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Religion bei der WM - Beten wie Beckham

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Die brasilianische Seleção schreibt ihren Spielern religiöses Verhalten während der WM vor. Tattoos mit religiösen Motiven à la Beckham kann sie aber nicht verhindern.

Neymar ruft den Himmel an.
Neymar ruft den Himmel an. Quelle: epa

Manchmal beißen sich Wunsch und Wirklichkeit. Die FIFA hat seit langem den Wunsch, überall neutral zu sein - politisch, weltanschaulich, religiös. Fußball, Fußball, Fußball, so laute das Credo - und nichts anderes. Doch so einfach ist das nicht.

Teamgeist der Seleção in Gefahr

Denn selbst in den FIFA-Zielen ist der Wunsch nach Vielfalt verankert - Neudeutsch heißt das "diversity". Niemand solle diskriminiert werden - auch nicht aufgrund seiner Religion. Und so beißt sich der Wunsch nach religiöser Neutralität nicht nur mit der spirituellen Realität bei den Spielern. Sondern die FIFA schaufelt sich selbst einen Zielkonflikt. Den jüngsten Vorstoß hat indes nicht die FIFA, sondern der brasilianische Fußballverband zu verantworten. Der ist seit Längerem um den Teamgeist bei der Seleção besorgt - und zeigt jenen die rote Karte, die Religion wie eine Monstranz vor sich hertragen.

Vor drei Jahren eskalierte die Situation im brasilianischen Team. Zehn Spieler der Seleção feierten eigenmächtig einen evangelikalen Gottesdienst - ohne die katholischen Kameraden. Statt Teamgeist herrschte religiöser Separatismus. Später verbreitete ein Pastor Fotos des Exklusiv-Gottesdienstes im Internet. Und musste sich den Vorwurf gefallen lassen, die Seleção für PR-Zwecke benutzt zu haben.

Mit solchen Querschüssen ist nun Schluss. Natürlich bleibt Gott der Seleção erhalten: In der Kabine werden alle Spieler zusammen um göttlichen Beistand bitten. Aber religiöse Extrawürste wird es nicht mehr geben. Den Spielern ist verboten, mit einem eigenen Pastor anzureisen. Das kam in der Vergangenheit immer wieder mal vor. Der Teamgeist steht nun im Vordergrund.

Keine religiösen Accessoires

Auch sollen die Spieler auf religiöse Accessoires verzichten. Vorbei sind die Zeiten, in denen verschwitzte Stirnbänder oder hautenge Unterhemden mit der Botschaft "Jesus liebt dich" zu sehen waren. Superstar Neymar warb etwa mit dem Spruch "100 Prozent Jesus". Was sich freilich nicht verhindern lässt, sind religiöse Bekenntnisse der Spieler. Schon gar nicht, wenn diese in die Haut gestochen sind. Schließlich wird man ein religiöses Tattoo nicht einfach so los.

Prominentestes Vorbild ist hier David Beckham. Die rechte Seite des Beckham-Torsos ziert einen Schmerzensmann: einen leidenden Christus mit Dornenkrone. Am Nacken hat David Beckham ein Tattoo mit einem geflügelten Kreuz. Und auf dem oberen Rücken ist ein Schutzengel in einer Kruzifix-Pose erkennbar.

Dortmunder Torwart mit Maria und Jesus

Vielleicht hat sich Roman Bürki von Beckham inspirieren lassen. Der Dortmunder Torwart spielt in der Schweizer Nationalmannschaft, hat den Engländer in Sachen Tattoos aber längst übertroffen. Die Liebe zu Tattoos hat Roman Bürki einmal so erklärt: "Weil wir Fußballer auf dem Platz alle Ringe und Halsketten ausziehen müssen. Die Tätowierungen sind dann unser Schmuck."

Und der hat es beim Schweizer in sich: Zwischen den Schulterblättern trägt er ein Kreuz-Tattoo. Auf dem Unterarm sind Maria und Jesus zu sehen. Mit einem anderen Tattoo sorgte er aber für Spott und Häme: Es zeigt eine Friedenstaube, übertitelt mit den Worten: "Pax Inicit in Cordes Nostres." Eigentlich meinte er "Pax incipit in cordibus nostris", was übersetzt "Frieden beginnt in unseren Herzen" bedeutet.

Vaterunser und "God is with us"

Als wäre das alles nicht schon lammfromm genug, erweitert Bürki den sakralen Reigen um einen Engel. Auch der Text des Vaterunters und die Worte "God is with us" finden sich auf seinem Körper. "Ich gehe nicht jede Woche in die Kirche. Aber ich glaube an gewisse Grundsätze: dass man andere so behandeln sollte, wie man selbst behandelt werden will. Und dass man selbst belohnt wird, wenn man Gutes tut", sagt Roland Bürki über seine Religiosität.

Auch deutsche Fußballer legen hin und wieder ein Glaubensbekenntnis ab. Jerome Boateng hat Tattoos mit einem Kreuz, der Jungfrau Maria, betenden Händen und den Worten "Trust" (Vertrauen) sowie "Believe" (Glaube). Andre Schürrles wiederum ziert ein Kreuz-Tattoo.

Trainer und Spieler waren Ministranten

Thomas Müller sagt über seinen Glauben: "Ich komme aus einem bayerischen Dorf, da gehört die Religion dazu. Ich mag solche Traditionen, sie geben einem nicht nur gesellschaftlichen Halt, sondern auch Struktur. Ich finde das gut." Er war früher mal Ministrant, ebenso Mario Gomez. Der ist überzeugt: "Ich glaube an etwas, das da oben ist, sonst hätte ich es sicher nicht so weit geschafft."

Auch Jogi Löw war mal Ministrant: "Ich bin katholisch - aber man kann aus jeder Religion lernen»" ist der Bundestrainer überzeugt. Gott sieht er als "höhere Weisheit und eine Form von Liebe und Uneigennützigkeit". Das Christentum bedeute für ihn Nächstenliebe. Übersetzt in die Sprache des Fußballs heißt das: Fair Play.

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