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Gruppe C: Frankreich - Australien - Frankreich - der Geheimfavorit

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Frankreich bringt eine besonders junge Generation mit zur WM. Nationaltrainer Deschamps legt vor dem Auftakt gegen Australien (12 Uhr MESZ/ZDF) größten Wert auf den Zusammenhalt.

Der französische Nationaltrainer Didier Deschamps während einer Trainingsstunde in Kasan, Russland.
Trainer Didier Deschamps (M.) beim Abschlusstraining in Kasan, Russland.
Quelle: imago

Es war nur eine Frage, die Didier Deschamps am Freitag sichtlich aus der Fassung brachte. Sie kam irgendwo aus den oberen der rot gepolsterten Stuhlreihen im Pressekonferenzraum der Kasan-Arena, weshalb der französische Nationaltrainer angestrengt den Hals reckte. Jemand hatte tatsächlich im Vorlauf des ersten WM-Gruppenspiels gegen Australien (Samstag 12 Uhr MESZ/ZDF) wissen wollen, ob die "Bleus" schon wieder für den ganz großen Wurf reif seien. Wie 1998, als der Nationalcoach als Kapitän selbst die WM-Trophäe empfing.

Vor der Antwort holte der "General", wie man ihn damals nannte, tief Luft. Und erinnerte an die eher fragwürdige WM-Ausbeute der Grande Nation seit diesem Triumph. "Wir sind nur zweimal unter die letzten 16 gekommen." Die anderen beiden Male kehrte das Team mit Schimpf und Schande heim: 2002 schied der Titelverteidiger als punkt- und torloser Letzter aus. 2010 war unter blamablen Begleiterscheinungen - ein kindischer Spielerstreik in einer südafrikanischen Stadt namens Knysna sorgte für weltweites Kopfschütteln - ebenfalls in der Vorrunde Schluss.

Deschamps viel drahtiger geworden

Deschamps trat vor sechs Jahren sein Amt als Nationaltrainer an. Wie viel sich seither verändert hat, ist an seinem Körper abzulesen: Der 49-Jährige wirkt beinahe so drahtig wie zu seinen Spieler-Zeiten. Er soll sich während der Trainingslager, in der Freizeit und bei Turnieren ein anspruchsvolles Fitnessprogramm auferlegen. Das Wohlstandsbäuchlein ist fast vollständig abtrainiert. Denn wer Disziplin predigt, sollte das auch irgendwie vorleben.

In Istra vor den Toren von Moskau hat Deschamps seinen Kader versammelt, der verdammt jung ist. "Das ist kein Risiko. Ich habe diese 23 Spieler ausgewählt, weil sie Qualität haben." Es wird zum Start bei einem Durchschnittsalter von 24,5 Jahren die jüngste Startelf Frankreichs seit der WM 1930 erwartet. Das muss aber doch kein Nachteil sein, meint der Nationalcoach: "Sie sind alle genügend Druck in großen Vereinen gewöhnt." So als wollte er sagen: Da wird kein wackliger Talentschuppen antreten, sondern ein entwicklungsfähiges Team. Dass mehr als der Hälfte des Teams die Expertise bei einem Weltturnier fehlt, kann Deschamps nicht negieren: "Mannschaften wie Brasilien, Deutschland oder Spanien haben mehr Erfahrung."

Die Griezmann-Inszenierung stört nicht groß

Aber welche Nation kann schon solche Könner wie Kylian Mbappé (19) oder Ousmané Dembélé (21) aufbieten, die nicht umsonst Paris St. Germain und der FC Barcelona sich so viel kosten ließen. Und dann ist da ja auch noch Antoine Griezmann (27), der als Objekt der Begierde des FC Barcelona in ähnlichen Dimensionen taxiert wurde, aber mit einer eigenartigen Selbstinszenierung - verbreitet über die spanische Bezahlplattform "Movistar+" - seinen Verbleib bei Atlético Madrid verkündete.

Deschamps nahm die Grizou-Show großmütig hin: "Sein Kopf ist frei für die WM, das ist gut für uns." Sein Beitrag an der Doku-Soap? "Ich war derjenige, der gefilmt hat!" Solche Scherze würde der strenge Chef wohl nur noch bei Paul Pogba machen; ein Anführer, auf den Deschamps nicht verzichten möchte, obwohl N‘golo Kanté und Blaise Matuidi nicht weniger wertvolle Mittelfeldspieler sind.

Sogar Zinedine Zidane träumt vom Titel

Im Sturm gönnt sich Deschamps durchaus einen gewissen Verzicht: Bayern-Star Franck Ribéry spielt seit Jahren keine Rolle, für Karin Benzema bliebt auch nach dem erneuten Champions-League-Sieg mit Real Madrid die Tür zum Nationalteam zu. Bloß keine Störenfriede. Es soll viele Regeln geben, die den Harmoniefaktor fördern. Unter dieser Prämisse ist die Gruppe zusammenstellt. Exemplarisch hat Jungstar Mbappé verkündet: "Wir müssen unser Ego beiseite stellen."

Einer wie Torwart Hugo Lloris hat in dieser Mannschaft schon andere Zeiten erlebt. Am Freitag saß der Keeper und Kapitän vor Deschamps auf dem Pressepodium und beteuerte, die grundsätzliche Verantwortung zu kennen: "Frankreich hat immer besondere Ambitionen bei einer WM. Es liegt an uns, die Erwartungen auf dem Platz zu erfüllen." Unter Deschamps hat der Torwart von Tottenham Hotspur zwei Turniere gespielt: die WM 2014, bei der im Viertelfinale nicht viel, aber eben doch genug fehlte, um Deutschland in die Knie zu zwingen. Die Heim-EM 2016, bei der zwar der Allemagne-Fluch im Halbfinale besiegt, nicht aber das Finale gegen Portugal gewonnen wurde.

Und was bringt die WM 2018? "Es steckt großes Potenzial in dieser Mannschaft. Warum soll sie denn nicht den Titel gewinnen?", sagt Zinedine Zidane.

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