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USK-Entscheid zu Nazi-Symbolen - Games-Branche: "Beschluss längst überfällig"

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Computerspiele können künftig eine Altersfreigabe bekommen - auch wenn sie Hakenkreuze enthalten. Für Branchen-Geschäftsführer Falk ist der Beschluss der USK "längst überfällig".

heute.de: Die USK hat das Verbot von Hakenkreuzen und SS-Symbolen in Videospielen gelockert. Warum ist die Entscheidung so wichtig?

Felix Falk: Der Beschluss war längst überfällig, weil die Verwendung von verfassungswidrigen Symbolen im Einzelfall, wenn es um historischen, künstlerischen oder wissenschaftlichen Kontext ging, im Medium Film längst erlaubt war - nur in Spielen aber nicht. Daher ist das eine richtige Entscheidung. Denn sie bedeutet, dass Computerspiele als Medium gleichbehandelt werden.

Zur Person

heute.de: Wieso muss eigentlich ein rein unterhaltsames Action-Game unbedingt verbotene Symbole zeigen dürfen? Es soll ja auch ein "Gewöhnungseffekt" vermieden werden. Wäre es nicht sinnvoller, man würde es Games gerade nicht erlauben, Hakenkreuze zu zeigen?

Falk: Das Ganze ist ja nie ein pauschaler Beschluss, das wird immer eine Einzelfall-Entscheidung bleiben. Die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK), die für die Prüfung von Computerspielen zuständig ist, schaut sich an, ob die sogenannte "Sozialadäquanz" wirklich erfüllt ist. Also, ob es um einen historischen oder wissenschaftlichen oder künstlerischen Kontext geht, und nur in diesen Fällen - wie beim Film auch - werden solche Symbole erlaubt sein. So konnte es zum Beispiel längst einen Anne Frank-Film geben -  jetzt ist das auch als Spiel möglich.

heute.de: Was bedeutet das nun für die Gamesbranche an sich?

Falk: Auch für uns als Gamesbranche ist das ein ganz wichtiges Signal, denn wir stehen für eine offene Gesellschaft, wir bekennen uns zur historischen Verantwortung Deutschlands. Und grade die jungen Entwickler wollen mit ihren kreativen Ansätzen schwierige gesellschaftliche Geschichten thematisieren und damit gerade junge Generationen besonders gut erreichen.

heute.de: Auslöser der bestehenden Regelung war angeblich der Fund von des Spiels "Wolfenstein-3D" bei einem Neonazi. Zeigt das nicht schon, dass Spiele nicht unbedingt das vermitteln, was der Entwickler intendiert hat? Kritiker argumentieren ja auch, Kinofilme und TV-Serien seien in sich abgeschlossene Werke - Spiele dagegen nicht. Es liegt in ihrer Natur, dass sie interaktiv sind. Ist das nicht Grund genug, das Kulturgut Spiel anders zu behandeln, als das Kulturgut Film?

Falk: Das Kulturgut Spiel muss auf jeden Fall anders behandelt werden insgesamt als andere Kulturmedien - denn es ist anders. Spiele sind interaktiv, aber gerade deswegen so auch toll in der Lage, bestimmte Geschichten vielleicht viel besser zu erzählen als andere Medien das könnten. Wir sehen ganz viele Spiele von kreativen interaktiven Entwicklern die sehr verantwortungsvoll gerade schwierige Themen aus der NS-Zeit thematisieren. Die erreichen gerade junge Generationen gut, daher ist es richtig und in unserer Verantwortung, dass gerade solche Geschichten erzählt werden.

Die Fragen stellte Andreas Garbe

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