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Gamescom 2017 - Kanzlerin, Konferenzen und Kulturgut

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Nicht immer wurden digitale Spiele von Politikern so wohlwollend bedacht wie in diesen Tagen. Der Gamescom in Köln als weltgrößte Schau für interaktive Spiele und Unterhaltung erweist in diesem Jahr sogar Bundeskanzlerin Merkel ihre Reverenz und hebt die Bedeutung der Branche hervor.

Computerspiele sind "Kulturgut, Innovationsmotor und Wirtschaftsfaktor von allergrößter Bedeutung". Mit diesen Worten eröffnete Bundeskanzlerin Angela Merkel die Gamescom, eine der größten Messen dieser Branche weltweit.

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Dass die Bundeskanzlerin in diesem Jahr die Spielemesse Gamescom eröffnet, sollte eigentlich nicht überraschen. In den aktuellen Wahlprogrammen der beiden großen Volksparteien steht zum Thema Computerspiele fast derselbe Satz: Das Medium sei Kulturgut und sollte stärker gefördert werden. Die Branche wird von vielen als Wirtschaftsfaktor gelobt, der Deutschland als Standort für Technologie und Innovation etabliere. Auch Angela Merkel (CDU) sieht in den Spielen einen "starken Pfeiler der deutschen Wirtschaft".

Und diesen möchte Merkel noch weiter fördern: Es gebe bereits eine ganze Reihe von Förderprogrammen, die Spieleentwickler nutzen könnten. "Wir sind aber nicht Spitzenreiter", sagte die Kanzlerin. Deshalb wolle sich die Bundesregierung ganz genau anschauen, was etwa das Gamescom-Partnerland Kanada oder auch Frankreich und Polen machen, deren Förderungskonzepte als vorbildlich gelten. "Wir wollen in der nächsten Legislaturperiode alle Akteure zusammenbringen, um auch den deutschen Entwicklern vernünftige Möglichkeiten zu bieten." Sie werde auf jeden Fall die Entwicklung weiter verfolgen - "und mal sehen, was passiert, vielleicht auch weiter mitgestalten".

"Wir sind eigentlich der größte Absatzmarkt in Europa"

Tatsächlich bekommt Deutschland nur verhältnismäßig wenig ab vom Erlös der Spielebranche. Während die Deutschen sehr viel Geld für Games ausgeben, werden verhältnismäßig wenige davon auch hier produziert. Von 100 Euro, die hier über den Ladentisch gehen, blieben gerade mal sieben bei deutschen Studios, bemängelt der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU). Doch das soll sich ändern.

Tobias Kopka vom Veranstalter Aruba Events ist für gleich mehrere Fachkonferenzen zuständig, die im Rahmen der Messe stattfinden. "Wir sind tatsächlich ein riesengroßer Absatzmarkt, eigentlich der größte in Europa. Aber wir sind ein Stück weit ins Hintertreffen geraten, was den Anteil unserer eigenen Entwickler in Deutschland betrifft." Fachkonferenzen wie die Devcom oder die Respawn seien ein Schlüssel, um die deutschen Studios wettbewerbsfähig zu machen. "Was uns sehr wichtig ist: Die internationalen Partner herzubringen, dass sich die Leute vernetzen - also aus Skandinavien, aus Osteuropa und aus den USA natürlich - und Entwickler zusammenzubringen, damit sie sich austauschen und bessere Netzwerke bauen können."

"Möglichst viele Leute erreichen"

Die Stände der großen Unternehmen locken Zehntausende an. Aber die Messe ist genauso wichtig für Studios, die sich erst noch etablieren müssen und für jeden einzelnen Besucher dankbar sind. Es gibt eine eigene Halle, in der kleine unabhängige Entwickler ihre Ideen ausstellen. Philipp Stern hat zusammen mit drei anderen Game-Design-Studenten aus Zürich eine Firma gegründet, und sie sind hier, um ihr erstes Spiel vorzustellen. Das stimmungsvoll melancholische "Far - Lone Sails" soll Wind in die Segel bekommen. Bei dem Spiel muss der Spieler ein riesiges Schiff am Laufen halten.

"Wir versuchen halt auch Kontakte aufzubauen, eine Community aus Leuten, die sich für das Spiel interessieren und über das Spiel reden. Was sich dann natürlich auch online auswirken soll und wir hoffen, dass uns das dann hilft, möglichst viele Leute zu erreichen", so Stern. "Das ist ganz klar, dass die Gamescom da einen wichtigen Part spielt."

"Lieber selber spielen"

Natürlich sind alle bedeutenden Unternehmen der Branche mit großen Ständen vertreten: Activision Blizzard, Electronic Arts, Ubisoft, Sony, Nintendo und Microsoft präsentieren ihre neuesten Spiele, für die die Fans oft genug stundenlang anstehen. Francisco Schlipf ist von außerhalb angereist, um das neue "Monster Hunter" und "Final Fantasy Dissidia" anzuspielen. Die Wartezeiten stören ihn nicht, denn hier trifft man schließlich Gleichgesinnte. "In der Schlange rede ich mit anderen Leuten, die ich gar nicht kenne." Außerdem müsse er sich danach nicht auf Plattformen wie YouTube verlassen, um die Spiele beurteilen zu können. "Lieber selber spielen, anstatt irgendwas anzuschauen."

Tamara und Ly sind aus Sachsen angereist. Sie sind beim Verein Leipzig eSports e.V., der auf seinem Stand für das wettbewerbsmäßige Spielen wirbt, haben aber gerade etwas Leerlauf und bummeln. "Ich mag das gerne, sich so beschallen zu lassen", erzählt Tamara, "diese Eindrücke zu sammeln. Ich muss gar nicht unbedingt zocken. Ich mag die bunten Stände und was die so alles bieten." Auch Ly läuft einfach gerne herum. "Ich gucke mir an, was sonst noch so im Angebot ist."

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