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Führende Wirtschaftsforscher - Konjunktur-Herbst im Frühjahr

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Die fünf wichtigsten Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihr Frühjahrsgutachten vorgelegt. Die Wirtschaft soll stärker wachsen als bisher gedacht - doch die Luft wird dünner.

Volkswirte: Die Konjunktur brummt weiter.
Experten: Die deutsche Konjunktur brummt weiter (Archivbild).
Quelle: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Der Titel trifft die Sache ganz gut: "Deutsche Wirtschaft im Boom – Luft wird dünner". Das Gutachten der fünf führenden Wirtschaftsforschungsinstitute hat im Kern zwei Botschaften. Zum einen läuft bekanntlich der Konjunkturmotor auf Hochtouren. Die Auslastung in den Fabriken ist hoch, die Auftragsbücher voll und die Arbeitslosigkeit ist laut Statistik vergleichsweise gering: Im März fiel die Zahl der Arbeitslosen unter 2,5 Millionen Menschen und damit auf den tiefsten Stand seit der Wiedervereinigung.

Die Grenzen des Wachstums

Das alles hat die Wirtschaftsforscher dazu bewogen, ihre Wachstumsprognose auf 2,2 Prozent hochzusetzen. Im Herbstgutachten lag die Prognose noch bei zwei Prozent. Für das kommende Jahr prognostizieren die Institute statt 1,8 Prozent nun ein Wachstum von zwei Prozent. Vor allem die deutsche Exportwirtschaft brummt - sie profitiert von der ebenfalls gut laufenden Weltwirtschaft und steigender Nachfrage in vielen Regionen der Welt. Der private Konsum hierzulande stützt die Konjunktur zusätzlich - und in zunehmendem Maß.

Andererseits folgt auf einen Boom in wirtschaftlicher Hinsicht früher oder später auch immer eine Phase des Abschwungs - für weitere Höhenfahrten aber wird es eng. Denn die Kapazitätsauslastung ist hoch, will heißen: Fabriken und produzierende Gewerbe können die Produktion nur noch begrenzt steigern, weil die maximale Auslastung bald erreicht ist. "Die Luft wird dünner, da die noch verfügbaren gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten knapper werden", fasst Timo Wollershäuser das Ergebnis des Gutachtens zusammen. Er ist Leiter der Konjunkturforschung beim federführenden Ifo-Instituts in München.

Einnahmen des Staates sprudeln voraussichtlich weiter

Der Fachkräftemangel ist ein weiterer Faktor, der mittlerweile das Wachstum begrenzt. So hat das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) jüngst eine Studie präsentiert, wonach der Fachkräftemangel die Wirtschaftsleistung des Landes um ein knappes Prozent drückt. Vor dem Hintergrund, dass die Bäume – bildlich gesprochen – nicht in den Himmel wachsen, mahnen die Forschungsinstitute in Richtung Bundesregierung, bei geplanten wirtschaftspolitischen Maßnahmen die Nachhaltigkeit im Auge zu behalten.

Vorerst aber können sich Staat und Regierung freuen. Denn nach den Berechnungen und Prognosen der Wirtschaftsforscher werden die Steuereinnahmen dank der boomenden Wirtschaft weiter sprudeln. Obwohl die Regierung plant, die Abgaben der Bürger in manchen Bereichen zu reduzieren; und obwohl in bestimmten Bereichen mehr Ausgaben auf die Staatskasse zukommen, soll der Finanzierungsüberschuss des Staates fast 38 Milliarden Euro in diesem Jahr betragen; im kommenden Jahr immerhin noch fast 35 Milliarden Euro.

Wirtschaftliche Risiken voraus

Auch für den Arbeitsmarkt ist die Hochkonjunktur erfreulich. Hier rechnen die Institute mit einem weiteren Rückgang der Arbeitslosigkeit in den kommenden zwei Jahren und einem Anstieg bei der Beschäftigung.

Ob das aber alles so kommen wird - das ist die Frage, an der sich so manche Geister mittlerweile scheiden. Einig sind sich fast alle Ökonomen, dass wir uns in einer wirtschaftlichen Boom-Phase befinden. Die Frage ist nur, wie lange die noch anhält. So hat ein Barometer des Institutes für Makroökonomie und Konjunkturforschung jüngst ergeben, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Rezession - also einen wirtschaftlichen Abschwung - im März sprunghaft angestiegen ist.

IWF verortet auch Risiken

Auch der IWF rechnet zwar mit einem weiteren Anwachsen der Weltwirtschaft. Er verortet aber auch Risiken insbesondere in den USA: Dort steigen die Zinsen, die Verschuldung ist auf neue Rekorde geklettert und der Mann im Weißen Haus könnte mit seiner Handelspolitik den Welthandel empfindlich stören.

Mittelfristig rechnet der IWF damit, dass das Wachstum der Weltkonjunktur abebben könnte. Davon kündet nun auch das Frühjahrsgutachten hierzulande. Die deutsche Wirtschaft boomt - doch die Luft wird dünner, oder:  Es kündigt sich ein konjunktureller Herbst an im diesjährigen Frühjahrsgutachten.

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