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Von Afrika nach Deutschland - Fluchtweg Spanien - und das Rote Kreuz hilft

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Eine der Hauptfluchtrouten nach Europa führt über Spanien. Eigentlich müssten die Flüchtlinge dort auch Asyl beantragen. Sie werden aber weitergeschleust. Das Rote Kreuz hilft.

Flüchtlinge aus Afrika warten in einer Schlange am Bus
Flüchtlinge aus Afrika warten in einer Schlange am Bus.
Quelle: ZDF

Das Flüchtlingslager des Roten Kreuzes im Südwesten Spaniens ist nicht leicht zu finden. Von der Landstraße geht es drei Kilometer eine staubige Piste entlang nach Campano. Drei junge Männer kommen uns entgegen. Es ist Anfang August. "Wir sind aus Guinea in Westafrika", erzählt Gassimou dem Team von Frontal 21. Er ist 19 Jahre alt, sagt er, und mit den anderen vor ein paar Tagen übers Mittelmeer gekommen. Doch in Spanien bleiben will keiner von ihnen. "Mein Traum ist es, nach Deutschland zu ziehen, um dort ein besseres Leben zu führen", sagt Gassimou. "Ich will dort wieder von vorne anfangen und besser verdienen." Wir werden ihn bei seiner Tour nach Deutschland begleiten.

Hauptfluchtroute über Spanien

Über Südspanien führt eine der Hauptfluchtrouten nach Europa. Afrika ist nur 14 Kilometer entfernt. Tausende Migranten wagen die gefährliche Überfahrt in Holz- und Schlauchbooten. 57.000 Ankünfte registrierte die europäische Grenzschutzagentur Frontex im Jahr 2018 auf dieser Route. Über 500 Menschen sind ertrunken, schätzen Menschenrechtsorganisationen. 2019 gingen die Zahlen zurück, trotzdem bringen die orangefarbenen Boote der staatlichen spanischen Seenotrettung fast täglich Menschen an Land. Die meisten kommen aus Nord- und Westafrika - aus Marokko, Guinea, Mali und Algerien.

Doch nur wenige Migranten aus diesen Ländern beantragen in Spanien Asyl. Die meisten Asylanträge kamen 2018 aus dem südamerikanischen Krisenland Venezuela. Dabei müssten Migranten eigentlich in dem Land Asyl beantragen, wo sie zum ersten Mal den Boden der Europäischen Union betreten. Das schreiben die Dublin-Regeln vor.

Doch viele fürchten, als billige Arbeitskräfte auf den Obst- und Gemüsefeldern zu landen. "Ich will Asyl in Deutschland beantragen", sagt auch Gassimou. Er und seine Freunde haben schon zu Hause in Guinea YouTube-Videos der Bundeskanzlerin angeschaut. "Angela Merkel hat ganz viel für die illegale Zuwanderung getan. Sie hat fast zwei Millionen Migranten aufgenommen im Jahr 2015", sagt Amadou, ein Freund von Gassimou. "Merkel ist die Mama aller Afrikaner. Deshalb machen sich so viele von uns auf nach Deutschland."

Um dort hinzukommen, setzen Gassimou und viele andere auf die Hilfe des spanischen Roten Kreuzes. Ein paar Tage nachdem sie im Lager von Campano angekommen sind, geht es mit Kleinbussen zur nächstgrößeren Stadt und von dort mit Linienbussen nach Irun, einer kleinen Stadt direkt an der Grenze zu Frankreich. Das Rote Kreuz schleust also Migranten bis zur Grenze. Die spanische Regierung bestreitet auf Anfrage von Frontal 21, damit etwas zu tun zu haben. Das Rote Kreuz erklärt dagegen, dass man sehr wohl mit der Regierung zusammenarbeite. "Wir haben ein Programm mit der Regierung, das es uns erlaubt, Tickets zu allen möglichen Orten in Spanien zu finanzieren", sagt Miguel Pradas vom spanischen Roten Kreuz. "Wo jemand Asyl beantragen will, ist seine persönliche Entscheidung."

Verteilung der Migranten nicht umgesetzt

Spanien unterläuft damit die Regeln der EU. Denn eigentlich müsste das Land die Migranten ins Asylverfahren aufnehmen oder sie zurückschicken. Andererseits ist die seit Jahren geplante Verteilung der Migranten aus den Ankunftsländern Italien, Griechenland oder Spanien innerhalb der EU bis heute nicht umgesetzt. Widerstand kommt vor allem aus Osteuropa.

Armin Schuster, Obmann der CDU im Innenausschuss, warnt vor einer neuen "Durchwinke-Politik" im Europa der offenen Grenzen. "Schengen-Partner, die so etwas zulassen, riskieren auch, dass wir gezwungen sind, an der gesamten deutschen Grenze wieder so zu kontrollieren, wie derzeit an der bayerisch-österreichischen Grenze", sagte Schuster im Interview mit Frontal 21.

Zwei Wochen nachdem wir Gassimou in Spanien getroffen haben, meldet er sich über den Facebook-Messenger: "Ich bin rüber. Ich bin in Frankreich. Ich bin auf dem Weg. Spätestens um 23 Uhr werde ich in Paris sein." Noch mal einen Monat später - Ende September - melden wir uns wieder bei ihm: "Hey Gassimou, wo bist du jetzt?" Er antwortet: "Ich bin in Franckur", und korrigiert sofort: "Frankfurt".

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