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Mächtiger Drogenboss vor Gericht - Fünf Fakten über den Prozess gegen "El Chapo"

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Joaquín Guzmán gilt als mächtigster Drogenboss der Welt. Seit Monaten sitzt er in einem New Yorker Hochsicherheits-Gefängnis. Heute startet der Prozess gegen ihn.

1. Wer "El Chapo" ist

Joaquin "El Chapo" Guzman (Archivbild, 22. Februar 2014)
Joaquín Guzmán, genannt "El Chapo", nach seiner Festnahme in Mexiko im Februar 2014.
Quelle: ap

Joaquín Guzmán Loera, genannt "El Chapo", stammt aus Mexiko und blickt auf eine fast 30-jährige Karriere im Drogengeschäft zurück. Für die amerikanischen Behörden ist er der weltweit einflussreichste Drogenboss. Guzmán ist der mutmaßliche Kopf des Sinaloa-Klans, einem der mächtigsten Verbrecherkartelle der Welt. Seine Mitglieder sind in Geldwäsche, Schmuggel, Korruption und Drogenhandel mit Crystal Meth, Kokain und Heroin verstrickt.

Der Spitzname "El Chapo" bedeudet "der Kleine" – Guzmán misst nämlich kaum 1,68 Meter. Geboren wurde Guzmán in einem kleinen mexikanischen Dorf. In einem umstrittenen Interview erzählte er dem Hollywood-Schauspieler Sean Penn, dass er auf einer Farm aufwuchs. Seine Familie sei so arm gewesen, dass er als Kind Orangen und Softdrinks verkaufen musste.

Joaquin Guzman alias El Chapo - Portrait zur Identitätsüberprüfung (2014)
Ist das "El Chapo"? Um ganz sicher zu sein, zogen die Behörden in Mexiko nach dessen Verhaftung im Jahr 2014 mehrere wissenschaftliche Tests heran. So sollte dessen Identität bestätigt werden.
Quelle: imago

Ansonsten gibt es wenige bestätigte Informationen über "El Chapo". Er soll 63 oder 61 Jahre alt sein, die Angaben der Behörden widersprechen sich. Mehrmals war er verheiratet, soll ein Dutzend Kinder haben. Sicher dagegen ist: Guzmán ist extrem gefährlich. 2014 brüstete er sich damit, 2.000 bis 3.000 Menschen getötet zu haben. Schon zweimal ist ihm die Flucht aus mexikanischen Gefängnissen gelungen.

2. Was ihm vorgeworfen wird

Guzmáns Anklage umfasst 17 Punkte. Alle aufgeführten Fälle haben laut dem federführenden Gericht in New York mit dem Schmuggel von Betäubungsmitteln zu tun. Im ersten Punkt der Anklage wird ihm vorgeworfen, als Boss des Sinaloa-Kartells international im Drogengeschäft zu agieren. Allein darauf steht eine lebenslange Haftstrafe.

In weiteren Punkten geht es etwa um Mord, den Gebrauch von Schusswaffen während mutmaßlicher Drogengeschäfte und um Geldwäsche.

Anklagen gegen Guzmán sind übrigens nicht nur in New York, sondern auch an weiteren Gerichten im ganzen Land anhängig, zum Beispiel in Kalifornien, Illinois und Texas.

3. Warum der Drogenboss in New York vor Gericht steht

Joaquin Guzman alias El Chapo, begleitet von Polizeibeamten, am Flughafen
Joaquín "El Chapo" Guzmán wurde im Januar 2017 überraschend an die USA ausgeliefert. Er wurde per Flugzeug von der mexikanischen Stadt Ciudad Juárez nach New York gebracht.
Quelle: AP

Guzmán muss sich keineswegs das erste Mal vor Gericht verantworten. In Mexiko wurde er mehrfach verurteilt. Weil er durch den internationalen Handel mit Drogen aber auch gegen mehrere US-Gesetze verstoßen haben soll, wird ihm nun in den Vereinigten Staaten der Prozess gemacht. Am 19. Januar 2017, dem letzten Amtstag des damaligen US-Präsidenten Barack Obama, wurde Guzmán an die USA ausgeliefert. Seitdem sitzt er dort laut einem seiner Anwälte in Isolationshaft.

Dass der Prozess in New York stattfindet, ist laut Gerichtsunterlagen zufällig und hat damit zu tun, dass sich dort das Gefängnis befindet, in dem Guzmán einsitzt. Es gilt als einzige Einrichtung, die den Drogenboss sicher verwahren kann.

Fluchtmotorrad in Tunnel (2015)
Rückblick auf eine spektakuläre Flucht aus dem Gefängnis im Jahr 2015: "El Chapo" floh durch einen professionell gebauten Tunnel aus dem Hochsicherheitsgefängnis El Altiplano. In dem Tunnel fuhr er mit einem umfunktionierten Motorrad.
Quelle: imago
Archiv: Ein Polizist steht in der Nähe des Hauses, in dem sich angeblich der Tunnelabschluss befindet, in dem Joaquin El Chapo Guzman am 12. Juli 2015 aus dem Gefängnis entkommen ist
In diesem Rohbau endete vermutlich die Flucht. Er steht unweit des Gefängnisgeländes. (Archivbild)
Quelle: imago/Xinhua
Joaquin Guzman alias El Chapo - Fluchttunnel (2015)
Das Gebäude sorgte damals dafür, dass die Erbauer des Fluchttunnels nicht entdeckt wurden, wie die Behörden später herausfanden.
Quelle: imago

4. Warum die Jury anonym bleiben will

Guzmán gilt als äußerst brutal. Deshalb haben die US-Behörden im Vorfeld viel investiert, um die Prozessbeteiligten – vor allem die Zeugen – zu schützen.

Die Geschworenen der Jury, die das amerikanische Rechtssystem vorsieht, werden nicht wie sonst in einer öffentlichen Anhörung ernannt. Zu groß die Gefahr, dass sich später Guzmán oder jemand aus seinem Umfeld rächen will.

Journalisten sind beim Prozess nicht generell zugelassen. Nur eine kleine Anzahl an Medienvertretern darf die Ernennung der Jurymitglieder im Gerichtssaal verfolgen. Außerdem können potentielle Jurymitglieder eine vertrauliche Unterhaltung mit dem Vorsitzenden Richter beantragen. Dieser hat überdies angeordnet, dass in den Gerichtsprotokollen alle Stellen geschwärzt werden müssen, die Rückschlüsse auf die Geschworenen zulassen.

5. Wie der Prozess ablaufen wird

In den ersten Prozesstagen wird Guzmán noch nicht persönlich auf der Anklagebank sitzen. Erst nachdem die Jury gewählt wurde, startet die eigentliche Anhörung. Laut Gericht soll das vermutlich ab dem 13. November passieren. Dann beginnen Staatsanwaltschaft und Verteidigung mit ihren Eröffnungs-Statements. Der vorsitzende Richter, Brian Cogan, hat bereits angekündigt, dass das Verfahren bis zu vier Monate dauern kann.

US Courthouse in Brooklyn, New York
Unter hohen Sicherheitsvorkehrungen wird vermutlich ab dem 13. November die eigentliche Anhörung im Prozess gegen "El Chapo" beginnen.
Quelle: imago

Während des gesamten Verfahrens werden die Sicherheitsvorkehrungen so hoch wie selten sein. Wenn der Drogenboss ab Mitte November zu den Verhandlungen in das Gerichtsgebäude nach Brooklyn eskortiert wird, sperren die Behörden sogar die Brooklyn Bridge.

Guzmán selbst hat schon mal auf "nicht schuldig" plädiert. Seine Frau wird vermutlich mit im Gerichtssaal sitzen und den Prozess verfolgen.

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