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Fünf Jahre WhatsApp bei Facebook - Was von den Versprechen übrig bleibt

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Heute vor fünf Jahren hat Facebook-Gründer Mark Zuckerberg den Kauf des Messenger-Dienstes WhatsApp verkündet. Die wichtigsten Zusagen von damals gelten heute nicht mehr.

Archiv: Die Apps verschiedener Sozialer Netzwerke werden auf einem Smartphone angezeigt, aufgenommen am 03.01.2018.
Social Media Apps auf einem Smartphone (Symbolbild)
Quelle: dpa

Am 19. Februar 2014 kündigte Mark Zuckerberg seinen bis dahin teuersten Zukauf in der Geschichte des Online-Netzwerks Facebook an: Für letztlich fast 22 Milliarden US-Dollar kaufte Facebook den Messenger-Dienst WhatsApp. Das Geschäft galt als der größte Deal in der Internet-Branche im vergangenen Jahrzehnt. Für die WhatsApp-Nutzer werde sich nichts ändern, sicherten Zuckerberg und die WhatsApp-Gründer Brian Acton und Jan Koum damals zu. Doch wie steht es um die großen Versprechen an die Nutzer? Damals hatten Facebook und WhatsApp versprochen:

  • Es soll keinen Datenaustausch zwischen WhatsApp und Facebook geben
  • WhatsApp soll weiterhin unabhängig bleiben
  • Im Messengerdienst werde es keine Werbung geben

Datenaustausch zwischen den Netzwerken

US-Staatsfonds wollen die Ablösung von Mark Zuckerberg.
"Kein Datenaustausch" - das hatte Zuckerberg 2014 versprochen. Heute ist davon wenig geblieben (Archivbild)
Quelle: Marcio Jose Sanchez/AP/dpa

"WhatsApp wird uns dabei helfen, unsere Mission zu erfüllen, die ganze Welt zu vernetzen", hatte Zuckerberg bei der Verkündung des WhatsApp-Kaufs 2014 gesagt. WhatsApp betonte zwar, möglichst wenig Daten über seine Nutzer zu sammeln und auch Zuckerberg versicherte 2014, es werde keinen Datenaustausch zwischen WhatsApp und Facebook geben.

Zwei Jahre später aber änderte WhatsApp seine Nutzungsbedinungen, um Informationen wie die Telefonnummer oder das Nutzungverhalten der User mit Facebook teilen zu können. Nach dem Einschreiten von Datenschützern 2016 setzten die beiden Unternehmen ihren Datenaustausch zumindest in Europa wieder aus. Seit 2018 allerdings fließen die Daten wieder. Auch Informationen von Nutzern, die keinen Facebook-Account haben, werden nun an Zuckerbergs Online-Netzwerk weitergegeben.

2019: Facebook will WhatsApp und Messenger vernetzen

Im Januar 2019 wurde zudem bekannt, dass Facebook seine Chat-Dienste wie WhatsApp und Messenger im Hintergrund zusammenlegen will. Das Unternehmen bestätigte bisher nur, mehr seiner Messaging-Dienste mit der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung auszustatten, bei der nur die Gesprächspartner Zugang zum Inhalt einer Unterhaltung haben. Kritiker vermuten allerdings, dass Facebook auf diesem Wege mehr Nutzerdaten beschaffen will. "Facebook weiß sehr genau, dass das Entscheidende die Verbindungsdaten sind. Nämlich zu wissen: Wer kommuniziert mit wem, wann und wo? Aus diesen Daten kann man viel mehr darauf schließen, wo jemand morgen mit wem kommunizieren wird, als wenn man auch noch die ganzen Inhalte mitlesen müsste", sagt Markus Beckedahl, Chefredakteur von netzpolitik.org.

Bundeskartellamt geht gegen Facebook vor

Doch mit diesem Plan kommt Facebook hierzulande nicht weit. Das Bundeskartellamt schränkte Anfang Februar 2019 die Sammlung von Nutzerdaten durch Facebook in Deutschland massiv ein. Das Unternehmen missbrauche seine marktbeherrschende Stellung, um Nutzerdaten aus Drittquellen wie WhatsApp zu sammeln, hatte Kartellamtschef Andreas Mundt gesagt. Nach der Entscheidung des Kartellamts, die jedoch noch nicht rechtskräftig ist, darf das Online-Netzwerk Daten seiner Dienste nur noch mit dem Facebook-Konto des Nutzers verknüpfen, wenn dieser es ausdrücklich erlaubt hat.

"Das Kartellrechts-Verfahren ist ein sehr wichtiger und großer Schritt, weil zum ersten Mal eine deutsche Behörde Facebook gesagt hat: 'So, wie ihr das bisher macht, könnt ihr das nicht weiter machen'", so Dirk Hensel, Pressesprecher des Bundesdatenschutzbeauftragten Ulrich Kelber. Doch für Facebook ist der Prozess noch nicht vorbei: Das Unternehmen kritisierte die Entscheidung des Kartellamts vergangene Woche und legte vor dem Oberlandesgericht Düsseldof Beschwerde gegen die Wettbewerbshüter ein.

Autonomie für WhatsApp

Das Versprechen zum Datenschutz ist nicht das einzige, das Facebook nicht eingehalten hat. Nutzern und Mitarbeitern von WhatsApp sicherte Zuckerberg beim Kauf des Messenger-Dienstes zu, Whatsapp werde auch weiterhin unabhängig bleiben. Auch die Whatsapp-Gründer Brian Acton und Jan Koum erklärten ihre Autonomie innerhalb der Facebook-Unternehmen.

Die Geschichte von Facebook besteht daraus, große Versprechungen zu machen, die hinterher wieder gebrochen werden.
Markus Beckedahl, Chefredakteur netzpolitik.org

Doch 2018 verließen beide Gründer Facebook. Der Grund: Brian Acton zufolge sei bei der Übernahme neben weitreichender Autonomie zugesagt worden, dass es fünf Jahre lang keinen Druck auf WhatsApp geben werde, Geld zu verdienen. Allerdings habe Facebook schon nach wenigen Jahren unter anderem vorgeschlagen, Werbung in der Status-Anzeige der Nutzer zu platzieren. Das sei bei den WhatsApp-Gründern auf heftigen Widerstand gestoßen. "Die Geschichte von Facebook besteht daraus, große Versprechungen zu machen, die hinterher wieder gebrochen werden. Das ist 'Ausnahmen bestätigen die Regel', wenn's mal anders läuft", erklärt Markus Beckedahl.

Wird WhatsApp werbefrei bleiben?

Heute ist klar: mit der Übernahme von WhatsApp durch Facebook endete das Experiment eines Kommunikationsdienstes, der nicht auf Nutzerdaten aus war und sich nicht durch Werbung finanzierte. Bisher gibt es zwar noch keine Werbung auf WhatsApp. Kritiker gehen allerdings davon aus, dass sich dies auch noch ändern wird.

"Ich kann mir nicht vorstellen, dass das börsennotierte Unternehmen Facebook nicht alle Möglichkeiten nutzen wird, die Monopolstellung von WhatsApp ausreichend zu monetisieren. Und Werbung ist da sicherlich für das Werbeunternehmen Facebook die erste Wahl gegenüber anderen Refinanzierungsmöglichkeiten", so Markus Beckedahl.

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