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Fußball-WM - Moskau zwischen Vorfreude und Ernüchterung

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In Moskaus Zentrum feiern Fans aus aller Welt: Die Straßen rund um den Roten Platz gleichen einer Partymeile. Doch wenige Hundert Meter weiter ist kaum WM-Stimmung zu spüren.

Fanmeile in Moskau
Fanparty rund um den Roten Platz: Hier feiern Fußball-Anhänger in Moskau.
Quelle: Wolfgang Zimmermann

Oleg ist enttäuscht. Von den Tagen vor der WM hat er sich mehr versprochen. Seit vier Jahren fährt er Taxi, doch ein Riesengeschäft ist die WM für ihn nicht - noch nicht. "Klar hoffe ich, dass es noch mehr Arbeit gibt, wenn's endlich richtig los geht - bis jetzt ist leider kaum was zu tun." Englisch kann Oleg nicht. Übersetzen soll sein Spracherkennungs-Programm auf dem Handy; das klappt nur in Grundzügen, egal. Am Ende kassiert Oleg immerhin einen kräftigen WM-Aufschlag, da kennt er kein Pardon. Eine Quittung gibt es erst nach langen Verhandlungen.

Viele Moskauer verbinden mit der WM vor allem: noch mehr Kontrollen, noch mehr Verbote, höhere Preise für Benzin und Lebensmittel. Wer kann, flieht aus der Stadt, raus aufs Land, es sind ja schon Ferien. Oder vermietet seine Wohnung unter - und verdient so wenigstens mit an der WM. Die Stadt hat sich größte Mühe gegeben, um für positive Stimmung zu sorgen: Überall hängen Fahnen, Wimpel, Plakate – man kann der Werbung kaum entrinnen. Doch in den wenigsten Stadtteilen von Moskau will der Funke so richtig überspringen.

Fanparty rund um den Roten Platz

Nur mitten im Zentrum herrscht ein anderes Bild: tolle Stimmung und Fußball-Vorfreude, wohin man auch schaut. Rund um den Roten Platz und vor dem Kaufhaus Gum feiern Fans aus aller Herren Länder eine Riesenparty. Und liefern sich rund um die Uhr Gesangswettbewerbe.

Wenn es um den Titel für die beste Unterstützung ginge, wäre Uruguay bei der WM ganz weit vorne: farbenfroh, mit Instrumenten und laut sind sie - und: sicher überzeugt vom WM-Triumph. Auch die Fans aus Mexiko und Peru sind in dieser Wertung weit vorne. Nur ganz zögerlich halten irgendwann dann auch ein paar Russen stimmlich dagegen.

Neugierig auf die Fußball-Fans

Xenia und Nicky
Xenia und Nicky organisieren Kneipentouren für Touristen.
Quelle: Wolfgang Zimmermann

Mittendrin im Getümmel der Fußgängerzone sind Xenia und Nicky. Sie organisieren neben ihrem eigentlichen Job Kneipentouren für Touristen. Die Beiden sind in Moskau geboren und kennen ihre Stadt in- und auswendig. "So voll wie jetzt war es hier im Zentrum noch nie", meint Xenia. "Von überall her kommen die Fans, so eine bunte Mischung habe ich hier noch nicht erlebt!" Feierwütige Touristen - und das in Massen: genau die Zielgruppe von Xenia und Nicky. Für sie ist die WM ein Traum.

Maskottchen der WM 2018 in Russland
Maskottchen der WM 2018 in Russland
Quelle: Wolfgang Zimmermann/ZDF

Proppevoll ist auch der Manegeplatz. Geduldig stehen hier alle an, bis sie die beliebtesten Fotomotive für sich alleine haben. Der Schriftzug "Russia 2018" oder das Maskottchen Zabivaka – alle Hintergründe sind gefragt. Irina war neugierig, was in ihrer Stadt gerade passiert. Deshalb hat sie sich mit der ganzen Familie mal unter die Fans gemischt – bewaffnet mit einer Videokamera. Ihr Mann kann gar nicht aufhören, zu filmen: "Toll, dass so viele Nationalitäten hier in der Stadt sind, das macht mich unglaublich stolz", sagt Irina.

Stolz ist Moskau auch auf seine Fanmeile oberhalb des Luschniki-Stadions. Wer dort hin will, muss hinauf auf die Sperlingsberge, an die Lomonossow-Universität. Der Blick auf die Stadt ist gigantisch, Platz ist hier für 25.000 Menschen – bei der Eröffnung haben Tausende schon mal Probe gefeiert. Die Bilder, die Moskau von hier aus um die Welt sendet, werden auf jeden Fall gigantisch sein.

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