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Kampf gegen kriminelle Clans

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Frontal 21: Wem gehört Neukölln? - Kampf gegen kriminelle Clans

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Berlin-Neukölln ist ein hipper Bezirk. Die Kriminalität ist allerdings hoch und arabische Clans stark. "Frontal 21" beleuchtet den Kampf gegen die Organisierte Kriminalität.

Alle paar Wochen das gleiche Bild: Großeinsatz der Polizei auf der Sonnenallee in Berlin-Neukölln. Im Visier: arabische, kriminelle Clans. Polizisten, Steuerfahnder und Mitarbeiter des Ordnungsamtes kontrollieren verdächtige Wettbüros, Spielcasinos und Shishabars. Diese gelten als "Wohnzimmer" der Clans. "Es finden hier oftmals Treffen der Organisierten Kriminalität statt, und es werden Verabredungen zu Straftaten getroffen", sagt Martin Hikel, Bezirksbürgermeister in Neukölln, gegenüber Frontal 21.

Seit einem Jahr ist er im Amt und schlägt eine harte Gangart gegen kriminelle Clans ein. Dabei arbeitet Martin Hikel eng mit Oberstaatsanwältin Petra Leister zusammen. Sie kennt die Clans und ihre brutalen Methoden, leitet beim Landgericht Berlin die Abteilung "Organisierte Kriminalität".

Martin Hikel, der Bezirksbürgermeister von Neukölln
Martin Hikel (Mitte) ist Bürgermeister in Berlin-Neukölln. Frontal 21 hat ihn ein halbes Jahr lang bei seinem Kampf gegen arabische Clans und Immobilienspekulanten begleitet. Sehen Sie die Doku heute ab 21 Uhr im ZDF.
Quelle: ZDF
Es werden alle Varianten versucht, um irgendwie diesen Menschen zum Schweigen zu bringen.
Petra Leister, Oberstaatsanwältin

Die Beweisführung in Gerichtsverfahren ist schwierig, oftmals ziehen wichtige Zeugen kurz vor der Verhandlung ihre Aussagen zurück. "Zeugen werden beeinflusst. Man wird angerufen, man wird besucht, das erste Mal vielleicht freundlich, beim zweiten Mal vielleicht nicht mehr ganz so. Wenn es Not tut, wird Gewalt angewendet. Es werden alle Varianten versucht, um irgendwie diesen Menschen zum Schweigen zu bringen", sagt die Oberstaatsanwältin.

Das hat auch Michael Kuhr erlebt. Er war 2010 Sicherheitschef im Grand Hyatt, als das dortige Pokerturnier überfallen wurde. Die Beute: 240.000 Euro. Kuhr erkannte einen der Brüder aus dem Neuköllner Abou-Chaker-Clan als Drahtzieher der Tat. Später ging beim Berliner LKA ein Hinweis auf einen Mordauftrag gegen Kuhr ein.

Aus meiner Sicht ist der Zug komplett abgefahren. Wir müssen viel, viel härtere Regeln umsetzen.
Michael Kuhr, Leiter eines Sicherheitsunternehmens

Der Szenekenner und ehemalige Weltmeister im Kickboxen war zu Beginn seiner Karriere auch Türsteher. In dieser Zeit lernte er bereits etliche Mitglieder krimineller arabischer Großfamilien kennen. Heute leitet er eines der größten Sicherheitsunternehmen in Berlin und meint, Neukölln sei fest in Hand der arabischen Clans: "Aus meiner Sicht ist der Zug komplett abgefahren. Wir müssen viel, viel härtere Regeln umsetzen. Ab und zu diese Razzien durchzuführen, das sind kleine Nadelstiche, aber das schreckt auf Dauer nicht ab."

Michael Kuhr ist Chef eines Sicherheitsdienstes und mehrfacher Weltmeister im Kickboxen. Zu Beginn seiner Karriere war er auch Türsteher. In dieser Zeit lernte er bereits etliche Mitglieder krimineller arabischer Großfamilien kennen.

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Das Geld der Clans kommt auch aus illegalen Geschäften mit Prostitution, Drogen, Schutzgeld-Erpressung. "Es gibt viele Tätigkeitsbereiche und eben auch viele Möglichkeiten die Gelder im Rahmen zumindest vorgeblich legaler Berufstätigkeiten wieder unterzubringen. Es gibt ja alle möglichen Gaststätten, Späties, Juweliere, Shisha-Bars, auch viele Immobilien, die erworben worden sind", sagt Oberstaatsanwältin Petra Leister gegenüber Frontal 21.

Im vergangenen Jahr beschlagnahmte die Berliner Staatsanwaltschaft 78 Immobilien und Mieteinnahmen allein von Clanmitgliedern der Familie R.. Der Verdacht: Geldwäsche in Höhe von 28 Millionen Euro. "Wenn auf einen Ruck Vermögen weggenommen wird, ist das natürlich eine arge Einbuße an Macht. Wichtig ist nicht nur Immobilien wegzunehmen, sondern auch großflächig alles, was im Bereich der Statussymbole von Relevanz ist. Also Rolexuhren nehmen wir dankend entgegen. Fahrzeuge, die sehr gerne natürlich im hochkarätigen Sektor gefahren werden, sind bei uns auch gut aufgehoben", sagt Leister.

Oberstaatsanwältin Petra Leister leitet beim Landgericht Berlin die Abteilung "Organisierte Kriminalität". Zusammen mit dem LKA ließ sie im vergangenen Jahr 78 Immobilien der arabischen Großfamilie R. beschlagnahmen.

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Wenn man beim polizeilichen Einsatz Sätze hört wie 'Verpisst euch', dann soll das beschreiben, dass man das für sein Einflussgebiet betrachtet.
Thomas Böttcher, Polizeichef im Abschnitt 55 in Neukölln

Trotz aller Maßnahmen: Immer noch glauben einige Clan-Mitglieder, dass ihnen die Straße gehöre, berichtet Thomas Böttcher, Polizeichef im Abschnitt 55 in Neukölln: "Wenn man beim polizeilichen Einsatz Sätze hört wie 'Verpisst euch', dann soll das beschreiben, dass man das für sein Einflussgebiet betrachtet."

Im Kampf gegen kriminelle Clans geht es um die Frage: wem Neukölln, wem der Kiez gehört.

Thomas Böttcher leitet den Polizeiabschnitt 55 in Berlin-Neukölln. Dort ist die Kriminalität hoch - von Schießereien, Raub bis Drogenhandel.

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