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Streit um "Fusion"-Festival - "Wir sehen keinen Grund für anlasslose Streifen"

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Darf die Polizei eigene Wachen auf dem Gelände des linksalternativen Kulturfestivals "Fusion" in Mecklenburg-Vorpommern einrichten? Darum ist ein heftiger Streit entbrannt.

Feiernde Menschen auf dem Fusion-Festival
Das Musik-, Theater- und Kunstfestival gilt als eines der friedlichsten Festivals.
Quelle: imago
Wir sehen keinen Grund für anlasslose Streifen auf unserem Gelände.
Martin Eulenhaupt, Vorstand "Kulturkosmos"

Veranstalter Martin Eulenhaupt ist in Rage: "Wir sehen keinen Grund für anlasslose Streifen auf unserem Gelände." Seit 20 Jahren findet in auf einem Ex-Militärflugplatz in Lärz etwa 80 Kilometer nördlich von Berlin das "Fusion"-Festival statt. 70.000 Besucher feiern hier mittlerweile jährlich. Aber wegen des heftigen Streits um das Sicherheitskonzept steht die Veranstaltung dieses Jahr auf der Kippe.

Das Musik-, Theater- und Kunstfestival in Mecklenburg-Vorpommern gilt als eines der friedlichsten Festivals. Mobile Polizeistationen, wie auf einigen anderen Festivals, gibt es hier keine. "Wenn etwas war, haben wir die Polizei gerufen", sagt Eulenhaupt, Vorstand des Vereins "Kulturkosmos", der das Festival in Lärz organisiert. "Die kamen in Zivil und haben ihre Arbeit gemacht. Das hat bisher alles geklappt."

Polizeipräsident hat Zweifel an Sicherheitskonzept

Neubrandenburgs Polizeipräsident Nils Hoffmann-Ritterbusch sieht das nicht so: Er fordert eine Polizeiwache auf dem Gelände und Polizei-Streifen. Der Polizeipräsident äußert auf einer Pressekonferenz Zweifel am Sicherheitskonzept der Veranstalter: "Wenn wir diese Defizite feststellen, was sollen wir tun? Weggucken?"

  • Martin Eulenhaupt

    Vorstand "Kulturkosmos"

  • Nils Hoffmann-Ritterbusch

    Leitender Polizeidirektor Neubrandenburg

Freier Zugang zum Gelände für Polizei und Rettungskräfte seien notwendig, etwa bei möglichen Anschlägen oder anderen Straftaten. Die Polizei beruft sich auf eine neue Versammlungsordnung und bundesweite Sicherheitsstandards. "Wir wollen doch nicht in jedes Zelt gucken, alle Taschen kontrollieren oder mit massiver Polizeipräsenz das Kulturerlebnis stören."

Wir wollen doch nicht in jedes Zelt gucken, alle Taschen kontrollieren oder mit massiver Polizeipräsenz das Kulturerlebnis stören."
Nils Hoffmann-Ritterbusch, Polizeipräsident Neubrandenburg

Veranstalter fürchtet Großeinsatz der Polizei

Daran hat Veranstalter Eulenhaupt Zweifel. Er befürchtet, dass ein Großeinsatz der Polizei das Festivalerlebnis zerstören könnte: "Ich denke, dass 10.000 Linksalternative es befremdlich finden, wenn hier plötzlich 1.000 Beamte ankommen", sagt Eulenhaupt. "Auf einem seit 20 Jahren friedlichen Festival."

Das Festival habe ein anderes, alternatives Sicherheitskonzept: Ein privater Sicherheitsdienst soll für Ordnung sorgen. Außerdem ein Team aus 10.000 Mitarbeitern und Helfern, die sich mit Diensten ihren Eintritt verdienen können. Darunter auch viele Ordner, die für ihre Aufgaben geschult werden.

Feiernde Menschen auf dem "Fusion"-Festival
Eine Petition gegen die Polizeiwache hat mittlerweile mehr als 113.000 Unterschriften.
Quelle: imago

Vergangene Jahre: "ohne besondere Vorkommnisse"

Insgesamt verlief das Festival aus polizeilicher Sicht weitestgehend störungsfrei.
Pressemitteilung der Polizei

Vor den Eingängen und auf den Straßen war die Polizei schon in den vergangenen Jahren aktiv. 2014 und 2015 steht in den Pressemitteilungen der Polizei zu den Einsätzen: "Insgesamt verlief das Festival aus polizeilicher Sicht weitestgehend störungsfrei." Im Jahr 2016 lief es insgesamt "ruhig und erwartungsgemäß". Auch im vergangenen Jahr ein Festival "ohne besondere Vorkommnisse".

Eine von der Polizei veröffentlichte Statistik zeigt: Anzeigen wegen Gewalttaten sind selten. Häufiger dagegen die Anzeigen wegen Fahrten unter Alkoholeinfluss und wegen Drogenkonsums.

Veranstalter: Diskussion politisch motiviert

Wir kamen öfters nicht rauf aufs Gelände.
Sprecherin Polizeipräsidium Neubrandenburg

"Wir waren nicht konsequent genug in unserem Handeln", sagt eine Sprecherin der Polizei mit Blick auf die vergangenen Jahre. "Wir wissen ja nicht, was auf dem Gelände passiert ist." In der Vergangenheit hätten Polizisten bei Einsätzen teilweise mehr als eine Stunde vor dem Gelände warten müssen: "Wir kamen öfters nicht rauf aufs Gelände." Man sei um einen Kompromiss bemüht. Auf jeden Fall brauche man "jederzeitigen Zutritt zum Gelände".

Martin Eulenhaupt widerspricht: "Wir sehen die Notwendigkeit nicht." Er vermutet, der geplante Polizeieinsatz sei politisch motiviert, um ein Zeichen für mehr Polizeieinsätze ohne konkreten Verdacht zu setzen. Trotzdem ist er zuversichtlich: "Wir glauben, dass wir das liefern können, was wir müssen, damit das Festival stattfindet." Notfalls will der Verein gegen die Entscheidung klagen.

Über 100.000 Unterschriften gegen Polizeiwache

Unterstützung bekommt der Verein um Eulenhaupt auch im Internet: Eine Petition gegen die Polizeiwache hat mittlerweile mehr als 113.000 Unterschriften. "Ich freue mich sehr, dass es ein so bekanntes und beliebtes Festival bei uns in Mecklenburg-Vorpommern gibt", sagt Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). Sie hoffe, dass Veranstalter, Polizei und Behörden sich auf gemeinsame Lösungen für ein Sicherheitskonzept verständigen können.

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Der grüne Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir schrieb auf Twitter: "Das größte unkommerzielle, alternative Kulturfestival Europas muss bleiben!" Die Entscheidung, ob das Festival stattfinden kann, soll das Amt Röbel/Müritz am 16. Mai treffen.

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