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René Benko übernimmt Kontrolle - Karstadt-Kaufhof in einer Hand: Was das bedeutet

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Nach der Übernahme aller Anteile am Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof muss Signa-Chef René Benko beweisen, dass er das Unternehmen in eine gute Zukunft führen kann.

Ein Plakat mit dem gemeinsamen Namen "Galeria" hängt im Schaufenster einer ehemaligen Kaufhof-Filiale
Fusion der Marken Karstadt und Kaufhof
Quelle: dpa

René Benko ist endlich am Ziel: Schon lange hatte der österreichische Investor die Zusammenführung von Karstadt und Kaufhof im Blick. Seit sieben Monaten sind die beiden als "Galeria Karstadt Kaufhof" vereint. Doch nun kann Benko als "Warenhauskönig" endlich schalten und walten, wie er will. Denn am Montag hat seine Signa-Gruppe auch die restlichen 49,99 Prozent übernommen, die noch bei der kanadischen Hudson’s Bay Company (HBC) lagen.

Sanierungs- und Integrationsprozess wird fortgesetzt

Ein positiver Schritt für das Unternehmen, findet - wenig verwunderlich - Stephan Fanderl, Chef von Galeria Karstadt Kaufhof und gleichzeitig Geschäftsführer von Signa: "Knapp sieben Monate nach dem Zusammenschluss beider Warenhausunternehmen können wir den für alle Mitarbeiter anspruchsvollen und herausfordernden Sanierungs- und Integrationsprozess mit hoher Verlässlichkeit auf der Eigentümerseite fortführen", ließ er sich zitieren.

Rene Benko und seine Gattin Nathalie
Rene Benko und seine Gattin Nathalie.
Quelle: dpa

Fanderl hofft auf kürzere und einfachere Entscheidungswege. Natürlich entfällt nun die Abstimmung mit den Kanadiern, die in den letzten Jahren glücklos agiert hatten. Die aber, so ist zu hören, hätten sich in den letzten Monaten ohnehin nicht mehr wirklich an den Entscheidungen beteiligt. Nicht nur das Deutschland-Geschäft geht von HBC vollständig an Signa über, auch die belgische Tochter Galeria Inno. Die verlustreiche niederländische Tochtergesellschaft bleibt jedoch vollständig bei den Kanadiern. Bei deren Sanierung hätten diese "auf ganzer Linie versagt", meint ein Insider.

Billigmodeketten in ehemalige Karstadthäuser eingezogen

Die Signa-Holding übernimmt nun für etwa eine Milliarde Euro nicht nur die volle Kontrolle, sondern auch die Anteile am wertvollen Immobilienvermögen. Das kommt Signa-Chef Benko entgegen. Denn er ist eigentlich Immobilieninvestor und sucht deshalb möglichst lukrative Entwicklungen für seine Standorte. Was das bedeutet, war etwa in Stuttgart zu beobachten: Das dortige Karstadt-Warenhaus an der Königstraße wurde geschlossen, die Immobilie entkernt und modernisiert. Ein Warenhaus gibt es dort nicht mehr. Stattdessen ist etwa die Billigmodekette Primark und das "Off-Price"-Unternehmen TK Maxx eingezogen.

"Solche Umnutzungen könnten ein Konzept für einige der Warenhaus-Immobilien sein", vermutet Joachim Stumpf von der Handelsberatung BBE. "Bei der Fusion vor sieben Monaten ging es neben der Markt- und Standortstrategie natürlich zuerst um Skaleneffekte in Logistik, Einkauf und Verwaltung." Gemeint ist damit die Ausnutzung von Größenvorteilen.

Aber nicht nur Kostensenkungen seien wichtig, so Stumpf - auch der Umsatz müsse stimmen: "Das aber entscheiden wir Verbraucher." In einigen oft kleineren Städten seien die Häuser nicht so attraktiv, deshalb zweifelt er, ob sich dort das "klassische Warenhaus" halten könne. Aus seiner Sicht dürften nur etwa 120 der derzeit 170 Warenhäuser in Deutschland auf längere Sicht in der Betriebsform Warenhaus erhalten bleiben. "Aber alle Standorte sind gute Handelsstandorte." Die könnte Signa deshalb wahrscheinlich weiterentwickeln. Das dürfte vor allem für die Doppelstandorte gelten in Städten, in denen es sowohl einen Kaufhof als auch ein Karstadt-Warenhaus gebe.

Konkurrenz durch Billigmarken und Onlinehandel

Beide hatten sich im Dezember zu einem Konzern mit europaweit 243 Standorten und insgesamt 32.000 Mitarbeitern zusammengeschlossen. Damit wollten sie sich gegen die vielen Billiganbieter wie Primark, aber auch gegen Online-Händler wie Amazon oder Zalando durchsetzen. Aus dieser Sandwich-Position herauszukommen, gestaltet sich jedoch schwieriger als erwartet. Hinzu kamen Fehlentscheidungen der vorherigen Kaufhof-Eigner HBC: Die Kanadier hatten wenig Verständnis für den europäischen Markt entwickelt.

Die Designer-Outlet-Kette Saks Off 5th war dafür ein Beispiel: Das Konzept scheiterte in Deutschland, die sechs Filialen werden zum Monatsende geschlossen. Dem Mit-Eigentümer HBC trauern die Mitarbeiter nicht nach. Das sei eher eine gute Nachricht, sagte Peter Zysik, Gesamtbetriebsratschef der Warenhauskette, der ARD. Doch müsse Benko nun die "radikale Personalreduzierung" stoppen, forderte er, die Mitarbeiter vernünftig bezahlen und auch auf deren Rat hören.

Zukunft der Mitarbeiter noch ungewiss

Doch wie es nun für die Mitarbeiter in den Warenhäusern weitergeht, ist noch nicht klar. Die Gewerkschaft Verdi möchte jedenfalls Arbeitsplätze und Standorte erhalten. "Wir erwarten die richtigen Entscheidungen für ein überzeugendes Zukunftskonzept, das diesen Namen auch verdient, und die Rückkehr in die Tarifbindung für existenzsichernde Löhne", forderte Orhan Akman, ver.di-Bundesfachgruppenleiter Einzelhandel.

Den Abschied aus der Tarifbindung hatte Warenhauschef Fanderl im Januar angekündigt, außerdem die Streichung von 2.600 Vollzeitstellen. Inzwischen hat der Gesamtbetriebsrat mit dem Management ausgehandelt, dass zunächst nur 1.000 Vollzeitstellen in den Filialen gestrichen werden - wegen der vielen Teilzeitbeschäftigten dürfte das dann insgesamt etwa 1.300 Mitarbeiter treffen. Weitere 1.000 Stellen dürften in der Zentrale gestrichen werden. Vor allem Kaufhof kämpft mit hohen Verlusten, die lagen im Ende Januar beendeten Geschäftsjahr im dreistelligen Millionenbereich. Allerdings war auch Karstadt zuletzt wieder in die roten Zahlen gerutscht.

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