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G20-Gipfel: Arbeit der Sherpas - Merkels Lastenträger auf dem Weg zum Gipfel

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Lars-Hendrik Röller und sein "Sherpa-Stab“ bereiten den G20-Gipfel in Hamburg inhaltlich vor - in etlichen Runden werden die Ergebnisse des Gipfels vorverhandelt. Die Arbeit vollzieht sich im Verborgenen und wird als "intransparent" kritisiert. Ohne aber geht nichts beim Gipfel.

US-Präsident Trump hat Bundeskanzlerin Merkel in einem Telefonat seine Unterstützung beim G20-Gipfel in Hamburg zugesagt. Er freue sich darauf, den Gipfel zu einem Erfolg zu machen, teilte das Weiße Haus mit.

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Ein überraschendes Trump-Manöver, ein weiterer Giftgasangriff in Syrien oder ein großer Terroranschlag – nur drei von vielen Szenarien, die Lars-Hendrik Röllers Arbeit von Monaten mit einem Schlag zunichtemachen könnten. Seit Dezember 2016 bereitet er als persönlicher Beauftragter der Bundeskanzlerin den G20-Gipfel in Hamburg inhaltlich vor. Er ist eine Art Zeremonienmeister, der im Hintergrund Programm und Ergebnisse der Gipfelshow der 20 mächtigsten Staats- und Regierungschefs der Welt plant.

Sherpa-Deals im Verborgenen: "Das System ist sehr intransparent"

Manche bezeichnen den Ökonomen Röller als "Merkels Schattenmann". Richtig ist, dass er eher im Verborgenen wirkt. Ein heute.de-Interview drei Wochen vor Beginn des G20-Gipfels etwa wurde abgelehnt. Ein Gespräch sei "leider nicht möglich", sagte ein Regierungssprecher. Der Grund: "Die Tage von Herrn Röller sind extrem vollgepackt." Das heißt: Merkels wirtschafts- und finanzpolitischer Berater führt intensive Gespräche über die deutsche G20-Agenda, die er gegenüber den Chefunterhändlern anderer Regierungen verteidigen muss.

Denn die verfolgen teils ganz andere nationale Interessen, wenn es etwa um Energiepolitik geht, den Kampf gegen den Klimawandel, Regeln für die Finanzmärkte oder die fortschreitende Globalisierung. "Details über solche Gespräche dringen nur wenige nach außen - das System ist sehr intransparent", kritisiert die Politikwissenschaftlerin Jennifer Gronau, Autorin der Studie "Die Selbstlegitimation internationaler Institutionen - G8 und G20 im Vergleich", die bei Campus veröffentlicht ist.

Die inhaltlichen Lasten tragen und andere zum Gipfel führen

Dabei ist ein genauerer Blick auf das Wirken Röllers und seiner Mitstreiter gerade deshalb interessant, weil die Spitzenbeamten jene Arbeit machen, für die ihre Chefinnen und Chefs später im Rampenlicht stehen. In der Regel gibt es vor einem G20-Gipfel vier so genannte "Sherpa-Treffen", bei denen die Gipfel-Themen verhandelt und ausgearbeitet werden. Den Sherpa-Begriff verbinden viele Menschen zwar eher mit Bergführern und Lastenträgern aus dem Himalaja, die dafür sorgen, dass andere die höchsten Gipfel der Welt erklimmen können, aber im übertragenen Sinn erfüllt Röller für Merkel die gleiche Funktion.

Das heißt: Röller übernimmt für Merkel als aktueller G20-Vorsitzenden nach außen die Aufgabe, die politischen Themen und Aussagen mit den Vertretern der anderen 18 Nationen und der Europäischen Union abzustimmen. Deutschland müht sich um das Bild einer "vernetzten Welt", in der im Idealfall alle Staaten zum Wohle aller miteinander kooperieren. Das zentrale Ziel Deutschlands sei es, "den Mehrwehrt der multilateralen Zusammenarbeit zu verdeutlichen", sagt ein Regierungssprecher.

"Die Sherpas bewegen sich in mehreren Gruppen auf den Gipfel zu"

Insbesondere beim Aushandeln der Klima- und Wirtschaftspolitik ist das ein schwieriger Prozess. "Da ist viel Moderationsgeschick gefragt", sagt G20-Expertin Gronau. Die vier Sherpa-Treffen in Berlin, Frankfurt am Main, München und Hamburg dienten deshalb auch dafür, die anderen Chefunterhändler persönlich kennenzulernen und auszutesten. "Da wird dann im persönlichen Kontakt ausgelotet, wo sich Handlungskorridore auftun oder wo es Widerstände gibt und gegebenenfalls Zugeständnisse gemacht werden müssten, um die eigenen Ziele an anderer Stelle durchsetzen zu können", sagt Gronau.

Das ist aber nur ein Teil des Sherpa-Dienstes. Lars-Hendrik Röller muss auch nach Innen koordinieren und die Informationsstränge zusammenführen. Für die Themen Finanz- und Wirtschaftspolitik, Arbeit, Gesundheit, Landwirtschaft, Digitales et cetera holen sich Röller und sein Sherpa-Stab des Bundeskanzleramts Expertise aus den jeweiligen Fachministerien. Gronau spricht von parallel verlaufenden Verhandlungssträngen in den wichtigsten Ressorts. Es gebe verschiedene "Sherpa-Tracks". Das heißt: "Die Sherpas bewegen sich in mehreren Gruppen auf den Gipfel zu", so Gronau.

Trump, Putin und Erdogan könnten Agenda durcheinanderwirbeln

Die Expertise der Fachministerien nimmt der Sherpa-Stab auf - und geht es nach Röllers Plan, fließen die wichtigsten Ergebnisse unverwässert mit ein in die G20-Gipfelerklärungen, die so genannten Kommuniqués, an denen die Sherpas seit Monaten inhaltlich feilen. Das Ergebnis dieser Arbeit ist nun schon greifbar. "Das G20-Gipfel-Abschlussdokument steht in wesentlichen Zügen schon vor dem Gipfel fest", bestätigt Politikwissenschaftlerin Gronau.

Merkels Vertrauensmann Lars-Hendrik Röller kann sich dennoch nicht beruhigt zurücklehnen, schließlich könnte ein aus deutscher Sicht gelungener G20-Gipfel Röllers Karrierehöhepunkt werden. Andererseits könnte die schöne Gipfel-Agenda aber auch noch einmal kräftig durcheinandergewirbelt werden. Dafür braucht es nicht einmal das Schlimmste, eskalierende Gewalt und Terror. Denn auch die G20-Teilnehmer Trump, Putin und Erdogan sind immer wieder für eine Überraschung gut.

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