 Euro soll es vom Staat geben. Naja."

So richtig scheint sie nicht daran zu glauben. Dabei finden Frau Chu und ihr Sohn den blauen Himmel auch gut, nur nicht dass sie frieren, dass der Gaspreis auf einmal um das Dreifache gestiegen ist und sie keine Alternative haben, das finden sie nicht gut. Und dann sagen sie uns mit einem lakonischen Schulterzucken: "So ist das. Wir einfachen Menschen können nichts machen. Wir können nur gehorsam sein. Nichts anderes."

Regierung hat Bedarf unterschätzt

Neben den Häusern, die nur wenig Gas zum Heizen haben, gibt es die, die zwar eine Leitung, aber noch gar kein Gas haben. Es ist nicht genug da, weil der Bedarf von der Regierung unterschätzt wurde. Also benutzen sie wieder Kohle, um nicht zu frieren. Die Partei hatte das so nicht geplant. Und jetzt macht Daoquan Jia das, was die Politik eigentlich nicht will, er heizt mit seinem Kohleofen. Er erzählt uns, zuerst hätten sie ihm gesagt, sie dürften selber keine Kohle mehr kaufen. Aber es sei jetzt so kalt geworden, dass es nicht mehr ginge. Wenn sie nicht mit Kohle heizen würden, dann würden sie frieren. Das ginge aber nicht. Also hätten sie dann doch wieder Kohle gekauft.

Dieser Ort zeigt das ganze Dilemma der chinesischen sogenannten Blue-Sky-Politik. Die Regierung hat sich schlicht verplant, musste einen Rückzieher machen. Das Kohleverbot hält nicht stand, gegen die frierenden Menschen. Und somit wird der Smog wohl bald auch wieder nach Peking kommen.

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