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Zwanziger erhält heimliche Zahlung vom DFB

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Sommermärchen 2006 - Zwanziger erhält heimliche Zahlung vom DFB

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Nach Recherchen von "Frontal 21" und der "Welt" hat Ex-DFB-Präsident Zwanziger unlängst heimlich Geld vom DFB bekommen. Die Zahlungen hängen mit der Affäre um die WM 2006 zusammen.

Theo Zwanziger
Theo Zwanziger (Archiv)
Quelle: dapd

Im Rahmen einer außergerichtlichen Einigung mit seinem ehemaligen Arbeitgeber hat Zwanziger 12.295,56 Euro erhalten. Dies erfuhren "Frontal21" und "Welt" aus Verbandskreisen. Der 74-Jährige hatte den DFB Ende 2018 auf Schadensersatz in Höhe von 25.000 Euro verklagt.

Grund der Klage waren öffentliche Statements von DFB-Verantwortlichen aus den Jahren 2015 und 2016, die Zwanziger als für ihn ehrabschneidend angesehen hatte. Damals waren dubiose Geldflüsse im Organisationskomitee (OK) der Weltmeisterschaft 2006 bekannt geworden.

"Angst- und Krisenkultur" unter Zwanziger?

Zwanziger wurde unterstellt, während dessen Amtszeit für eine "Angst- und Krisenkultur" verantwortlich gewesen zu sein. Er hätte die Vorwürfe bezüglich der 6,7 Millionen schon viel früher selbst aufklären sollen, hieß es. Und: Man stehe voll hinter Wolfgang Niersbach, der an der DFB-Spitze auf Zwanziger gefolgt war.

Mittlerweile ist die Lage anders: Niersbach ist längst zurückgetreten. Und so kam es Informationen von "Frontal21" und "Welt" zufolge nach Zwanzigers Klageeinreichung zu einer Aussprache, an deren Ende im März 2019 eine schriftliche Vereinbarung zwischen Zwanziger und dem DFB stand. Zwanziger bestätigte im Interview die Existenz eines Einigungspapiers, wollte sich aber nicht zu Details äußern. Der DFB teilte mit: "Inhalte von Vereinbarungen und Personalangelegenheiten sind grundsätzlich vertraulich zu behandeln."

Zwanziger bald wieder vor Gericht

Ex-DFB-Boss Zwanziger muss sich - gemeinsam mit anderen Ex-DFB-Kollegen - wegen dubioser Zahlungen des WM-OK bald vor Gericht verantworten. Hintergrund ist eine Zahlung des Organisationskomitees in Höhe von 6,7 Millionen Euro an die Fifa im April 2005, deklariert als Beitrag zu einer WM-Gala. Einen Tag nach Erhalt des Geldes leitete die Fifa das Geld an Ex-Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus weiter. Bei dem Franzosen hatte WM-Chef Franz Beckenbauer drei Jahre zuvor ein Darlehen in gleicher Höhe aufgenommen und das Geld wiederum an den katarischen Fifa-Funktionär Mohammed bin Hammam überwiesen.

Nach Ansicht der Ermittler diente die als Gala-Beitrag getarnte Überweisung der Tilgung des Beckenbauer-Darlehens - und hätte nicht als Betriebsausgabe von der Steuer abgesetzt werden dürfen. Deswegen erhob die Staatsanwaltschaft Frankfurt Anklage wegen schwerer Steuerhinterziehung gegen Zwanziger, Niersbach, Ex-DFB-Manager Horst R. Schmidt sowie den Schweizer Ex-Fifa-Mitarbeiter Urs Linsi. In der Schweiz muss das Quartett wegen Betrugs vor Gericht. Anders als in Deutschland wird in der Schweiz auch Beckenbauer selbst beschuldigt, aber weil er gesundheitlich angeschlagen ist, wurde sein Verfahren abgetrennt.

Zwanziger weist sämtliche Vorwürfe zurück und beteuert, das Geld sei tatsächlich für die Gala gewesen. "Der Hauptvorwurf, wir hätten - auf dem Wege einer Täuschung - einen Betrag an Franz Beckenbauer zurückgezahlt, ist falsch", so Zwanziger. Im Gespräch mit "Frontal21" und der "Welt" kündigte der Ex-DFB-Boss an, Verfassungsbeschwerde gegen den jüngsten Beschluss des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main einzureichen.

Hat Beckenbauer 2005 mit Rücktritt gedroht?

Aus der Schweizer Anklageschrift, die "Frontal 21" und "Welt" vorliegt, geht hervor, dass Beckenbauer - für den Fall, dass niemand die Millionen zurückzahlt -  ein Jahr vor der WM sogar mit Rücktritt gedroht habe. "Ich möchte nicht wissen, was Ihre Kollegen dann geschrieben hätten, wenn der dann gesagt hätte: ‚Auf Wiedersehen Freunde, macht mal die WM ohne mich‘. Das war gar nicht machbar", sagte Zwanziger dazu im Interview.

Im Blick auf die bevorstehenden Prozesse hat Sepp Blatter, Ex-Fifa-Chef, derweil scharfe Kritik an Beckenbauer geübt. Beckenbauer behauptet, als WM-Chef habe er zehn Millionen Schweizer Franken an den Katarer bin Hammam zahlen müssen, um im Gegenzug 250 Millionen von der Fifa zu erhalten. Blatter sagte "Frontal21" und "Welt" dazu: "Wenn jemand den Weltcup organisieren darf, oder kann, oder muss, je nach dem, was es ist. Dann muss er nicht zuerst etwas der Fifa wieder bezahlen. Im Gegenteil. Die Fifa muss ihn bezahlen. Und dass der Organisator zuerst zehn Millionen bezahlen muss (…), also das ist wirklich das Dümmste, was ich je gehört habe."

Michael Haselrieder ist Redakteur beim ZDF-Investigativmagazin Frontal 21.

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