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LTE-Versorgung in Deutschland - Das späte Stopfen der Funklöcher

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Verkehrsminister Scheuer kündigt eine "Gesamtstrategie Mobilfunkausbau" an, um Funklöcher auf dem Land zu stopfen. Gute Idee, so der Verband Bitkom - bloß zehn Jahre zu spät.

Mobilfunkmasten bei Füssen im Allgäu
Mobilfunkmasten bei Füssen im Allgäu
Quelle: imago

Wenn Dietmar Bartsch in ländlichen Gegenden unterwegs ist und wissen möchte, wie es gerade bei seinem Lieblingsverein Union Berlin steht, kann er häufig Pech haben - nicht wegen des Ergebnisses, sondern weil gerade mal wieder kein Empfang ist. "Wir sind in dieser Hinsicht Entwicklungsland", schimpft der Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag. "Wenn in Tausenden Kommunen Deutschlands kein flächendeckender LTE-Empfang und kein schnelles Internet verfügbar ist, ist das Ausweis eines Totalversagens der Bundesregierung im Bereich der Digitalisierung." Bartsch hatte hierzu eine Anfrage an die Bundesregierung gestellt und hält die Ergebnisse für einen Offenbarungseid.

Tausende Gemeinden ohne gute Versorgung

Mehr als 4.500 Gemeinden in Deutschland seien nach wie vor ohne flächendeckende LTE-Versorgung, räumte Scheuers Verkehrsministerium ein, das auch für die digitale Infrastruktur zuständig ist. Mit Ausnahme der Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen sind alle Bundesländer betroffen: in Baden-Württemberg etwa jede vierte Gemeinde, in Hessen und Thüringen sogar mehr als jede zweite.

So sieht die LTE-Versorgung in Ihrem Bundesland aus:

Infografik: LTE-Versorgung
Anteil der Gemeinden ohne eine flächendeckende LTE-Versorgung (Verfügbarkeit unter 95 Prozent).

Minister Andreas Scheuer, hieß es hierzu aus seinem Haus, erarbeite derzeit eine "Gesamtstrategie Mobilfunkausbau", die über die bisher vereinbarten Versorgungsauflagen und Zusagen der Mobilfunkanbieter für eine flächendeckende Mobilfunkabdeckung hinausgingen. Sein Maßnahmenpaket solle in den nächsten Wochen in die Ressortabstimmung gehen. Im Fokus der Strategie stehe die Schließung verbleibender weißer Flecken - sprich eine Art Erstversorgung jener Gebiete, in denen es derzeit noch gar keinen mobilen Internetempfang gibt.

Bitkom: Regierung hat gebremst

Dazu sollen unter anderem Genehmigungs- und Ausbauprozesse beschleunigt sowie öffentliche Liegenschaften und Infrastrukturen genutzt werden. So seien bereits 17.000 Liegenschaften des Bundes, 5.000 der Sicherheitsbehörden und 120.000 Flurstücke der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung identifiziert worden, die den Netzbetreibern zu deutlich günstigeren Mietkonditionen angeboten werden sollen, so das Ministerium. Zudem wolle man in der Bevölkerung für mehr Akzeptanz beim Mobilfunkausbau werben.

Dies alles gehe in die richtige Richtung, sagt Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Digitalwirtschaftsverbands Bitkom - bloß habe die Regierung nicht nur viel Zeit verschlafen, sondern den Prozess sogar selbst gebremst: "Die neue Mobilfunkstrategie ist genau richtig, aber sie kommt zehn Jahre zu spät", so Rohleder.

Mittel sollen fließen - zu spät?

Wenn die Regierung flächendeckenden Empfang haben wolle, müsse sie das entsprechend fördern. "Was jahrelang passierte, war das Gegenteil", so Rohleder: Die für den Ausbau zuständigen Unternehmen seien über Jahre massiv zur Kasse gebeten worden: "Sie haben Milliardenbeträge - 65 Milliarden Euro - für Frequenzen ausgeben müssen, um Mobilfunk anbieten zu können. Damit haben wir aber keinen einzigen Funkmast. Und die Mittel, die für Frequenzen ausgegeben wurden, die fehlen für den Ausbau der Netze."

Nun endlich sollen sie fließen, spät - zu spät? Die Verzögerung hinterlasse bleibenden Schaden, kritisiert Bartsch: "Wir reden nicht über Zukunftstechnologie, sondern über einen Mobilfunkstandard, der seit Jahren flächendeckend vorhanden sein müsste", so der Linken-Fraktionschef.  "Wir reden hier nicht über 5G, sondern LTE" - was, bezogen auf die Geschwindigkeit des mobilen Internets, gleichbedeutend mit 4G ist. So drohe Deutschland seine Zukunftsfähigkeit zu verspielen, sagt Bartsch, denn "so kann wirtschaftliche Entwicklung über die Metropolen hinaus nicht stattfinden."

Immerhin: Wenn Bartsch an diesem Samstagabend den Spielstand von Union Berlin wissen will, wird er wohl nicht auf Empfang seines Handys angewiesen sein. Er wollte selbst ins Stadion gehen, ganz analog.

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