Sie sind hier:

Deutscher Fußverkehrskongress - Mehr Fußgänger, weniger Autos

Datum:

Laufen ist gesund, gut für die Umwelt und ein wichtiger Baustein in der Mobilitätswende. Wege dazu suchen derzeit Experten von Bund, Ländern und Kommunen in Berlin.

Archiv: Silhouetten von Fussgängern
Fußgängerzonen sind heute noch städtebauliche Feigenblätter für Fußverkehrsplanung. (Archivbild)
Quelle: dpa

Zu Fuß gehen ist der erste Schritt für jegliche Fortbewegung. Alle Verkehrswege beginnen oder enden normalerweise zu Fuß - von der Haustür zum Auto, vom Fahrradständer zum Bäcker, vom Bus zum Büro. Gehen ist das Bindeglied zwischen den Verkehrsmitteln. Und doch ist der Fußgängerverkehr nicht gleichberechtigt.

Bessere Verkehrswege für Fußgänger

Archiv: Auto parkt auf dem Gehweg
Ein Auto auf dem Gehweg - Behinderung von Fußgängern soll schwerer bestraft werden.(Archivbild)
Quelle: dpa

Während der Radverkehr mittlerweile als Alternative zum Auto anerkannt ist und seinen Platz in der Verkehrspolitik gefunden hat, gilt der Fußgängerverkehr in Deutschland immer noch als unwichtig, unattraktiv und wenig zeitgemäß: "Fußgängerinnen und Fußgänger sind die blinden Flecken der Verkehrspolitik", sagt Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamts (UBA). "Unser Konzept zeigt, wie wir den Fußverkehr stärken können - für mehr Umweltschutz und lebenswertere Städte."

Ideen werden vorgestellt

Das Umweltbundesamt (UBA) diskutiert derzeit in Berlin mit über 300 Teilnehmern aus Verwaltung, Planung und Wissenschaft sowie Politikern von Bund, Ländern und Kommunen über Möglichkeiten zur Verbesserung der Verkehrswege für Fußgänger. Das Papier "Grundzüge einer bundesweiten Fußverkehrsstrategie" wird auf dem 2. Deutschen Fußverkehrskongress unter dem Motto "Geht doch!" öffentlich vorgestellt und diskutiert.

Für kürzere Wege bleibt das Auto häufiger stehen

Über ein Fünftel aller Wege werden in Deutschland ausschließlich zu Fuß zurückgelegt. Zu Fuß gehen ist emissionsfrei, leise und braucht wenig Platz. Viele kurze Fahrten mit dem Pkw ließen sich zu Fuß oder mit dem Rad erledigen. Fast 50 Prozent aller mit dem Pkw zurückgelegten Wege sind unter fünf Kilometer lang; jede zehnte Autofahrt ist sogar kürzer als ein Kilometer. Die Ziele sind: Mehr Menschen legen mehr Wege zu Fuß zurück, der Fußverkehr wird sicherer und barrierefrei, das Thema wird mit festen Zuständigkeiten in Verwaltungen von Bund, Ländern sowie Kommunen verankert und die Aufenthaltsqualität für zu Fuß-Gehende steigt.

Modellstädte erarbeiten und erproben Konzepte

Förderung des Fußgängerverkehrs - Modellstädte erproben erste Vorschläge
Förderung des Fußgängerverkehrs - Modellstädte erproben erste Vorschläge
Quelle: ZDF/Terry Fox
  • Die ersten fünf Modellstädte Rendsburg, Eisenach, Jena, Marl und Chemnitz waren 2016-2018 aktiv daran beteiligt, den Handlungsleitfaden zu erarbeiten.
  • Weitere sieben Modellstädte werden zusätzlich 2018-2020 daran mitwirken, die ersten Erfahrungen zu vertiefen und Handlungsschritte zu erproben. Es sind Halle (Saale), Neustrelitz, Coesfeld, Göttingen, Mainz und Erlangen sowie eine brandenburgische Stadt, die noch benannt wird.
  • Darüber hinaus haben weitere Städte ihr Interesse bekundet, konnten aber bisher nicht als Modellstädte beteiligt werden.

Städtebauliche Maßnahmen machen das Laufen attraktiver

Wer läuft, hat in Deutschland oft unter Abgasen, Lärm und Enge zu leiden und ist stark unfallgefährdet: Mehr als ein Drittel (36 Prozent) der Verkehrstoten innerorts waren zu Fuß unterwegs. Zudem ist das Potenzial des Fußverkehrs längst noch nicht ausgeschöpft. Folgende städtbauliche Maßnahmen werden gefordert:

  • Fußläufige Erreichbarkeit wird im Planungsrecht verankert.
  • Die Regelgeschwindigkeit Tempo 30 wird innerorts eingeführt.
  • Bußgelder für fußgängerfeindliches Verhalten werden erhöht.
  • Bauliche Mindeststandards werden festgeschrieben. Rutschfeste, ebene Oberflächen und ausreichende Gehwegbreiten, bspw.
  • Ampelschaltungsphasen werden zu Gunsten der zu Fuß-Gehenden geregelt.
  • Fußgängern wird an Einmündungen und Knotenpunkten Vorrang eingeräumt.
Archiv:  Mann und Frau tragen gemeinsam einen Kinderwagen die Treppe zum Eisernen Steg am Schaumainkai nach oben
Der Aufzug ist außer Betrieb - Eltern tragen gemeinsam den Kinderwagen die Treppe nach oben.
Quelle: imago

Europäische Städte machen vor, wie es geht

Die Verbesserung der Bedingungen für Fußgänger ist ein wichtiger Baustein für eine erfolgreiche Verkehrswende und nachhaltige Mobilität in der Stadt. Der Fußgängerverkehr kann zur Lösung zahlreicher Probleme und zum Erreichen umwelt- und verkehrspolitischer Ziele beitragen: beispielsweise als wichtiger Bestandteil nachhaltiger Mobilität, zur Verwirklichung der "Stadt der kurzen Wege", als Beitrag zu einem geringeren Ressourcen-/Flächenverbrauch durch Rückgang der PKW-Zahl oder als Grundvoraussetzung, um einer alternden Gesellschaft Mobilität und gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Städte wie Wien, Zürich, München oder Kopenhagen, die sich neben einem gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehr und ausreichend Grünräumen durch eine gut entwickelte Fuß- und Radverkehrsinfrastruktur auszeichnen, gelten in internationalen Rankings regelmäßig als besonders lebenswert.

Deutsche Städte müssen nachziehen

Archiv: Stolperfalle auf dem Bürgersteig
Stolperfalle auf dem Bürgersteig - Gehwege müssen sicherer werden (Archivbild)
Quelle: dpa

Es gilt zu handeln. Zum einen muss die Bedeutung des Fußverkehrs für eine nachhaltige Entwicklung der Städte in Deutschland ins Bewusstsein von Kommunen und Bevölkerung rücken. Städte und Gemeinden sollen motiviert und unterstützt werden, die Bedingungen für Fußgänger zu verbessern. Dafür ist ein klares Bekenntnis des Bundes zum Fußverkehr notwendig. Mit einer bundesweiten Fußverkehrsstrategie könnte es gelingen, den Stellenwert des Fußverkehrs zu erhöhen und in Strategien und Planungen von Bund, Ländern und Kommunen stärker zu berücksichtigen.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.