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Pharmaindustrie - Sexuelle Störungen durch Antidepressiva?

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Antidepressiva können sexuelle Störungen auslösen, die wohl lange nach Absetzen des Medikaments noch anhalten. Der Verdacht ist einer ZDF-Recherche zufolge seit Jahren bekannt.

Betroffene können nach Absetzen der Medikamente unter einer lang anhaltenden sexuellen Funktionsstörung leiden.

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Antidepressiva mit bestimmten Wirkstoffgruppen können sexuelle Störungen hervorrufen, die möglicherweise auch Jahre nach Absetzen des Medikaments anhalten. Dieser Verdacht ist nach Recherchen der ZDF-Magazine Volle Kanne und Frontal21 schon seit Jahren bekannt. Doch erst jetzt verlangen die Behörden, dass die Pharma-Hersteller entsprechende Warnhinweise in die Beipackzettel aufnehmen.

Experten gehen von hoher Dunkelziffer aus

Dauerhaft verminderte Libido, Orgasmus- und Ejakulationsstörungen sowie Impotenz - das können die Langzeitfolgen nach Einnahme solcher Antidepressiva sein, sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Experten wie Wolfgang Becker-Brüser, Chefredakteur des arznei-telegramms, gehen von einer sehr hohen Dunkelziffer aus: "Es werden sehr viel mehr Menschen betroffen sein, als man heute denkt." Allein in Deutschland werden täglich mehr als 1,5 Millionen Tagesdosen von sogenannten Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) und Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmern (SNRI) verschrieben.

Fallstudien weisen schon seit 2006 auf solche lang anhaltenden sexuellen Funktionsstörungen durch die Antidepressiva hin. In den USA verpflichtete die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA bereits 2011 den Hersteller des Fluoxetin-Präparates Prozac® dazu, in der Produktinformation auf sexuelle Funktionsstörungen auch nach Absetzen des Antidepressivums hinzuweisen. 2012 warnte das niederländische Pharmakovigilanz-Zentrum Lareb vor möglichen Spätfolgen. Doch erst jetzt hat die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) reagiert und die Hersteller aufgefordert, auf solche Nebenwirkungen in den Produktinformationen hinzuweisen.

"Behörden waren eindeutig zu spät dran"

"Die Behörden waren eindeutig zu spät dran. Man hätte spätestens vor sechs oder sieben Jahren reagieren müssen und diese Hinweise in die Beipackzettel aufnehmen müssen", kritisiert Wolfgang Becker-Brüser. Auf Nachfrage teilt die EMA mit, dass sie in der Vergangenheit die Studien geprüft habe, aber bis dahin "die Datenlage nicht eindeutig" gewesen sei. Neueste Forschungen und Hinweise aus der Wissenschaft wären nun Anlass, die Produktinformationen ändern zu lassen, um Risiken zu minimieren.

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