Sie sind hier:

Fußball im Hochsicherheits-Staat - Alles unter Kontrolle in Russland

Datum:

Mehr Polizeipräsenz, Straßensperren, Kontrollen an den Stadien: Russland geht auf Nummer sicher. Neben der Terrorgefahr stehen auch die Hooligans im Fokus.

Berittene Polizei in Moskau
Moskau verstärkt Polizeipräsenz.
Quelle: ap

Nach dem Abpfiff im Moskauer Luschniki-Stadion kannte der Jubel der russischen Zuschauer am Donnerstag keine Grenzen. 5:0 - ein Auftaktsieg nach Maß. Und den Sicherheitskräften ist sicher auch ein erster Stein von Herzen gefallen. Ihr Konzept ging beim Eröffnungsspiel auf. Ein riesiges Aufgebot schon an der Metro, strenge Kontrollen an allen Sicherheitsschleusen. Manche Zuschauer wollen gar Scharfschützen auf Dächern gesehen haben.

Russland im Visier des islamistischen Terrors

Russland wollte und will auch weiterhin nichts dem Zufall überlassen. Allein in Moskau sind circa 30.000 Polizisten, Nationalgardisten, Mitarbeiter von Wachunternehmen und freiwillige Helfer im Einsatz. 30.000 Augenpaare, die beobachten und schnell erkennen sollten, wann ein Eingreifen nötig wird.

Mit Hooligan-Attacken war vor dem Eröffnungsspiel nicht zu rechnen. Doch Russland ist im Visier des internationalen islamistischen Terrors: Eine Rolle spielen der Einsatz an der Seite von Machthaber Baschar al-Assad in Syrien und das Vorgehen gegen Islamisten im Kaukasus - in der Vergangenheit gab es bereits Anschläge auf Metro-Stationen, Schulen und selbst Theater in Russland. Angst sicher nicht, aber Sorge war da vor dem Turnier schon zu spüren. Und so ist das Aufatmen nach dem reibungslos abgelaufenen Eröffnungsspiel spürbar.

Straßensperren und viel Polizei

Ein Einsatz, der seinen Preis hat. Wobei das Finanzielle dabei nicht das Entscheidende ist. Vor allem die Moskauer - sowieso schon vom alltäglichen Dauerstau geplagt - bekommen das zu spüren. Weiträumige Straßensperren rund um die zwei Spielorten in der Metropole, das Luschniki-Stadion im Südwesten und das Spartak-Stadion im Nordosten.

Entspannter sind da nur jene, die mit der Metro unterwegs sind, wie Dimitri. Er erzählt uns, dass ihm die erhöhten Sicherheitsmaßnahmen schon deutlich aufgefallen seien. "An jeder Ecke ist das zu sehen. Die Straßen sind mit Videokameras bestückt. Überall scheint es einen Polizisten oder eine Kamera zu geben. Und dann sind da noch viele Freiwillige, die auch mit für die Sicherheit sorgen", erzählt er.

Kaum Hooligan-Gefahr

Vor den russischen Hooligans, die bei der Fußball-Europameisterschaft 2016 in Frankreich Negativ-Schlagzeilen machten, müssen sich die Besucher wohl nicht fürchten. Der Staat hat schon weit vor Beginn des Turniers die Daumenschrauben angezogen. Anführern großer Hooligangruppen wurde klar gemacht, dass man sie während des Turniers genau im Blick hat - und mit dem Staat wollen sich auch die härtesten Jungs nicht unbedingt anlegen.

Dass eine Gefahr von Fans aus Teilnehmerländern ausgeht, ist nie ganz auszuschließen. Der Journalist und Hooliganexperte Dimitri Lekuch glaubt aber, dass die russischen Sicherheitskräfte gut aufgestellt sind: "Unsere Leute haben früher schlechte Erfahrungen mit solchen Dingen gemacht und sie haben daraus viel gelernt. Ich denke, sie werden da jetzt nichts zulassen". Außerdem sei zu beobachten, dass wegen des großen Polizeiaufgebotes viele radikale Fans den Turnieren fern bleiben - zu groß das Risiko, hinter Gittern zu landen.

Selbst die Engländer gelten mittlerweile als zwar viel Bier trinkende, aber weitgehend friedliche Gruppe. Hooliganexperte Lekuch sieht wenn dann eher Gefahren durch polnische, serbische oder deutsche Fans. Genau das ist auch der Grund, warum zahlreiche szenekundige Beamte mit in Russland sind. Sie kennen ihre Problem-Fans und sollen den russischen Behörden zur Seite stehen. Und unbemerkt kann sich sowieso niemand im Land bewegen: Ohne Registrierung und Fan-ID kommt niemand ins Stadion.

Es geht ums Prestige für Russland

Dieses Turnier ist immens wichtig für Russland und seinen Präsidenten Wladimir Putin. Auch wenn westliche Staatschefs der WM bisher fern blieben - das Bild Russlands in der Welt soll aufpoliert werden. Deutlich spürbar ist die neue Freundlichkeit in einem Land, in dem Lächeln nicht zu den Alltagstugenden gehört. Eine friedliche große Fußballparty muss her - sie soll die Botschaft aussenden, dass Russland auch anders kann.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.