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Fanproteste in den Stadien - Lautes Schweigen gegen den Fußball-Kommerz

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Es wird leise in Deutschlands Fußballstadien. Fans haben für den 13. Spieltag in der ersten und zweiten Liga 45-minütiges Schweigen angekündigt. Streitpunkt: Wem gehört das Spiel?

Protest gegen Montagsspiele in Frankfurt
Protest gegen Montagsspiele in Frankfurt
Quelle: dpa

Auslöser der Proteste ist das erste Montagsspiel dieser Saison, das am 3. Dezember der 1. FC Nürnberg auf Bayer Leverkusen bestreiten. Dass die Deutsche Fußball-Liga (DFL) und die Vereine den Anhängern rechtzeitig ein Zückerchen geboten haben, indem sie ab 2021 nicht mehr am von den Zuschauern ungeliebten Montagabend antreten wollen, ändert nichts an der kritischen Haltung der Stadiongänger. "Das ist sicherlich ein erster Schritt in die richtige Richtung, kann uns aber nicht genügen", sagt Rainer Vollmer von der Interessengemeinschaft "Unsere Kurve" gegenüber dem ZDF. Der Fansprecher schiebt nach:"„Es scheint aber so, dass dies jetzt nur angesichts der angekündigten Proteste geschehen ist. Daher trauen wir dem Braten nicht."

Verhärtete Fronten

Das Verhältnis zwischen dem Deutschen Fußball-Bund (DFB), DFL und aktiven Fans gilt als äußerst angespannt. Einfache Parolen wie das immer wieder in den Stadien skandierte und Vereinsfarben übergreifende "Scheiß DFB" bringen zwar sachlich-argumentativ nicht viel, zeugen aber von einer Haltung: Die da oben sind gegen uns da unten.

Schon in der ersten Runde des DFB-Pokals im August gab es daher erste deutliche Unmutsbekundungen aus der Kurve: "DFB, DFL & Co. - Ihr werdet von uns hören!", war auf vielen Bannern zu lesen. Wenige Tage später gab das bundesweite Bündnis "Fanszenen Deutschland" bekannt, den Dialog mit den Verbänden einseitig aufzukündigen.

Spitzentreffen am 10. Dezember

Es folgte eine zweite Protestwelle zum ersten Wochenspieltag der Saison vom 25. bis zum 27. September, als die aktiven Fans in den ersten 20 Minuten der Partien auf den üblichen Support ihrer Mannschaften verzichteten. Nun ist für den 10. Dezember ein Spitzentreffen zwischen Verbands- und Fanvertretern geplant. "Wir sind gespannt, ob und in wie weit man unseren Forderungen dort entgegenkommt", sagt Vollmer.

Die Liste mit brisanten Themen ist lang. Es ist vor allem der seit Jahren immer mehr ausufernde Kommerz im Profifußball, der zu einer Zerplitterung der Spieltage mit fanunfreundlichen Anstoßzeiten am Sonntagmittag oder eben Montagabend geführt hat, bei dem die aktiven Kurvengänger nicht mitmachen wollen. "Uns liegen Themen wie Tradition und Erhalt der Fußballkultur am Herzen. Dass wir den Zug der Vermarktung des Fußballs nicht komplett aufhalten können, ist klar, das wollen wir im Sinne einer sportlich starken Bundesliga auch gar nicht", hebt Vollmer an und führt aus: "Die Rückkehr zu nur zwei Spieltagen am Samstag und Sonntag mit dem Schwerpunkt auf Samstag um 15.30 Uhr ist unser Ziel."

Dauerspagat zwischen Kommerz und Fans

Borussia Dortmund gibt sich gerne als Traditionsverein - auch wenn die Westfalen als erster und bisher einziger deutscher Fußballklub an der Börse gehandelt werden. BVB-Chef Hans-Joachim Watzke befindet sich daher ständig im Spagat zwischen einer erfolgreichen Vermarktung des über 500 Millionen Euro Umsatz generierenden Wirtschaftsunternehmens in Schwarz-Gelb und dem Erhalt guter, alter Werte. "Ohne Montagsspiele werden wir ab 2021 vielleicht ein, zwei Millionen Euro weniger einnehmen. Aber eine größere Einheit mit den Fans ist uns mehr wert", betont "Aki" Watzke daher.

Wie ernst das gemeint ist, wollen die Fanorganisationen beim großen Come Together in zwei Wochen erst einmal sehen."An erster Stelle wünschen wir uns einen fairen Dialog auf Augenhöhe. Da waren beide Seiten, also DFB und DFL sowie die aktiven Fanszenen, schon einmal weiter", verrät Vollmer. Die neue Verhandlungsrunde startet am 10. Dezember. Vorher wird in der Kurve protestiert - und zwar ungewöhnlich leise...

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