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WM-Derby - Portugal - Spanien: Ziemlich beste Nachbarn

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Spanien und Portugal begegnen sich schon zum 36. Mal. Im Laufe der Geschichte wurden Klischees ins Gegenteil verkehrt. Dem Gewinner winkt traditionell ein großes Turnier.

Gut gelaunt: Cristiano Ronaldo
Gut gelaunt: Cristiano Ronaldo Quelle: dpa

Die Zeiten sind andere als vor 100 Jahren. Damals, so die Chronisten, wurden die spanischen Nationalspieler am Bahnhof von Lissabon begeistert empfangen. Denn in Portugal steckte der Fußball noch in den Kinderschuhen, man spielte fast nur gegen den Nachbarn. Erst 1937, im zwölften Versuch, gelang der erste Sieg.

Ronaldo kündigt Sieg an

Wenn sich beide Mannschaften heute in Sotschi zum ersten Spitzenspiel der WM 2018 begegnen, ist das längst ein Duell auf Augenhöhe. Portugal ist amtierender Europameister, Cristiano Ronaldo hat einen Sieg angekündigt. Und natürlich werden weder die portugiesischen Fans den spanischen Spielern huldigen - noch umgekehrt.

"Es ist ein Klassiker“, sagte Portugals Trainer Fernando Santos am Donnerstag. Gegen keine andere Nation haben beide so oft gespielt, es wird das 36. Duell. Bei einem Turnier ist es das vierte Aufeinandertreffen - jedes Mal, wenn man sich begegnete, erreichte der Sieger danach das Endspiel. 2004 triumphierte Portugal im entscheidenden Gruppenmatch der Heim-EM, und in Lissabon feierten sie die ganze Nacht. 2010 im Achtelfinale und 2012 im Halbfinale (nach Elfmeterschießen) ging dann Spaniens Weg zur Welt- und Europameisterschaft über den Nachbarn.

Lopetegui, ein typischer Spanier

Der kleine Nachbar ist vielleicht im Länderfußball nicht mehr zu sehen, wo schon die Jugendauswahlen beider Nationen zur Crème de la Crème zählen. Wohl aber bei den Vereinen. Von Paulo Futre über Luís Figo bis zu Ronaldo - irgendwann landen die besten Portugiesen bisher zuverlässig bei den spanischen Großklubs. Seit Jahren werden sie dabei in der Regel von Jorge Mendes vermittelt. Der König der Spieleragenten ist Portugiese, er verfügt bei mehreren spanischen Spitzenklubs wie Real und Atlético Madrid oder Valencia über beträchtlichen Einfluss.

Einer seiner Klienten, die den umgekehrten Weg gingen, ist just der Mann dieser Woche, Julen Lopetegui. Spaniens geschasster Nationalcoach trainierte einst anderthalb Jahre den FC Porto, und er kam nicht sonderlich gut an jenseits der Grenze. Der impulsive wie betont selbstbewusste Baske stand sinnbildlich für das, was man den Spaniern dort allgemein so entgegenhält. Wer beide Länder bereist, wird die Unterschiede sofort feststellen. Bedächtiger und stilbewusster kommt Portugal oft daher, lauter, greller und lebensfroher Spanien. Fado und Flamenco, die Musikfolklore sagt alles.

Duell der Spielstile

Im Fußball haben sich die Klischees im letzten Jahrzehnt jedoch in ihr Gegenteil verkehrt. Wo die Portugiesen einst als "europäische Brasilianer" in Schönheit starben, haben sie sich seit gut einer Generation und besonders unter Santos einem praktischen Resultatsfußball verschrieben. Derweil die Spanier statt der Energie der "Roten Furie" die Eleganz des "Tiki-Taka" in den Mittelpunkt rückten, woran sich auch beim Trainerdebüt von Fernando Hierro heute nichts ändern wird. Kurioserweise sind beide Länder erst durch ihren jeweiligen Stilbruch erfolgreich geworden.

In Sotschi begegnen sich also auch zwei Spielansätze. Außerdem mit den Kapitänen Sergio Ramos und Ronaldo die zwei Fahnenträger der jüngsten Erfolgsära von Real Madrid. Sowie natürlich die Anhänger. In allzu großen Gruppen wird das nicht stattfinden. Bislang sind in Sotschi nur wenige spanische und noch weniger portugiesische Fahnen zu sehen. Beide Nachbarn gehören nicht zu den Nationen mit viel Fanreiseverkehr. Darin ist man sich schon wieder ziemlich ähnlich.

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