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Fußball-WM: Gruppe B - Irans Traum, Portugals Pflicht

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Das Finale in Gruppe B ist spannender als erwartet. Der portugiesische Trainer Carlos Queiroz fordert seine Landesleute heraus. Auch Spanien steht noch nicht im Achtelfinale.

Cristiano Ronaldo jubelt über seinen Treffer zum 1:0 gegen Torwart Munir aus Marokko
Cristiano Ronaldo jubelt über seinen Treffer zum 1:0 gegen Torwart Munir aus Marokko Quelle: dpa

Diese Weltmeisterschaft ist so ausgeglichen wie vielleicht noch keine zuvor - das ist als Zwischenfazit allgemein anerkannt. Beweismaterial liefert etwa die Gruppe B. Zum einen gelangen den Favoriten Spanien und Portugal gegen die vermeintliche Laufkundschaft Iran und Marokko nur glückliche Siege. Zum zweiten ist die Lage so eng, dass sich vor dem letzten Spieltag die verrücktesten Szenarien anbieten.

Spanien liegt im Fairplay vorn

Spanien und Portugal haben jeweils vier Punkte und 4:3 Tore. Sollten sie auch heute (ab 20 Uhr MEZ) dasselbe Ergebnis erzielen, würde die Reihenfolge zwischen ihnen durch die Fairplay-Wertung entschieden, die Minuspunkte für gelbe (1), gelb-rote (3) und rote (4) Karten vergibt. Herrschte dann immer noch Gleichstand - momentan "führt" Spanien 1:2 - müsste erstmals seit der WM 1990 das Los bemüht werden.

Das alles mag im Bereich des Kuriosen bleiben, sollte es nur darum gehen, wer als Erster und Zweiter ins Achtelfinale einzieht (die Gegner heißen jeweils Russland oder Uruguay). Verlieren aber beide mit demselben Ergebnis, würde durch Kartenstatistik oder Lotterie tatsächlich über Weiterkommen und Ausscheiden hinter einem Gruppensieger Iran entschieden. Die Iraner stehen bisher bei drei Punkten.

Der Fußball war ungerecht zu Marokko

Nur Marokko hat definitiv keine Chancen mehr. Die Mannschaft wird aber sicher trotzdem wieder alles geben, vor vermutlicher Heimspielatmosphäre in Kaliningrad. Gegen Portugal feuerten 25.000 Landsleute die Nordafrikaner an, "manche sind den ganzen Weg mit dem Auto gekommen", berichtete Trainer Hervé Renard - und die hoffen jetzt auf ein ähnlich gutes Spiel mit mehr Effizienz. Allein Abwehrchef Mehdi Benatia scheiterte gegen den Europameister viermal freistehend mit Kopf oder Fuß.

"Der Fußball ist oft nicht gerecht", kondolierte Spaniens Sergio Busquets. "Marokko hat viel zu gut gespielt, um mit null Punkten dazustehen." Mit der Möglichkeit des Ausscheidens hielt sich in Spanien am Tag vor dem Spiel trotzdem niemand auf.

Nervosität bei Europameister Portugal

Ganz anders ist die Lage bei Portugal. Die eigenen Probleme gegen Marokko - "wir können nur besser werden", sagt Innenverteidiger José Fonte - und die starke Vorstellung des Iran gegen Spanien - "ein Weckruf für alle", so Trainer Fernando Santos - haben fast das Gefühl entstehen lassen, als würden sich in Saransk zwei Mannschaften auf Augenhöhe mit denselben Chancen auf das Weiterkommen duellieren. "Es wird eine harte Partie mit viel Kampf", schwant Abwehrchef Pepe.

Garniert wird sie durch die Personalie von Carlos Queiroz, dem portugiesischen Trainer des Iran. Bei der WM 2010 coachte er noch Pepe und Cristiano Ronaldo, wurde wegen seiner defensiven Taktiken aber nicht zuletzt vom Stürmerstar kritisiert und verlor kurz danach den Job wegen einer Sechsmonatssperre nach Ausfälligkeiten gegen Dopingkontrolleure. Im Jahr darauf übernahm er bei den Iranern.

Die iranische Mauer

Schon bei der WM 2014 überzeugte sein Team mit eiserner Verteidigung und gefährlichen Kontern. Seither hat es diese Stärken perfektioniert. In der entscheidenden Runde der Asien-Qualifikation beendete es neun von zehn Spielen ohne Gegentor. Bei der WM wurde es nur durch ein Zufallsabpraller von Spaniens Diego Costa bezwungen.

Auf der anderen Seite traf es bisher nur durch ein Eigentor Marokkos. Mindestens ein Tor muss es aber heute sein, dem Iran hilft nur ein Sieg. "Wir haben einen Traum und nichts zu verlieren", sagte Queiroz am Sonntag. "Portugal hat die Pflicht und nichts zu gewinnen." Genau das macht die Partie für den Europameister so undankbar.

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