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Goldene Fußball-Generation - Belgien sucht das Risiko

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Trainer Roberto Martínez soll die goldene Generation Belgiens um Eden Hazard und Kevin De Bruyne endlich zum Erfolg führen. Er wählt dafür auch umstrittene Maßnahmen.

Die belgische Fußball-Mationalmannschaft trainiert am 15. Juni 2018 im Teamquartier in Nahabino.
Die belgische Fußball-Mationalmannschaft trainiert am 15. Juni 2018 im Teamquartier in Nahabino. Quelle: dpa

Das Casting bei Belgien dauerte bis zum letzten Tag. Erst dann entschied Trainer Roberto Martínez, den verletzten Vincent Kompany in seinem Aufgebot zu belassen. Auch wenn ein Einsatz wie bei Innenverteidigerkollege Thomas Vermaelen wohl erst für das dritte Spiel gegen England infrage komme, wie Martínez sagte. Zwei von sowieso nur fünf Abwehrspielern im Kader verletzt - ein unerhörtes Risiko.

Jetzt oder nie?

Doch Belgien will ja das Risiko suchen. Belgien denkt weiter als die ersten zwei Spiele gegen Panama heute und dann gegen Tunesien. "Wir werden abenteuerlustig und unerschrocken sein", verspricht Martínez. Der Auftrag des nach der EM 2016 für Marc Wilmots angeheuerten Trainers ist klar: Am Ende soll mehr herausspringen als bei den letzten beiden Turnieren. Also das Halbfinale. Mindestens.

Angeführt von Eden Hazard und Kevin De Bruyne verfügt Belgien über das, was man im Fußball eine "Goldene Generation" nennt. Der Ausdruck kommt meist bei kleineren Ländern zur Anwendung - die großen Fußball-Nationen wie Brasilien, Deutschland oder Spanien haben ein solches Reservoir, dass ein Jahrgang höchstens mal noch besser ist als der andere. Bei einer Goldenen Generation hingegen schwingt immer eine gewisse Dringlichkeit mit: Wer weiß schon, ob die Mütter eines Elf-Millionen-Einwohner-Landes wie Belgien noch mal auf einen Schlag so viel Talent zur Welt bringen?

Thierry Henry als Co-Trainer

So gut verteiltes, zumal. Belgien hat einen seit Jahren erprobten Spitzentorwart, Thibaut Courtois (Chelsea). Es hat jenseits von Kompany und Vermaelen weitere Spitzenverteidiger, Jan Verthongen und Toby Aldeireweld (beide Tottenham), es hat den - defensiveren - rechten Läufer Thomas Meunier (Paris) und den - offensiveren - linken Yannick Carrasco. Es hat Spielmacher De Bruyne (Manchester City), Dribbler Hazard und erprobte Vollstrecker in Romelu Lukaku (Manchester United), Dries Mertens (Neapel) oder Michy Batshuayi (Borussia Dortmund) als Backup.

Belgien hat alles, nur keine Siegertradition. Auch deshalb nahm der Spanier Martínez wohl Thierry Henry, den französischen Welt- und Europameister, als Co-Trainer in seinen Stab auf. Es geht um den letzten Glauben und um die maximale Fokussierung. Keine Streitereien wie noch so oft unter Wilmots. Keine Scharmützel mit den Medien, keine Extratouren. An Radja Nainggolan, dem schillernden Irokesen vom AS Rom, statuierte Martínez das Exempel, indem er ihn nicht für das Turnier nominierte. Die Kritik im stets debattierfreudigen Belgien war beachtlich.

Probleme nur gegen Spitzenteams

Aber Martínez will ja unerschrocken sein, und so stellt er auch auf. Die "Roten Teufel" spielen ein offensives 3-4-3-System, in dem der frühere Halbstürmer De Bruyne wie bei seinem Klubtrainer Pep Guardiola einen der zentralen Mittelfeldspieler gibt. "In dieser Position hat er fünf Spieler vor sich, die er anspielen kann", erklärt der Trainer. "Das hat in der Qualifikation sehr gut funktioniert."

In der Ausscheidung schoss Belgien 43 Tore (und teilte sich so mit Deutschland einen neuen Rekord). Als erstes europäisches Team sicherte man sich das WM-Ticket. Unter Martínez, der seinen bisher größten Erfolg als englischer Pokalsieger mit dem krassen Außenseiter Wigan Athletic feierte, ging überhaupt nur ein Spiel verloren: gleich sein erstes gegen Spanien. Die Skeptiker weisen allerdings daraufhin, dass es auch der einzige starke Gegner in seiner ganzen Amtszeit war - bis nun in der WM-Vorbereitung die Portugiesen nach Brüssel kamen. Da gab es ein wenig abenteuerliches 0:0.

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