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Achtelfinale Spanien - Russland - Heimspiel: Russen wollen Götter sein

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Russland will gegen Spanien die WM-Euphorie nutzen. Während die Gastgeber befreit aufspielen können, steht der Favorit nach dürftigen Leistungen in der Kritik.

Russische Nationalmannschaft beim Training
Russische Nationalmannschaft beim Training Quelle: epa

Die Motivationsrede am Tag vor dem großen Spiel hielt einer, der eigentlich gar nicht da sein sollte. Wladimir Mutko gilt wegen seiner Verantwortung für Russlands Dopingsystem im internationalen Sport als Persona non grata. Sein Amt als WM-Organisationschef wie die Ressortverantwortung für Leibesübungen hatte der Vize-Premier daher vorsorglich abgegeben, den Posten als Fußballverbandspräsident ruhen lassen. Dennoch zeigten die Bilder vom Trainingsgelände unzweifelhaft ihn, wie er die Spieler für das Match am Sonntagnachmittag (16 Uhr, live im ZDF) gegen Spanien einschwor.

Unwetter befürchtet

"Die Chancen? Stehen gut", habe er danach erklärt, berichtet die Presse aus dem Teamquartier in Moskau. Dort absolvierte die russische Nationalmannschaft ihr Abschlusstraining, weil der Rasen im Nationalstadion Luschniki schon etwas beansprucht ist und außerdem Unwetter für die Hauptstadt vorausgesagt sind. Kein Problem, so Trainer Stanislaw Tschertschessow: "Wir kennen das Luschniki ja."

Dort gelang zum WM-Auftakt ein fulminantes 5:0 gegen Saudi-Arabien, und weil noch ein souveränes 3:1 gegen Ägypten folgte, nähert sich Russland dem Achtelfinale in komfortabler Ausgangslage: Es hat sich nicht, wie vorher befürchtet, zum Deppen beim Heimturnier gemacht, sondern Euphorie entfacht und damit die Erwartungen schon jetzt übererfüllt. Der Rückschlag des 0:3 gegen Uruguay im letzten Gruppenspiel wurde durch mildernde Umstände abgefedert: Tschertschessow hatte einige Stammspieler geschont, darunter Regisseur Alexander Golowin.

Iniesta und Silva im Kreuzfeuer

Die Zweifel leben vor dem Topspiel dieses Sonntags eher auf der anderen Seite. Aus Spanien gibt es für die eigene Elf viel Kritik nach dem glücklichen Gruppensieg, der von einem unsicheren Torwart David De Gea, Abwehrproblemen und - außer beim spektakulären 3:3 gegen Portugal - ungewohnt zähem Offensivspiel gekennzeichnet war. Manche Stimmen fordern nun sogar das Undenkbare: eine Abkehr vom als "Tiki-Taka" bekannten Spielstil der "selección". Sie würden dessen verdiente Helden wie Andrés Iniesta oder David Silva sogar am liebsten auf der Bank sehen.

Beim letzten Turnierspiel gegen Russland lieferten 2008 unter anderem diese beiden eines ihrer Meisterwerke. Im EM-Halbfinale gab es ein 3:0. Für Spanien begann ein Siegeszug, der zu drei Titeln in Serie führte, 2008, 2010, 2012 - und der mit dem Vorrundenaus 2014 und dem EM-Ausscheiden im Achtelfinale 2016 so jäh unterbrochen wurde. Nun sollte die Rückkehr unter die letzten Acht eigentlich bloß eine Zwischenstation zu alter Grandezza sein. Ein Ausscheiden gegen den Gastgeber wäre entsprechend mehr als eine Enttäuschung. Zumal dann wohl alle Wunden der Trainerposse vom Turnierbeginn wieder aufreißen würden, als der Verband den abtrünnigen Julen Lopetegui durch Fernando Hierro ersetze.

Zuletzt kam die Sowjetunion so weit

Hierro bemühte sich am Samstag mit all seinem Charisma um Optimismus. "Die Schwierigkeiten, von denen alle Welt redet, tauschen wir ein gegen Selbstvertrauen und positives Denken." Silva ergänzte, die Kritik werde intern ausgeblendet: "Wir können nur spielen und versuchen, die Meinungen zu verändern."

Heute auswärts, gegen rund 80.000 Russen im Luschniki-Stadion und eine Mannschaft, die nichts zu verlieren hat. "In Russland gibt es ein Sprichwort", sagt Tschertschessow: "Jeder kann ein Gott sein, wenn er es hart genug versucht". Die Gastgeber haben schon jetzt ihr bestes WM-Ergebnis als eigenständige Nation erreicht. Den Einzug in die K.o.-Runde bei einer Fußball-Weltmeisterschaft schaffte zuletzt 1986 die Sowjetunion.

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