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Profi-Solidarität: Spenden oder auf Gehalt verzichten?

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Profi-Solidarität: Spenden oder auf Gehalt verzichten?

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Die Nationalspieler haben 2,5 Mio. Euro für Betroffene der Corona-Krise gespendet. Hinter den Kulissen der Profi-Klubs wird allerdings schon über weitergehende Solidaritätsbeiträge der Spitzenverdiener gesprochen. Da geht es um Gehaltsverzicht.

Champions League, 25.2.2020: Bayern Münchens Torwart Manuel Neuer im Spiel gegen den FC Chelsea
Bayern Münchens Torwart Manuel Neuer
Quelle: Andy Rain/epa-efe

Nach den Geisterspielen geht ein neues Gespenst um im Profisport: das Gespenst der Solidarität. Auch die deutsche Fußball-Nationalmannschaft spricht darüber und spendete angesichts der Corona-Krise 2,5 Millionen Euro für soziale Zwecke.

"Wir müssen aufeinander schauen in solchen Zeiten", sagte Kapitän Manuel Neuer, der sich wie mehrere seiner Kollegen am Mittwoch in einer Videobotschaft an die Fans wandte. "Wir sollten uns alle unserer Verantwortung bewusst sein und Solidarität zeigen", sagte Joshua Kimmich.

Kurzarbeit in der 3. Liga

Manuel Neuer. Archivbild
Manuel Neuer (links) und Bundestrainer Joachim Löw
Quelle: Federico Gambarini/dpa

Auf der anderen Seite des Gehaltsgefüges im deutschen Fußball geht es um die Existenz. "Gegenwärtig sind wir als Spielergewerkschaft sehr stark eingebunden, da natürlich unsere Mitglieder - insbesondere aus der 3. Liga und der Regionalliga - zahlreiche Fragen zu Ihren Rechten und Pflichten als Arbeitnehmer während einer Pandemie haben", sagt Ulf Baranowski, Geschäftsführer der Spielergewerkschaft vdv gegenüber zdfsport.de: "Schwerpunktmäßig geht es dabei um das Thema Kurzarbeit."

Die Pandemie scheint soziale Unterschiede im Moment schlagartig zu vergrößern. Das gilt auch für den Sport. Die Einnahmeausfälle aufgrund abgesagter oder verschobener Spieltage trifft die Protagonisten unterschiedlich hart: Reiche und arme Klubs, Großverdiener und Kleinverdiener, Spieler und Würstchenverkäufer.    

NBA-Profis legten vor

Die soziale Frage war nur eine Frage der Zeit in einer Branche, deren achtzehn Top-Unternehmen im vergangenen Jahr fast 1,5 Milliarden Euro für Spielergehälter ausgaben. Und in der nun mittelfristig ganze Klubs, die in prekären Verhältnissen arbeitenden Dienstleister aber schon jetzt vor dem Ruin stehen.

Der erste Anstoß kam aus den USA, wo die NBA den Spielbetrieb einstellte, als hierzulande noch ein kompletter Spieltag geplant wurde. Mehrere NBA-Stars spendeten über eine Million Dollar, um die Hallen-Mitarbeiter zu unterstützen. "Erst diese Leute machen unser Spiel möglich", schrieb Zion Williamson von den New Orleans Pelicans.

Gehalt als größter Hebel

Ein paar Tage später nun also eine ähnliche Aktion von Fußballprofis in Deutschland. Caritative Aktionen von Einzelnen sind in der Bundesliga nichts Neues, eine große Anzahl von Spielern und Ex-Spielern unterstützt Stiftungen und sozial sinnvolle Projekte. Aber die Art von Solidarität, die jetzt von ihnen gefordert ist, scheint eine andere zu sein.

Als erster hat Ex-Manager Jan Schindelmeister darauf hingewiesen. "Keine Branche hat sich in den vergangenen 20 Jahren finanziell auch nur annähernd so dynamisch entwickelt wie der europäische Profifußball", sagte der ehemalige Manger der TSG Hoffenheim und des VFB Stuttgart der "Frankfurter Rundschau".

Sollte sich die aktuelle Entwicklung zu einer massiven Krise für einen dann doch viel größeren Anteil der Klubs entwickeln, seien diese gezwungen, die Ausgaben zu kürzen. "Und der größte Hebel liegt bei den Gehältern insbesondere der Spieler und anderen Top-Verdienern der Vereine", so Schindelmeister.

Anstoß aus der Politik

Anschließend arbeitete sich die Solidaritätsdebatte ein paar Tage an BVB-Boss Hans-Joachim Watzke ab. Der hatte über eine mögliche Umverteilung innerhalb der Liga sinngemäß gesagt, damit würden die Klubs, die für schlechte Zeiten vorgesorgt hätten, diejenigen belohnen, die das nicht getan hätten.

Die Top-Verdiener gerieten erst wieder ins öffentliche Visier, als Bayerns Minister-Präsident Markus Söder am Dienstag sagte: "Ich fände es zum Beispiel in Ordnung, wenn Spieler, die ganz große Gehälter bekommen, zur Aufrechterhaltung des Spielbetriebes ihrem Arbeitgeber gegenüber ein bisschen zurückhaltender wären mit dem Geld".

Relevante Zugeständnisse gefordert

Von da war es nicht mehr weit bis zum Wort vom Gehaltsverzicht. Und der wird nach Aussagen von DFL-Geschäftsführer Christian Seifert hinter den Kulissen bereits verhandelt. Zahlreiche Vereinsbosse seien bereits mit entsprechenden Anliegen an die Spieler herangetreten.

Seiferts Vorgänger Andreas Rettig sagte: "Jeder sollte bedenken, dass in dem Fall, dass es keinen Gehaltsverzicht der Spieler gibt, die Kosten woanders gespart werden müssen. Also werden die Vereine die Kader von 30 auf vielleicht 25 Spieler reduzieren."

Löbliche Aktion

So löblich die Spendenaktion der Nationalspieler ist - sie wird der Debatte um einen Gehaltsverzicht nicht den Wind aus den Segeln nehmen. Dabei geht es nicht um moralische Appelle an einzelne, sondern um die massive soziale Schieflage einer ganzen Branche.

Ohne relevante Zugeständnisse der Hauptprotagonisten in solch einer Extremsituation, so Jan Schindelmeister, "würde die Bereitschaft der Wirtschaftspartner der Klubs, aber auch der Fans, der Mitglieder und Sympathisanten einen Beitrag zu Stabilisierung ihres Vereins zu leisten, erheblich leiden."

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