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Warhol für Teenager - 15 Minuten Ruhm mit TikTok

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TikTok gilt - noch - als Teenager-Geheimtipp. Die Plattform wächst schnell. Mehr als 700 Millionen weltweit nutzen das Musikvideo-Netzwerk. Doch es gibt auch Schattenseiten.

Tik Tok
Noch ein Geheimtipp: Tik Tok
Quelle: picture alliance/dpa

Der US-Künstler Andy Warhol hätte an unserem Jahrzehnt seine wahre Freude gehabt. Seine Prophezeiung, dass "jeder für 15 Minuten weltberühmt werden kann", ist längst Realität geworden. Das fasziniert vor allem Teenager, von denen so mancher träumt, einen erfolgreichen Social-Media-Kanal zu betreiben oder als Influencer durch die Welt zu jetten. Die Währung, die in ihren Kreisen zählt, heißt Aufmerksamkeit - und das nicht nur bei realen Freunden, sondern eben auch in den sozialen Netzwerken in Form von Likes, Followern und Views. Und das Smartphone ist dabei der Schlüssel zur Welt.

Ihr neuester Treffpunkt heißt TikTok. In Asien hat das Videonetzwerk (dort "Douyin") seit seinem Start 2016 einen respektablen Siegeszug hingelegt. Es ist die sich am schnellsten ausbreitende mobile App der Welt, besitzt die größte Playbackvideo-Community und ist bereits auf 14 Prozent aller chinesischen Smartphones installiert.

Die nächste Influencer-Generation singt sich schon mal warm

TikTok setzt auf die Verbindung von Musik und Selbstinszenierung. Die Nutzer wählen ihren Lieblingssong und performen dazu vor der Handykamera. Die Zielgruppe: Die Freunde, vornehmlich unter 15 Jahren. Die Mission: In Sachen Coolness zu punkten. Die Methode: singen, tanzen, sich in Szene setzen - egal wie. Die meisten Videos sind eher schlichter Natur, doch einige Nutzer geben sich richtig Mühe. Ihre Werke sind fast schon professionell aufgemacht, mit Videoeffekten versehen, mit Green-Screens im "Matrix"-Stil produziert. Auch Deutsche gehören zu den Stars: Bekannt sind vor allem die Zwillinge Lisa und Lena, die auf TikTok die Pop-Charts nachsingen.

Doch warum braucht die Welt eine weitere Videoplattform? Gibt’s da nicht schon Snapchat, Instagram und vor allem YouTube? Natürlich, aber auf YouTube wird es immer schwerer für Neueinsteiger, sich einen Namen zu machen. Seit YouTube die Latte für Werbung deutlich höher gehängt hat, ist auch die Refinanzierung durch Werbung für Einsteiger unerreichbar. Da kommt eine neue Plattform gerade recht, auf der noch niemand etabliert ist.

Wer TikTok nutzt, gibt viel von sich preis

Die meisten Videos sind herzlich unbedenklich, doch es gibt auch problematische Aspekte. Denn die App hat eine Geschichte: Im Sommer 2018 schluckte TikToks Mutterfirma Bytedance die Mitsing-App Musical.ly. Denn Musical.ly hatte ein gravierendes Image-Problem: Weil Teenager von Followern ermuntert wurden, mehr nackte Haut zu zeigen, um mehr Likes zu bekommen, war Musical.ly schnell als Pädophilen- und Mobbing-Plattform verschrien. TikTok versucht, mit automatisch greifenden Algorithmen gegenzusteuern.

Problematisch ist auch, dass sich der chinesische Betreiber Bytedance üppig bei den Daten seiner Nutzer bedient. Die App kennt die Mailadresse, greift auf Fotos zu, analysiert das Social-Media-Verhalten von Facebook und Twitter, kennt die IP-Adresse und die eindeutige Handy-Gerätekennung IMEI und überträgt Nutzerdaten an andere Unternehmen, darunter an Facebook, Google, Instagram und Twitter. Außerhalb von Europa nimmt sich die App heraus, Videos für Werbung zu nutzen, ohne die minderjährigen Nutzer zu informieren. Sprich: Theoretisch kann Bytedance mit den Videos Millionen machen, ohne dass seine Nutzer einen Cent dafür abbekommen. Und das alles für ein paar Likes.

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