Sie sind hier:

Fehlende Medikamente - Die große Gefahr der leeren Apotheke

Datum:

Nicht lieferbar - das heißt es immer öfter in deutschen Krankenhäusern und Apotheken. Es fehlen Antibiotika, Schmerzmittel, sogar überlebenswichtige Krebsmedikamente.

Leere Blisterpackungen
Leere Blisterpackungen
Quelle: Imago

Besuch in der Apotheke im "Haus der Gesundheit" in Berlin-Mitte. Brigitte Schmidt möchte einen Blutdrucksenker kaufen. "Das ist leider gerade nicht lieferbar", erklärt ihr Apothekerin Ines Lorenz. Die über 80-jährige Patientin ist entsetzt: "Ich verstehe das nicht. Warum ist das plötzlich so, dass wir nicht mehr das bekommen, was wir brauchen?"

Es fehlen Tabletten, Tropfen, Kapseln, Lösungen

Dabei hat die Apotheke eigens eine Mitarbeiterin dafür abgestellt, Medikamenten-Restbestände bei Großhändlern und Herstellern aufzutreiben. Sechs Stunden täglich verbringt sie am Telefon, häufig vergeblich. "Wir haben Fehlbestände bei Tabletten, Tropfen, Kapseln, Injektionslösungen, Spritzen", berichtet Filialleiterin Ines Lorenz.

Das Problem wird von Jahr zu Jahr größer: Meldete das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte 2013 lediglich 42 Medikamente mit Lieferproblemen, waren es 2018 schon 268 - Impfstoffe nicht einmal mitgezählt. "Ich weiß auch nicht, ob wir erst Todesfälle brauchen, bis irgendwer mal drauf reagiert", sagt Apothekerin Lorenz: "In Deutschland 2019 ist es nicht möglich, unsere Patienten adäquat zu versorgen. Das ist traurig."

Gründe für Lieferengpässe bekannt

Nicht alle Patienten können problemlos auf ähnliche Ersatzpräparate ausweichen: Mal bereiten diese Schluckbeschwerden, mal vertragen Patienten die Hilfsstoffe in den Medikamenten nicht. So fürchten manche Patienten, dass aus Lieferproblemen etwas viel Bedrohlicheres erwachsen könnte: die Unmöglichkeit, ein überlebenswichtiges Medikament zu erhalten.
Die Gründe für die Lieferengpässe sind weitgehend bekannt. Weltweit steigt der Bedarf an Medikamenten. Doch produziert werden sie in immer weniger Produktionsstätten.

Und die befinden sich häufig in Billiglohnländern wie Indien oder China mit schwachen Hygiene- und Sicherheitsüberprüfungen. Wenn dort etwas schief läuft, kann kaum noch auf andere Fabriken ausgewichen werden. Folge: Ein Medikament ist wochenlang nicht lieferbar.

Mehr Medikamente "Made in Europe" gefordert

Gesundheitspolitiker wünschen sich deshalb wieder mehr Arzneimittel "Made in Europe". Unklar bleibt aber, wie sie die Pharmahersteller dazu verpflichten wollen. Andrew Ullmann von der FDP schlägt einen "kritischen, konstruktiven Dialog" vor. Michael Hennrich von der CDU will Anreize schaffen, dass Unternehmen wieder in Europa produzieren, sowie eine nationale Arzneimittelreserve. Karl Lauterbach von der SPD will die Hersteller per Ausschreibung gar dazu verpflichten, knappe Medikamente in Deutschland zu produzieren: "Im Gesetz würde das begründet mit den tödlichen Folgen von Lieferengpässen, dann wäre es auch verfassungsrechtlich einwandfrei."

Schon seit langem tut sich die Politik mit Antworten schwer. Das Problem aber wird zunehmen. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat das Thema immerhin auf die Tagesordnung der deutschen EU-Ratspräsidentschaft gesetzt. Was das allerdings konkret bedeutet, konnte das Gesundheitsministerium auf Frontal21-Nachfrage noch nicht beantworten.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um Ihnen ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier können Sie mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.