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Vor EU-Ratspräsidentschaft - Estlands Angst vor Hackerattacken

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Ab Samstag übernimmt Estland den EU-Ratsvorsitz, heute will eine Delegation aus Brüssel die Themen abstimmen. Klar ist aber jetzt schon: Den Esten wird es vor allem um die Bekämpfung von Cyberkriminalität gehen. Aus gutem Grund.

Wieder gibt es eine massive Cyberattacke von Hackern. Insbesondere große Konzerne in der Ukraine und in Russland sind betroffen. Und auch deutsche Unternehmen.

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Vor genau zehn Jahren legte ein Cyberangriff das ganze Land lahm: Hackerangriffe auf Bankverkehr und Regierungsarbeit, Parlament und Onlinebestellsysteme verursachten 2007 großen Schaden in Estland. Eine Jugendorganisation, die dem Kreml nahe steht, bekannte sich damals zu dieser Attacke. Ausgerechnet aus Russland also kam der Angriff, dem ehemaligen Besatzer, der für die Esten die ewige Bedrohung aus dem Osten darstellt.

Digitalisierung als zentrales Thema

Im Juli übernimmt Estland nun die EU-Ratspräsidentschaft und hat sich die Digitalisierung als zentrales Thema auf die Fahnen geschrieben. Die freie Bewegung von Daten ist ein besonderer Schwerpunkt. Und wieder ist das kleine Land Vorreiter: Vergangene Woche hat Estland seine erste sogenannte digitale Botschaft in Luxemburg eröffnet und bewahrt Daten auf Servern in Luxemburg auf, als lang geplante Vorbeugungsmaßnahme, damit der Staat jederzeit auch virtuell existieren kann.

Während der EU-Präsidentschaft geht es Estland um Datensicherheit, um seine generelle Infotechnikaffinität und natürlich auch um ein Stück Wirtschaftskraft. Die Esten haben Skype, Transferwise und Starship erfunden. Schüler unterrichten Senioren, damit auch die fit im Netz unterwegs sind. Erstklässler haben als Fach Programmieren auf dem Stundenplan. Jeder Bürger hat ein Grundrecht auf Internetzugang, die Regierung arbeitet papierlos, gewählt wird online und freies Internet im öffentlichen Raum ist eine Selbstverständlichkeit.

Eine freiwillige Cyber-Einheit soll vor russischen Angriffen schützen

Das estnische Erfolgsrezept soll mit Hilfe der Ratspräsidentschaft Europa erobern. Die Verantwortlichen kämpfen aber mit einem großen Unbekannten: Russland. Seit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine und der Annexion der Krim warnen vor allem die Balten vor Machtansprüchen aus Moskau und der Westen hilft: neben Solidaritätsbekundungen wurden die Osteuropäer jüngst militärische aufgerüstet.

Russland zeigt sich mehr als nur verärgert. Die Reaktion: Säbelrasseln an Russlands Westflanke, regelmäßig militärische Übungen, festgenommene Agenten und gegenseitige Beschuldigungen stehen auf der Tagesordnung zwischen Osteuropa und Russland.

Und dann eben die Bedrohung Cyberangriffe. Allerdings hat sich Estland seit 2007 daran gewöhnt und Abwehr ist zur Routine geworden. Seit 2014 hat der freiwillige Verteidigungsverband Kaitseliit eine Cyber-Einheit angelegt, in der sich IT-Spezialisten in der Freizeit mit Cyberangriffen beschäftigen.

Auch die EU vertraut auf Estlands Expertise

Die Expertise ist da in Estland - es ist sicher kein Zufall, dass die EU ihre IT-Agentur in Tallinn angesiedelt hat, die die Systeme für einen sicheren Datenaustaus koordiniert. Auch das NATO Cyber Defence Center of Excellence, ein Abwehr- und Forschungszentrum, hat seinen Sitz in Tallinn. Zahlreiche Experten, spezielle Abwehrabteilungen, und die Regierung arbeiten mit Hochdruck an der digitalen Absicherung der Ratspräsidentschaft, um einen erneuten möglichen Cyberangriff aus Russland schnell abwehren zu können.

Doch auch WannaCry hat gezeigt, dass mit kleinen Mitteln großes Unheil angerichtet werden kann - allerdings blieb Estland als eines der wenigen Länder von WannaCry unberührt.

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