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Boris Johnson auf Reisen - Für einen Scherz immer zu haben

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Viel rum gekommen ist für den britischen Premierminister Johnson in Berlin und Paris nicht. Trotzdem haben sich seine Besuche gelohnt. Nächster Halt: G7-Gipfel in Biarritz.

Johnson will den Brexit mit Merkel nachverhandeln
Boris Johnson war Anfang der Woche zu Besuch in Berlin bei Angela Merkel.
Quelle: reuters

Zugegeben, der mit dem "Wir schaffen das!" in Anspielung auf Angela Merkels berühmte Worte während der Flüchtlingskrise war gut. Aber Humor ist ja auch tatsächlich die große Stärke des britischen Premierministers Boris Johnson.

Wie lustig die Bundeskanzlerin das fand, war in ihrem Gesicht wie so oft schwer abzulesen. Jedenfalls revanchierte sie sich mit einem verschmitzten Ultimatum für Johnson, innerhalb von 30 Tagen eine Lösung für das leidige Backstop-Problem zur Verhinderung einer harten Grenze zwischen Irland und Nordirland im Zuge des Brexit zu präsentieren. Der nahm den Ball freudig auf. Nur, dass auf einmal das, was in zweieinhalb Jahren nicht geklappt hat, nun in einem Monat gelingen soll, glaubt Johnson wahrscheinlich nicht einmal selbst.

Das Auffälligste bei Johnsons Besuch in Paris am darauffolgenden Tag war die Länge des Händedrucks mit dem französischen Präsidenten. Emmanuel Macron drückt gerne mal feste zu. Aber auch darauf hatte sich Johnson - wie auch auf den kleinen Scherz mit Merkel - bestens vorbereitet.

Johnsons Besuche haben sich gelohnt

Mehr war auf dem Kurztrip nach Berlin und Paris in Sachen Neuverhandlung des Austrittsabkommens nicht zu holen. Aber das hatte auch niemand wirklich ernsthaft erwartet. Dennoch hat sich der Ausflug für Johnson gelohnt.

Die ersten Wochen seiner Amtszeit hatte der Premier damit verbracht, durchs Königreich zu reisen und Geld zu verteilen. Er versprach den Menschen mehr Polizeibeamte auf den Straßen, ein besseres Gesundheitswesen und zukunftsträchtige Infrastrukturprojekte. Woher er die Finanzmittel hierfür nehmen will, bleibt weitgehend unklar. Er macht Wahlversprechen. Denn auf Neuwahlen steuert das Land zu, falls jene deutliche Mehrheit im britischen Unterhaus, die gegen einen EU-Austritt ohne Abkommen ist, ihre Drohung wahr macht, Johnsons harten Brexit-Kurs vor dem 31. Oktober zu stoppen. Einfach ist das nicht, aber auch nicht unmöglich.

Außenpolitisch musste Johnson nun aber auch ein Zeichen setzen. Mit seinen Besuchen in Deutschland und Frankreich wollte er demonstrieren, dass er mit seinen europäischen Partnern im Gespräch bleiben will. Diese signalisierten ebenfalls Gesprächsbereitschaft. Niemand will schließlich am Ende dafür verantwortlich gemacht werden, wenn es zu einem harten, ungeregelten Brexit ohne Abkommen kommt.

Auf dem Weg zum G7-Gipfel

Nun also der G7-Gipfel in Biarritz. Mit im Gepäck hat Boris Johnson die Gewissheit, dass seine ersten beiden Auslandsauftritte ohne diplomatische Panne über die Bühne gingen. Das war während seiner Amtszeit als Außenminister des öfteren noch anders gewesen.

Wie Johnson beim Gipfel auftreten wird, ist schwer zu sagen. Wird er in diesen angespannten Zeiten versuchen, den Vermittler zwischen den USA und den europäischen Mächten zu spielen - eine Rolle, die Großbritannien in der Vergangenheit schon mehrfach gerne übernommen hat? Oder sucht der britische Premier unverhohlen den Schulterschluss mit Donald Trump unter dem Motto: zwei Blonde und ein Handelsvertrag? Hier könnte es interessant werden in Biarritz. Ein paar gelungene Scherze nicht ausgeschlossen.

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